Unsere Partei und der Fussball – eine Erfolgsgeschichte

Geschrieben am Juli 5, 2010 von

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Genosse Politbürokrat verlangt zu Recht eine stärkere Politisierung der WM- Berichterstattung. Dies ist natürlich zu unterstützen, da aber auch gar nichts, jemals, irgendwo, genug politisiert werden kann. Denn wir lieben die Politik und sie liebt uns. Aber verehrter Herr Genosse, wenn ich die Übertragung des glorreichen Viertelfinales unserer Volkself noch mal vor meinem geistigen Auge Revue passieren lasse, frage ich mich ob Sie nicht die Bemühungen unseres Staatsfunks, unserer Parteivorsitzenden und der Fifa ein wenig unterbewerten.

Nun gut, die Übertragung begann mit dem Dauerärgernis, das allen internationalen Sportveranstaltungen gemein ist und uns überzeugten Sozialisten immer wieder die Zornesröte ins Gesicht treibt: Wir werden mit Hoffmann von Fallerslebens Plastehymne gequält, statt unser geliebtes „Auferstanden aus Ruinen“ genießen zu können. Auch dass die Melodie, von der ehemaligen Tyrannenhymne „Gott erhalte Franz, den Kaiser“ stammt, erscheint in diesem Kontext, ein wenig wie die stille Sehnsucht nach einer neuen Fußball-Monarchie. Aus Protest gegen diese Missstände verweigern die aufrechten Sozialisten unter unseren Sportleuten den Mitgesang – genau hinschauen lohnt sich also!

Dann aber verlas Philipp Lahm (der übrigens den Hymnen- Gesinnungstest nicht bestanden hat) ein Statement gegen Rassismus. Ein überfälliges Signal, haben doch gerade wir in Deutschland rein gar nichts, aus unserer düsteren Vergangenheit gelernt und sind auf dem besten Weg zu einer gesamtdeutschen „No-go-Area“ zu verkommen.

Sozialistische Gastronomie: Antifaschistisches Engagement am Rande der WM.

Nebenbei wurde immer wieder unsere großartige Parteivorsitzende eingeblendet, die sich elegant im roten Blazer, mit einer Selbstsicherheit auf der Tribüne bewegte, als sei sie im Stadion groß geworden. Am Ende der Übertragung wurde ihr noch mal die Gelegenheit gegeben sich vor den Mikrophonen zu äußern, die sie mal wieder mit Bravour nutzte, um für sich und unsere geliebte Einheitspartei Werbung zu machen. Nach diesem Interview sorgte der Torwart-Titan Oliver Kahn noch mit einer kleinen Anekdote für Erbauung: Er beschrieb wie Frau Merkel einst in staatstragender Manier vor die Mannschaft trat, um sie für ein wichtiges Spiel einzuschwören. Er erinnerte sich, dass „in kürzester Zeit eine – tsssschschsch – hochbrisante politische Diskussion“ entstand . Wie gern hätten wir da mitdiskutiert.

Abseits der Medien, sei das Engagement einiger VolksgenossInnen hervorgehoben, die sich am Rande der WM im Kampf für die sozialistische Sache hervortun. In der Neuköllner Sonnenallee, erzürnt derzeit das Anbringen einer 100 m² (!) großen schwarz, rot, goldenen Fahne, die sozialistische Volksseele. Ausgerechnet ein türkischstämmiger Migrant beflaggt sein Haus in den faschistischen Farben aus der alten Zeit. Ein Anzeichen dafür, dass jahrzehntelange Integrationspolitik immer noch nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat. Hoffnungsvoll stimmt, dass eine Heerschar von strammen Antifaschisten Sturm läuft,  gegen diesen Affront gegenüber dem sozialistischen Volksempfinden.

Zuviel geblasen: Die dunklen Seiten des Vuvuzela-Kults

Kritisch muss ich anmerken, dass unser Parteibüro immer noch keine Ergebnisse bezüglich eines Vuvuzela Verbots vorgelegt hat und damit unserem Kollektiv massive gesundheitliche Schäden zufügt. Neben der Schallemission und ihrer Eigenschaft als Virenschleuder ist eine weitere fatale, gesundheitsschädliche Auswirkung der Vuvuzela bekannt geworden: Die Chiara Ohoven Lippe. Verehrtes Politbüro, es wird nun wirklich Zeit zu handeln.

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