Opel, Wagensportliga und sexuelle Unterdrückung

Geschrieben am November 29, 2009 von

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Leider hinkt das AutorInnenkollektiv Hilde Benjamin seinem Plansoll an sozialkritischer Betrachtung zur Enttäuschung seiner LeserInnen hinterher. Die Ursache dafürist in den kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen zu sehen, denen die Angehörigen aufgrund ihrer proletarischen Klassenzugehörigkeit unterworfen sind. Der Plan der Herrschenden ist es, uns unsere Menschenrechte an Konsumgütern nur zum Preis für Entfremdung von uns selbst und unserem revolutionären Kampf zugestehen zu wollen. Dieser hinterlistige Plan schien in den letzten Wochen aufzugehen, doch jetzt sind wir wieder da, und zwar mit verstärktem sozialistischen Kampfesmut!
(Anders gesagt: ‘Tschuldigung für unser zweiwöchiges Schweigen, wir hatten alle viel Arbeit.)
Beweis für SS-Ideologie bei OpelIn der Zwischenzeit ist einiges passiert, das vom sozialen Standpunkt hinterfragt werden muß. Zunächst hat die Adam Opel GmbH ihr wahres, unmenschliches Gesicht gezeigt. Jetzt endlich verstehen auch die Opel-ArbeiterInnen, daß sie durch ihre Arbeit nur ausgebeutet werden und kalt gefeuert werden, wenn es dem Profit der Kapitalisten dient und der sozialistische Staat sich nicht durchsetzen kann. Genosse Joschka Fischer hat das ja frühzeitig erkannt und entsprechend agitiert, aber damals wollten die OpelanerInnen lieber arbeitende als agitierende KollegInnen und so wurde er gefeuert. Man könnte also fast meinen, die drohenden Entlassungen geschehen den Opelanern recht. Aber wir SozialistInnen glauben natürlich an das Gute im Menschen (also nicht an Gott). Gerade die Krise bietet Chancen zur Umerziehung. Das soll hier genutzt werden.
Wie alle im durchschauen rechtsextremistischer Symbolik geschulte GenossInnen graphisch mittels eines Spiegels und einiger Schnäpse nachweisen können, hat die Adam Opel GmbH besondere Verbindungen zur sexualreaktionären, asketisch-mystizistischen NS-Ideologie bis heute nicht aufgegeben. Der erste Beweis ist das Firmensymbol. Der andere Beweis ist die Unternehmensgeschichte.
Zunächst produzierte Opel Fahrräder und Motorräder für den Massenmarkt. Ab den 30er Jahren stellte sich das Unternehmen auf Automobile um, insbesondere militärisch genutzte LkW. Natürlich steckt dahinter auch KriegsgewinnlerInnentum.

Opel Blitz der verbrecherischen Wehrmacht. Man beachte das gespiegelt und gedrehte Runen-S auf dem Kühler.

Aber es ist noch schlimmer. Diese Unternehmensentscheidung ist eine direkte Provokation gegen die Sexualreform gewesen. Denn gerade zu dieser Zeit erkannte die marxistische Sexualwissenschaft dank des Genossen Wilhelm Reich, daß Motorrad- und Fahrradfahren nichts anderes als unbewußte Onanie ist (“Die sexuelle Revolution”, Kap. VI, Abschnitt 2).
Aus aufgeklärter wissenschaftlicher Sicht ist gegen Motorrad- und Fahrradfahren also nichts einzuwenden; allenfalls sind die gesellschaftlichen Ursachen zu bekämpfen, wenn die Masturbation (wie es in ständig onanierenden konservativen Kreisen immer) eine neurotische Manifestation sexualökonomischer Unfreiheit ist und keine vegetative Enthemmung im Sinne der Entdinglichung des befreiten sozialistischen Menschseins. Für reaktionär-konservative Schichten wie die GM-Konzernleitung im imperialistischen Amerika war das hingegen ein Schock. Also flugs die Produktion auf asketische Fahrzeuge umgestellt, um den gewollten gesellschaftlichen Zwang zur Mobilität nicht durch sexuell befreiende Fahrzeugangebote in ein revolutionäres Moment zu verwandeln! Das steckt primär hinter dem gesellschaftlichen Siegeszug des Automobils.
Aber die Revolution in ihrem Lauf hält keine Konzernleitung mehr auf! Tatkräftige AntifaschistInnen, die den gesellschaftlichen Zwang zum Autofahren sexualökonomisch durchschaut haben, engagieren sich deswegen friedlich in der Wagensportliga, um ein Umdenken über das gesellschaftliche Diktat zu einer sexualasketischen Form der Fortbewegung auszulösen. Wir wünschen ihnen viel Erfolg bei ihrem Kampf mit Grillanzünder und Hammer für eine gewaltfreie, soziale Welt!

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