Viele nehmen die aufgebauschten Ereignisse in Japan zum Anlaß, grundsätzliche Zweifel an der Technik anzumelden. Andere streiten darüber, ob bestimmte Techniken gefährlicher seien denn andere. Das ist, Genossinnen und Genossen, vom Standpunkte des Marxismus-Leninismus und des dialektischen Materialismus natürlich Unsinn.
Einzig auf den Klassenstandpunkt kommt es an, er bestimmt, wie Gefahr und Nutzen einer Technik gegeneinander abgewogen werden und wie jede Technik in den Händen der Arbeiterklasse und der sie führenden Partei zum Nutzen des Volkes, jedenfalls dessen, was nach Abschaffung der schmarotzenden Klassen davon noch übrig ist, angewendet werden kann, so gefährlich ist sie in den Händen profitsüchtiger Ausbeuter.
Wenn die Volksmassen das wollen, so beherrschen sie auch Erdbeben und Tsunamis, wenn sie sich erst von der Gängelung durch die dekadente Kapitalistenklasse befreit haben. Ein Tsunami z.B. kann nur im Wasser seine zerstörerische Wirkung entfalten. Ein sozialistisches Wasser-Verwaltungsregime beugt dem vor, ebenso wie unbeabsichtigten Ertränkungsunfällen.
Technik braucht Fingerspitzengefühl!
Wie schätzen daher Marxisten-Leninisten z.B. die Gefahren der Atomenergie ein? Seht Ihr, Genossinnen und Genossen, das ist bereits der erste Denkfehler, der Verhaftung an eine verfaulende, überkommene kapitalistisch-imperialistische Gesellschaftsordnung geschuldet: man darf bei Technik nie an Gefahren denken. Wer das tut, redet sie herbei, dem schwindet sein proletarischer Mut im Umgang mit derselben und so entstehen schließlich Bedienungsfehler und womöglich schlimmeres.
Wie die Geschichte der ruhmreichen Sowjetunion zeigt, war es stets proletarischer Erfindergeist, der schlimmeres verhindert und funktionierendes unmöglich gemacht hat. Technik kann nur gefährlich sein, wenn sie funktioniert. Das ist das gefährliche an der Marktwirtschaft, Genossinnen und Genossen – ohne Regulierung und Subvention keine verheerenden Unfälle, ohne Katastrophen kein Fäulnisstadium des Kapitalismus, keine Unzufriedenheit der Arbeiterklasse. Wer seinen Toyota pünktlich geliefert bekommt, dem verschwimmt der Blick dafür, wie brutal unterdrückt und ausgebeutet er ist; nur, wenn solche Güter über Zuteilung und Warteliste verteilt werden, wenn die Produktion periodisch im Gedenken an die Errungenschaften des Sozialismus, vergangene, gegenwärtige und zukünftig, inbrünstig innehält, wenn der Busverkehr zum Erliegen kommt und die Arbeiter nicht zu den opiaten Götzendiensten vorfahren können, nur dann beginnen sie zu überlegen und zu merken, wie groß ihre Entfremdung ist und der entgangene Mehrwert, der nun irgendwo ungenutzt in Depots und Werkshallen herumsteht.
Das, und nur das, wird den Arbeiter zur Raison bringen und für die Botschaften der Vorhut des Proletariats empfänglich machen. Die Dialektik
will es, die Revolution lebt nicht vom Atomkraftwerk allein, nein, auch eine Aufbereitungsanlage muß es sein!
Erst wenn alles strahlt ohn’ Unterlaß und der Arbeiter auch in mondloser bewölkter Nacht befeuert durch den glühenden Zerfall der letzten Reste der Ausbeuterordnung den Weg zu den Räteversammlungen auch im Dunkeln findet, kommen wir den solange vermißten, verzögerten Schritt voran, Genossinen und Genossen. Schafft ein, zwei, viele Fukushimas, und amtsenthebt den Kirchenprimas, probt die Rettung unsres Klimas, für die Befreiung Perus und Limas! Venceremos!













