Genosse Politbürokrat verlangt zu Recht eine stärkere Politisierung der WM- Berichterstattung. Dies ist natürlich zu unterstützen, da aber auch gar nichts, jemals, irgendwo, genug politisiert werden kann. Denn wir lieben die Politik und sie liebt uns. Aber verehrter Herr Genosse, wenn ich die Übertragung des glorreichen Viertelfinales unserer Volkself noch mal vor meinem geistigen Auge Revue passieren lasse, frage ich mich ob Sie nicht die Bemühungen unseres Staatsfunks, unserer Parteivorsitzenden und der Fifa ein wenig unterbewerten.
Nun gut, die Übertragung begann mit dem Dauerärgernis, das allen internationalen Sportveranstaltungen gemein ist und uns überzeugten Sozialisten immer wieder die Zornesröte ins Gesicht treibt: Wir werden mit Hoffmann von Fallerslebens Plastehymne gequält, statt unser geliebtes „Auferstanden aus Ruinen“ genießen zu können. Auch dass die Melodie, von der ehemaligen Tyrannenhymne „Gott erhalte Franz, den Kaiser“ stammt, erscheint in diesem Kontext, ein wenig wie die stille Sehnsucht nach einer neuen Fußball-Monarchie. Aus Protest gegen diese Missstände verweigern die aufrechten Sozialisten unter unseren Sportleuten den Mitgesang – genau hinschauen lohnt sich also!
Dann aber verlas Philipp Lahm (der übrigens den Hymnen- Gesinnungstest nicht bestanden hat) ein Statement gegen Rassismus. Ein überfälliges Signal, haben doch gerade wir in Deutschland rein gar nichts, aus unserer düsteren Vergangenheit gelernt und sind auf dem besten Weg zu einer gesamtdeutschen „No-go-Area“ zu verkommen.
Nebenbei wurde immer wieder unsere großartige Parteivorsitzende eingeblendet, die sich elegant im roten Blazer, mit einer Selbstsicherheit auf der Tribüne bewegte, als sei sie im Stadion groß geworden. Am Ende der Übertragung wurde ihr noch mal die Gelegenheit gegeben sich vor den Mikrophonen zu äußern, die sie mal wieder mit Bravour nutzte, um für sich und unsere geliebte Einheitspartei Werbung zu machen. Nach diesem Interview sorgte der Torwart-Titan Oliver Kahn noch mit einer kleinen Anekdote für Erbauung: Er beschrieb wie Frau Merkel einst in staatstragender Manier vor die Mannschaft trat, um sie für ein wichtiges Spiel einzuschwören. Er erinnerte sich, dass „in kürzester Zeit eine – tsssschschsch – hochbrisante politische Diskussion“ entstand . Wie gern hätten wir da mitdiskutiert.
Abseits der Medien, sei das Engagement einiger VolksgenossInnen hervorgehoben, die sich am Rande der WM im Kampf für die sozialistische Sache hervortun. In der Neuköllner Sonnenallee, erzürnt derzeit das Anbringen einer 100 m² (!) großen schwarz, rot, goldenen Fahne, die sozialistische Volksseele. Ausgerechnet ein türkischstämmiger Migrant beflaggt sein Haus in den faschistischen Farben aus der alten Zeit. Ein Anzeichen dafür, dass jahrzehntelange Integrationspolitik immer noch nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat. Hoffnungsvoll stimmt, dass eine Heerschar von strammen Antifaschisten Sturm läuft, gegen diesen Affront gegenüber dem sozialistischen Volksempfinden.
Kritisch muss ich anmerken, dass unser Parteibüro immer noch keine Ergebnisse bezüglich eines Vuvuzela Verbots vorgelegt hat und damit unserem Kollektiv massive gesundheitliche Schäden zufügt. Neben der Schallemission und ihrer Eigenschaft als Virenschleuder ist eine weitere fatale, gesundheitsschädliche Auswirkung der Vuvuzela bekannt geworden: Die Chiara Ohoven Lippe. Verehrtes Politbüro, es wird nun wirklich Zeit zu handeln.














Komsomolze
Juli 5, 2010
Werte Genossin Rotlichtbestrahlung: Ich bin entsetzt! Egal, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Weise sich unsere geliebte Partei äußern wird – das Gesagte ist stets richtig und zur richtigen (rechten gehört sich nicht zu schreiben) Zeit gesagt, jedenfalls im Moment des Sagens, denn die Partei hört ebenso wie der unverderbliche Lenin nicht auf, zu lernen!
Natürlich sollten die Flaggen zur WM nicht nur aus drei Streifen, sondern auch aus dem Zeichen des Bündnisses zwischen Arbeiterklasse, Intelligenz und Bauernschaft bestehen. Es ist unsere Aufgabe, den kapitalistisch verseuchten Renegaten in China zu zeigen, dass die wahre deutsche Fahne nur mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz korrekt dargestellt ist.
