neue entwicklungen am hindukusch

Geschrieben am Januar 30, 2010 von

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Bin laden (rechts im bild) hat einen vorbildlichen wandel hinter sich

An dieser stelle sollte zwar vom autorenkollektiv hilde benjamin die wiederwahl von ben bernanke als präsident der federal reserve bank kommentiert werden, doch ein aktuelles ereignis muss zuerst beachtet werden: Es ist ein neues Tonband von scheich osama bin laden öffentlich geworden, über das die BBC näher berichtet. Darin macht er die industriestaaten für die krise durch den klimawandel verantwortlich. Insbesondere wirft er dem ehemaligen führer der us-imperialisten, den affen george w. bush, vor, das kyoto-protokoll nicht unterzeichnet zu haben, nur um grossen unternehmen profite zuzuschanzen.

Diese botschaft mag aussenstehende verwundern. Es ist schliesslich bekannt, dass bin laden einer reichen saudischen bauunternehmerfamilie entstammt, die von der klimaschädlichen ölindustrie mitprofitiert. Mit seinem anteil konnte er die al-qaida seit dem abzug der sowjetischen friedenstruppen aus afghanistan weiterfinanzieren, und gegen seine ehemaligen intriganten unterstützer lenken, die usa. Sägt er nun die ökonomische basis seines kampfes gegen die nato-besatzung afghanistans ab?

Die beantwortung dieser frage bringt eine gute und eine schlechte nachricht. Zunächst die schlechte: Das aussteigerprogramm der bundesregierung und der nato für gemässigte taliban funktioniert nicht. Wir vom autorenkollektiv hilde benjamin wundern uns nicht darüber: Die taliban sind in einer antiproletarischen ideologie, ihrer religion, gefangen, die die annahme von initiativen zur verbesserung der lage der einfachen leute unmöglich macht. Der ansatz des taliban-aussteigerprogrammes ist rein ökonomistisch orientiert und involviert nicht die ideologischen probleme. Die aussteigerprogramme für rechtsextreme sind da besser durchdacht, nämlich das vom verfassungsschutz und das besonders erfolgreiche exit-programm. Letzteres setzt gezielt an der bekämpfung der brutstätte autoritärer ideologien an, der familie, und wird deswegen auch vom familienministerium gefördert.

begrüssen bald einen neuen arabischen neuzugang aus afghanistan in ihren reihen: aktivisten von attac

Nun aber die gute nachricht: Bin laden wird sich künftig greenpeace und zusammen mit heiner geissler dem globalisierungskritischen netzwerk attac widmen. Seine letzten äußerungen sind als grundsätzliche abkehr von allen faschistoidalen ideologien –sowohl der religion als auch des us-imperialismus– zu verstehen. Angestossen durch fortschrittliche impulse der obama-regierung begann in bin laden ein kritischer nachdenkprozess, an dessen ende das durchschauen der gesellschaftlichen zusammenhänge von ausbeutung, krieg, umweltverschmutzung, globalisierung und der manipulation durch religion lagen, in gang gekommen. Nicht zuletzt die einstellung der lokalen razzien im irak wird für dieses umdenken hilfreich gewesen sein. Wir werden auf bin laden also weiterhin als zuverlässigen kämpfer gegen imperialismus und zionismus zählen können, künftig aber auch gegen kapitalismus, grosskonzerne, globalisierung und klimawandel.

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