crisismaven
März 22, 2011
Ich habe versucht, das gesamte Ausmass der Japan-Atomkatastrophe und was sie fuer Europa bedeutet hier uebersichtlich zusammenzufassen:
http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=208864
Иосиф Виссарионович Джугашвили
März 22, 2011
Ein lobenswerter Beitrag, Genoss_in crisismaven,
aber ad 1 dräut die Frage, ob ein Kommunist_In überhaupt so heißen darf. Denn ein maven ist einer, der sich anmaßt, mehr zu wissen als das revolutionäre und aufgrund von Dr. Pawlows bahnbrechenden Erkenntnissen evolutionär gereifte Kollektiv. Individualität ist abweichlerischer Elitismus; zur Elite zählen im Sozialismus nur jene Mitglieder des ZKs, deren Schauprozesse wegen Überlastung oder Munitionsengpässen der Scharfrichter noch nicht angesetzt werden konnten.
Also: Ts, ts!
Ad 2: Was meinen Sie mit dem revanchistischen Propagandabegriff “Japan-Atomkatastrophe”?
Es gab eine Tsunami-Katastrophe, der vermutlich mehr als 20.000 Genossen zum Opfer gefallen sind, deren Hinscheiden wir aufrichtig beklagen. (Auch ich entsinne mich meiner bei den knorrigen Jesuiten meiner Jugend gelernten Gebete und widme sie den Opfern dieser Naturkatastrophe; und nur eine solche war es.)
Eine “Atomkatastrophe” vermag ich nicht zu wittern. Wie kommen Sie darauf? Die japanischen Genossen müssen zwar kleine Häppchen von Endzeitstimmung und Weltuntergang streuen, um das kärgliche Zeilenhonorar deutschsprachiger Medien in Zelte für die Obdachlosen zu investieren und den Bolschewismus zu nähren, den wir mittlerweile auch allen BRDDR-Blockparteien unbemerkt einpflanzen konnten. Aber das ist sozialer Dienst am Nächsten.
Nein, Genoss_In: Die Atomkraft, bekanntlich von den emeritierten Genossen Lomonossow und Bakunin erfunden, kann gar keine schädlichen Folgen haben; noch nie entsprang dem Kommunismus etwas, was den werktätigen Massen hätte Schaden zufügen können. Sie werden sich, auch bei minimaler Geschichtskenntnis, zweifellos der großzügigen Mütter-, Genesungs- und Wellnesslandschaften entsinnen, die wir unter dem griffigen Namen Gulag in reicher Zahl errichteten.
Weiteres finden Sie in den unsterblichen Werken von Karl Murks, Fjodor Engels, W.I. Lenin und meiner Wenigkeit.
Rote Krampfader_Inn
März 23, 2011
Gut Genoss_Inn, sehr informativ!
Aber nicht gerade genderneutral geschrieben, das solltest du nocheinmal überarbeiten.
Alfons Huber
März 24, 2011
Das erklärt uns nun die vielen SED, DKP, Grünen und SPD Fahnen bei den Mahnwachen!
politbuerokrat
März 25, 2011
Nun, anders als die dummen konservativen mit ihrem schwarz-weiss, gut-böse-denken sind wir zu differenzierter betrachtung fähig. Bislang galt: Sozialistische kernenergie ist gut, kapitalistisch-imperialistische ist schlecht (der genosse Джерзинский ist als praktiker eben ehr befähigt, konterrevolutionäre umzubringen als revolutionäre inhalte ‘rüberzubringen). Revolution heisst umlauf, dialektik heisst wandel. Mittlerweile hat auch der genosse hugo chavez ein atommoratorium beschlossen. Die mahnwachen sind also als solidaritätswachen zu erklären. Sicher ist: Der sozialistische nutzen der radioaktivität kann auch ohne die nebenwirkung der profite für stromerzeuger und -verbraucher verwirklicht werden.
Feliks_Dzerzhinsky
März 24, 2011
Na ja, Genosse, ich hatte auch oefters ne Fahne – die trinken halt auch bei SED, DKP, Grünen und SPD gerne mal einen ueber’n Durst … Friert ja auch sonst der Schniedel ein bei so ‘ner Mahnwache. Kann die Atomindustrie das alles nicht im Sommer veranstalten???