gesellschaftlich verantwortliche computerspiele

Posted on Mai 6, 2010 von

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Commandante_robot

Da der sozialismus alle bedürfnisse befriedigen wird, haben wir allen anlaß, auch dem natürlichen spieltrieb unserer leserInnen entgegenzukommen. Dabei ist darauf zu achten, dass von computerspielen genau wie von gentechnik, atomkraftwerken, bundeswehrsoldaten, waffen, werkzeugen, privatunternehmen, banken, kirchen, magnetschwebebahnen, motorrädern, kindererziehung, wahnsinnigen rindern, hühnern, schweinen, kampfhunden, google street view, bonuszahlungen, baustellen, baströcken, schlangen und skorpionen, klimawandel, schlafwandel, wertewandel, steuerhinterziehern, fallrückziehern, griechen-, is-, eng-, ir-, grön-, est-, lett-, russ-, finn- und neuseeland gefahren für die gesellschaft ausgehen. Genosse brux hat neulich erst darauf hingewiesen, dass computerspiele die gesellschaft kaputtmachen und am besten verboten werden müssten, wenn er nicht so realistisch wäre und wüsste, dass das nicht geht. Deswegen musste das autorInnenkollektiv sorgfältig und mit vorsichtiger technikfolgenabschätzung gesellschaftlich unbedenkliche computerspiele aussuchen. Hier sind nun unsere drei als revolutionär wertvoll zertifizierten spiele:

Das erste ist Perestroika (für DOS und windows). Es nimmt satirisch die unzulänglichkeiten der politischen sabotage am sozialismus durch die regierung gorbatschow aufs korn. Glaube ich.

Das zweite spiel ist super kim. Das spiel ist wegen sabotagebedingter planuntererfüllung noch nicht ganz fertig, aber hier kann man die werbung dafür sehen, mit der es im kapitalistischen ausland gegen devisen verkauft werden soll:

Unser letzter tip ist zugleich der favorit unseres kollektivs: Liberal crime squad (es gibt den quellcode und eine fertig compilierte version für windows) ist ein spielerisches trainingsprogramm für alle angehenden revolutionäre. Ziel ist es, durch gezielte aktionen von progressiven aktivistInnen erzkonservativepolitik zu bekämpfen. Am anfang des spiels kann man gesellschaftliche umstände auswählen, die –wie jeder marxist weiss– das bewusstsein und einige fähigkeiten der startfigur bestimmen. Dann gewinnt man genossInnen, indem man sie auf misstände aufmerksam macht. Man kann aber auch lohnsklaven der textilindustrie befreien, indem man in deren fabrikhallen eindringt. Dabei sollte man entweder nackt sein wie die arbeiterInnen, denen das elementare recht auf kleidung von ihren ausbeutern versagt wird, oder eine security-uniform tragen, sonst fällt man auf. Eine ausführliche beschreibung findet man hier.

Logo der symbionesischen befreiungsarmee.

Am ende sollte abtreibung legal sein, homosexuelle gleiche rechte haben, privater waffenbesitz, gentechnik, kernenergie, tierversuche und hohe bezahlung von managern verboten sein. Der/die präsidentIn, die obersten richterInnen und möglichst viele Abgeordnete sollten “elite liberal” sein. Dies waren auch die ziele der symbionesischen befreiungsarmee, deren leider vergeblicher kampf während der jahre 1971-1975 die entwicklung des spieles inspiriert hat.

An diesem begriff könnte man sich als europäischer revolutionär natürlich stören, denn erstens sind wir keine elite, wie rudi dutschke ausgeführt hat, die von oben herab den leuten sagt, was sie zu tun oder zu lassen haben. Elite kommt nämlich von auserwählen und wir sind nicht auserwählt (diesen bürgerlich-religiösen begriff verabscheuen wir), sondern wir sind durch die gesellschaftlichen fortschritte demokratisch führende repräsentanten der bewegung der unterdrückten volksmassen geworden.

Zweitens klingt liberal zu sehr nach neoliberal. Man muss die dogmengeschichte hinter den begriffen nicht kennen (sonst würde man “neoliberal” nämlich lieber nicht verwenden). In den USA sagt man aber liberal, wenn man kommunistisch oder sozialistisch meint. Es ist –wie viele andere misstände in den USA– ein ergebnis der repression der McCarthy-epoche, dass bis heute die klare benennung politischer notwendigkeiten gesellschaftlich geächtet ist.

Ein sehr schönes detail ist die funktion “fix gender label”. Weil sie so emanzipiert sind, kann man bei den aktivistInnen nämlich während des spiels verändern, welches geschlecht sie gesellschaftlich haben sollen: Männlich, weiblich oder transgender. Auf den weiteren verlauf –etwa ob frauen- oder männerkleidung getragen wird– hat das keine auswirkungen, weil das liberal crime squad frei von sexueller diskriminierung ist.

LCS ist dringend zu empfehlen. Die steuerung erfolgt zwar über tastatur und ohne grafische darstellung, dafür ist das programm aber auch auf den i386-rechnern lauffähig, die anfang der 90er jahre gegen teure devisen von der sowjetunion erworben worden sind.

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