Wer dann diese Fahne abreißt, ist als Volksschädling und Klassenfeind entlarvt und gewinnt eine mindestens fünfundzwanzigjährige Erziehungsreise in das Gebiet nördlich von Magadan.
Denn merke stets: Der Sozialismus straft nicht – er erzieht.
Karl Eduard
Juli 5, 2010
Genau so ist es. Die Genossen Antifaschisten verharren leider immer noch in ihrer selbstgewählten Blödheit, statt sich , wie das ZK der SED, das Positive zu eigen zu machen, das die fortschrittlichsten Kräfte des deutschen Volkes mit Schwarz-Rot-Gold verbindet, die quasi die Vorfahren von Frau Wagenknecht oder Herrn Lafontaine waren. Damit isolieren sie sich von der Arbeiterschaft, den Bauern und der Werktätigen Intelligenz, deren Werkzeuge so schön das schwarzrotgüldene Band als höchste Zierde veredelten.
“Hammer und Zirkel im Ährenkranz – Zeichen des Glücks an der Wiege …
Allerdings, und das muß man mit Trauer bemerken, können die jungen Genossen mit dem Wort Arbeit nichts mehr anfangen, sie hängen am Lunikow oder Gorbatschow, manche auch an der Jeltzin, statt kühn, wie die Lützower Jäger ins Morgen zu reiten, wie Friedrich Engels an der Elberfelder Barrikade die Farben der Hambacher Burschen zu schwingen oder wie Thälmann, treu und kühn, unter den Märzgefallenen zu liegen, bedeckt mit den Farben der späteren Deutschen Demokratischen Republik, die nun geächtet werden. Und das ist doch wirklich das Traurige an der Sache.
kroraina
Juli 5, 2010
GenossInnen,
um mich mit den kampferprobten GenossInnen Komsomolze und Karl Eduard solidarisch zu zeigen, hier der Link zum Lied unserer geliebten Partei, der Vorhaut des Proletariats, komponiert vom überzeugten Kommunisten und wahrhaften Internationalisten Louis Fürnberg:
und hier die Version für taube GenossInnen, die auch nicht leer ausgehen sollen:
http://www.allthelyrics.com/lyrics/sed/das_lied_der_partei-lyrics-1156751.html
GenossIn Sarah Wagenknecht wird entzückt sein über die authentische Zeile
„So, aus Leninschem Geist, wächst, von Stalin geschweißt, die Partei” welche sich im antagonistischen Widerspruch zum revisionistischen Kniefall vor dem Klassenfeind befindet, der sich in der verkürzten Form “So aus Leninschem Geist wächst zusammengeschweißt, die Partei” äussert, mit der bereits der Untergang unserer Arbeiter und Bauernrepublik eingeleitet wurde.
GenossInnen, nieder mit dem Revisionismus!
Apropos: wo ist denn eigentlich die GenossIn DVD Vorsitzende abgeblieben?
mit sozialistischen Grüssen
Genosse Vladimir Ilyich Kroraina
Komsomolze
Juli 6, 2010
Es geht mir runter wie Öl, wenn ich als “kampferprobter Genosse” bezeichnet werde, auch wenn das natürlich eitler Ausdruck der in mir fortwirkenden bürgerlichen Schlacken ist.
Denkt an morgen: “Wir hielten Stand im Ebro-Tal, Brigade International, die Freiheit hat Soldaten! So wahr im Wind die rote Fahne fliegt, ich weiß, daß unsere gute Sache siegt!”
Ich verpflichte mich zur Mitarbeit vor dem Bildschirm – Rot Front!
steinzeitmarxist
Juli 6, 2010
Wir nehmen Dich beim Wort, Genosse, eine WordPress-Einladung ist gerade unterwegs…
Karl Eduard
Juli 6, 2010
Ja, der Genosse Stalin hat damals noch ehrbares Schweißerhandwerk ausgeübt, um sich über die Runden zu bringen, während die Genossin Wagenknecht schon unter der Last als Nachhilfelehrein zusammenbrach und deshalb eine Politikerkarriere einschlug.
rotlichtbestrahlung
Juli 6, 2010
Verehrte Genossinnen und Genossen,
der deutschen Flagge fehlen aber nun mal veredelnde Details wie Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Hammer und Sichel würde ich mir auch gefallen lassen, oder Halbmond und Stern. Die Vertreter eines modernen Sozialismus, die Antideutschen, lehnen jedwede nationalistische Symbolik ab. Eine gute Flagge ist eine rote Flagge. Wir brauchen einen „Krieg den deutschen Zuständen!“ wie schon von Marx gefordert. Selbstkastration – legen Sie ihr Deutschsein ab! Das ist modernes Sozialistisches Denken. Aber, liebe GenossInnen lasset uns nicht Haare spalten, sondern lieber an unserem gemeinsamen Ziel arbeiten: Der sozialistischen Weltrevolution – wir sind ganz nah dran!
Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
die stets man noch zum Hungern zwingt!
…