Die Gorch Fock beweisst kollektivistisches bewusstsein!

Posted on Januar 30, 2011 von

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Meuternde Crew

Bei unseren genoss*innen steht der wirtschaftliche konkurrenzkampf gegeneinander ja zurecht in schlechtem ansehen, aber bei der Gorch
Fock sieht man, dass konkurrenzkampf, wenn er denn politisch und nicht wirtschaftlich ist, für alle seiten etwas sehr positives ist. Konkret ist ein konkurrenzkampf zwischen der stammbesatzung der Gorch Fock und den auszubildenden seekadett*innen entbrannt, wer von ihnen besser die führungsprinzipien der nato-vasallenarmee des us-imperialismus untergräbt, die in der brd “bundeswehr” genannt wird.

Die kadett_innen haben zuerst gemeutert, als eine kameradin genossin von ihnen von der faschistischen gravitation getötet wurde. Das ist sehr gut (also das meutern), denn mit solch überholten tugenden wie gehorsam und disziplin kann man auch einen angriffskrieg zur mörderischen verbreitung us-“demokratischer” werte oder –noch schlimmer– ein handelsschiff zur globalisierten verbreitung kapitalistischer wertgegenstände führen. Zusätzlich haben sie mit einer intelligenten list in den medien die bürgerlichen vorstellungen von traumschiffromantik entzaubert. Sie haben nämlich einen rauhen umgangston, ekelrituale und zwang zum anpacken monatelang hingenommen, um daraus hinterher geschichten zu machen, mit denen die widerliche fratze des autoritären schiffsalltages vor der öffentlichkeit sichtbar gemacht werden konnte. Eine so gute leistung im kampf gegen die volksunterdrückung durch das nato-regime der bundeswehr und ihre bürgerlich-individualistischen führungsprinzipien von innen heraus sucht seit dem tod von genosse general bastian seinesgleichen!

Da konnte die stammbesatzung der Gorch Fock natürlich nicht hintenanstehen, will sie nicht gegenüber den kadett*innen im revolutionären kampf zurückstehen oder gar in die nähe der vertreter des reaktionären establishments gerückt werden. Ihrerseits beeindruckt von dem klassenbewusstsein ihrer kadetten und unserm erfolg als fortschrittliches autor*innenkollektiv, widmeten sie sich selbst flugs in ein fortschrittliches autor*innenkollektiv um und verfassten eine öffentliche sammelbeschwerde an den bundeskriegsminister guttenberg. Damit emanzipierten sie sich von den fesseln der  wehrbeschwerdeordnung (WBO), die in §1 Abs. 4, sammelbeschwerden für soldaten grundsätzlich untersagt, dafür aber ein verfahren für einzelbeschwerden regelt, das dem verwaltungsrechtlichem widerspruchsverfahren ähnelt.

Ohne leere flaschen keine buddelschiffe! Deswegen darf die bürgerliche presse die besäufnisse auf der Gorch Fock nicht diskreditieren, denn dort gibt es genug leere flaschen.

Seekadett*innen und stammbesatzung bewiesen mit ihrer konsequenten verweigerung, richtig eine wehrbeschwerde zu schreiben, ein vorbildliches klassenbewusstsein. Sie wussten: Da die DDR schon 1952 die verwaltungsgerichtsbarkeit abgeschafft hat, kann eine wehrbeschwerdeordnung, die auch noch bestandteile mit dem bundesrepublikanischem verwaltungsgerichtsordnung gemein hat, nicht koscher halal politisch korrekt sein. Wie recht haben sie da! Erstens: Jeder widerspruchsgeist gegen verfügungen der demokratischen institutionen widerspricht der anzustrebenden einheit von staat und bürgern (auch in uniform, badehose oder strapse). Zweitens erzeugt das verbot von kollektivbeschwerden eine vereinzelungstendenz. Da die genoss*innen seemänner, -frauen und seetransgender aber mit Karl Marx erkannt haben, dass persönliche freiheit nur in gemeinschaft mit anderen möglich ist und nicht durch die möglichkeit zur abgrenzung von einer gemeinschaft, wie es die neoliberalen und objectivisten behaupten, haben sie eine solch freiheitsfeindliche WBO konsequent boykottiert. Lieber in kotze tauchen, als aus dem kollektiv austreten! Und da haben sie recht! Woher kommt diese für nato-soldaten untypisch fortschrittliche gesinnung der matrosen? Wir glauben, es ist die praktische sexualerziehung an bord, wenn etwa gewettet wird, wer die hässlichste kadettin entjungfert. Von sexspielerischem aggressions- und einsatzbereitschaftsabbau ist die us-armee, die die sexualrepressive “don’t ask don’t tell”-politik gerade erst abgeschafft hat, ja noch weit entfernt.

Wir haben uns entschieden, den genoss*innen von der Gorch Fock eine sonderausfertigung der hilde benjamin verdienstmedaille für sozial innovative rechtsauffassung in aussicht zu stellen, wenn sie ihr treiben fortsetzt. Die steuerzahler, die nach Karl Marx ja glücklich werden, indem sie durch ihre steuergelde die matros*innen glücklich machen, werden es ihnen danken. Und die somalischen piraten auch!

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