Menschenrechte auch für Bundespräsidenten!

Posted on Januar 5, 2012 von

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the bundeswulff says

In einer großangelegten Zungen- äh: Zangenbewegung ist dem Präsidenten des widergut wieder gut gewordenen Deutschlands der öffentlich-rechtliche Befreiungsschlag gelungen.

Insbesondere Ulrich Deppendorf vom Ersten und Bettina Schausten vom Zweiten waren nach dem geglückten ARD-ZDF Presse-Coup derartig erleichtert, dass sie mit dem Bundespräser, äh: Präsi am liebsten noch auf eine Party gegangen wären, wenn es hätte sein müssen, sogar am Steintor in Hannover, dem niedersächsischen Rotlicht-Surrogat und wie böse Zungen behaupten, “dem Krüschi sein Müljöh”.

Immerhin war es den beiden sich vermutlich “kritisch” und “investigativ” wähnenden Hofberichrterstattern öffentlich-rechtlichen TV-Journalisten im “Gespräch” mit Christian Wulff gelungen, gut zwanzig Minuten lang immer wieder genau die richtigen Fragen zu stellen – und das, obwohl nichts abgesprochen war, also ohne Netz und doppelten Boden; das muss wohl Gedankenübertragung gewesen sein, oder der Zusammenhang von Gesellschaftsform und Denkform (oder beides).

Wir vom Autor_innenkollektiv Hilde Benjamin finden, dass Uli und Tine, diese beiden, sich angesichts ihrer präsidialen Herausforderung sehr gut geschlagen haben, obwohl sie manches Mal so wirkten, als wären sie von Wilhelm Busch gezeichnet worden, dem nach Christian Wulff leider nur zweitbesten Komiker, der je aus dem Leineschlamm gekrochen ist.

Dennoch sind wir der Meinung, dass während der Fernsehaufzeichnung für den zweiten Teil der Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten (jetzt mit besserer Quote!) keine adäquaten Arbeitsbedingungen für zwei so überaus staatstragende Journalisten wie Tine und Uli gegeben waren, und wir werden uns bei der zuständigen Fachgruppe der Gewerkschaft, der AG Medien der ver.di, sowie beim Deutschen Presserat über die menschenunwürdigen Diskussions- Produktionsbedingungen beim Staats-TV beschweren.

Es soll sich übrigens nur um ein Gerücht handeln, dass diese beiden so überaus “kritischen” Geister, der Uli und die Tine, sich vom Bundespräsi nach ihrer Telefonnummer fragen lassen müssen, damit er ihnen nach Sendeschluss noch ein wenig den Wulff machen kann.

In der Sache selbst beglückwünschen wir Herrn Wulff: Er hat sich als genau das bestätigt, wofür wir ihn schon immer gehalten haben. Und weil wir nichts schöner finden, als wenn unsere Vorurteile bestätigt werden, sagen wir aus vollster freiheitlich-demokratischer Überzeugung, dass wir den weiteren Wochen, Monaten oder Jahren mit dem Häuptling aus Hannover sehr entgegensehen.

Natürlich würden auch wir mit einem Rotlicht-Präsi gern mal einen kleinen Gang durch seine Gemeinde machen, wenn es sein muss auch durch die Steintor gewordene Langeweile von Hannover. Immerhin scheint man dort – wenn man den einschlägigen Gerüchten glauben schenkt – recht günstig an eine Baufinanzierung zu kommen, und wenn man will, auch an eine repräsentative Gattin, fast wie neu und praktisch ungebraucht.

Es ist die das historische Verdienst eines Christian Wulff: Dass er den moralischen Kompass unserer Republik um ein paar bislang noch fehlende Koordinaten erweitert, ergänzt und vervollkommnet hat. Verkörpert durch Christian Wulff muss man sich die CDU als moderne Großstadtpartei auf der Höhe des Zeitgeistes wünschen; nämlich nicht gleich zu modern und zu urban, versteht sich – sondern ein bisschen gemütlich, vor allem aber so hannöversch.

Es geht also, Genoss_innen, auch ganz ohne die kritische Intelligenz und die Vorhut der Arbeiterklasse und das ist es, was uns wirklich zu denken geben sollte: Das Establishment unserer Republik ist viel effektiver in der Aufhebung seiner “politischen” Existenbedingung, als es der Klassenkampf je wäre?

Für die wissenschaftliche Weltanschauung bedeutet es jedenfalls nichts Gutes, wenn der Bundespräsident seine Abschaffung wirkungsvoller betreibt, als wir es je könnten. Dieser unscheinbare Herr aus Hannover hat in einer Woche mehr erreicht als die Protestbewegung von 1968 in vierzig Jahren ökopazifistischem Volkssturm – chapeau!

Dass die oben abgebildete Eigenheim Häuserkampfparole – “legal, illegal, scheißegal” – als offizielles Staats-Motto unserer Republik bald den Rand aller 2-Euro-Münzen verzieren soll, wird vom Bundespräsidialamt derzeit noch geprüft, heißt es.

In unserer Funktion als Autor_innenkollektiv Hilde Benjamin würden wir diesen Schritt im Zeichen sozial-revolutionärer Stringenz sehr begrüßen, wäre damit doch auch ein wichtiger Beitrag für eine bessere Intergration der Alt-68er_innen, wie etwa Christian “Fischfutter” Ströbele, in die Mehrheitsgesellschaft geleistet.

Es kann deshalb nur eine Lehre aus dem gestrigen TV-Debakel dieser Sternstunde der öffentlich-rechtlichen Soraya-Presse geben, Genossinnen und Genossen: Lasst Euch vom Staat finanzieren, stürmt die Puffs und bringt die Kohle durch! Macht Euch endlich mal interessant, Genoss_innen!

Und wenn Euch einer wie der Broder nachher erzählen will, dass das so aber nicht ginge mit dem öffentlichen Amt, dann haut ihm so lange auf seine Zionistenfresse, die dreckerte, bis dieser sich freiwillig um eine anständige Arbeit bei ARD und ZDF bemüht, statt nur in gewohnheitsmäßiger Indulgenz seine intellektuelle Rente zu verknuspern.

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