Solidarität mit Achmedinejad und el-Assad

Geschrieben am Januar 7, 2012 von

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Junge Welt fordert Solidarität mit Iran und Syrien!

Nachdem die offiziellen Vertreter der Arabischen Liga sich am vorvergangenen Mittwoch bereits davon überzeugt hatten, dass es in Homs „keine besorgniserregenden Entdeckungen“ zu sehen gab, möchte die Arabische Liga nun auch, dass die UNO sich anguckt, was es in Syrien alles nicht zu sehen gibt.

Nämlich all die Verbrechen gegen die Menschheit, die das deutsche Staats-TV in öffentlich-rechtlicher Distanziertheit stets durch den Zusatz „Internetvideo“ als eine Quelle kenntlich zu machen trachtet, deren Verazität und Authentizität anzuzweifeln wäre – so, als wären in Syrien etwa nicht innert nicht mal eines Jahres 6.000 Menschen vom el-Assad Regime ermordet worden, sondern vielmehr so, als hätte der halbwegs freie Teil der Welt sich das alles nur ausgedacht und eingebildet, um von den grauenhaften Missständen überall auf der Welt abzulenken – vor allem aber von den Gräueln in Israel.

Das sind übrigens dieselben öffentlich-rechtlichen Qualitäts-Journalisten (m/w), die auch dem zukünftigen Ex-Präsidenten Christian Wulff zwanzig Minuten lang genau die richtigen Fragen stellten. Vermutlich aus purer Gedankeninnigkeit, auf jeden Fall aber ohne, dass irgendetwas abgesprochen war. Der Zusammenhang von Gesellschaftsform und Denkform kann so schön sein – lukrativ ist er wohl sowieso.

Teilgenommen an der anderthalbstündigen Stipp-Visite el-Assad-Soli-Reise nach Homs im Auftrag der Arabischen Liga hat übrigens die Crème der internationalen Menschenrechtsbewegung; darunter so illustre Persönlichkeiten wie der sudanesische General Mustafa Dabi, der seinerseits mit den Zivilisten Konterrevolutionären in Darfur überaus reinen Tisch zu machen pflegte.

Und zwar, indem er sie entweder verhungern ließ oder massakrierte, heißt es; in einer Art Neuinterpretation des deutschen „Generalplan Ost“, der bekanntlich den Hungertod für zwanzig Millionen Menschen im Osten Europas vorsah.

Die Gurkentruppe offiziellen Beobachter der Arabischen Liga jedenfalls fühlten sich inspiriert, ebendiesen General Mustafa Dabi zum Chef ihrer WegguckBeobachtungsmission zu machen. Vermutlich, weil sie sich auch sonst durch ihn zutreffend repräsentiert fand; sehr zur Freude der Regierung in Damaskus, versteht sich.

Damit sich die Neugierde Freude am Weggucken in der Arabischen Liga nicht zu sehr ausbreiten kann, hat el-Assad sich nun aber bereits der Unterstützung seitens seiner Freunde in Teheran versichert, die auch prompt ihren Beitrag zur „Stabilisierung der Situation“ zu leisten scheinen; nun ja, das Verhältnis der deutschen Grünen zu el-Assad und den Seinen soll ja nach der nächtlichen Visite bei einem Berliner Lokalpolitiker etwas abgekühlt sein.

Vor diesem Hintergrund hat es schon viel zu lange gedauert, bis die deutsche “Klasse des Bewusstseins” sich mit dem Freiheitskampf der Assad-Regierung, dem Teheraner Revolutions-Regime und dem Bolivarismus des 21. Jahrhunderts solidarisch erklärte. Nun aber ist es endlich geschehen: Die “junge Welt” als Avantgarde der nationalen “Linken” setzt den Cowboypsielfilmhelden Kriegstreibern des Westens die WasserPistole auf die Brust:

„Zu den bisher mehr als 400 Unterzeichnern gehören die Linke-Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen, Diether Dehm, Heike Hänsel, Ulla Jelpke und Eva Bulling-Schroeter, der Philosoph Domenico Losurdo sowie die Schriftsteller Erasmus Schöfer, Gerhard und Ingrid Zwerenz.“

So steht’s im ehemaligen FDJ-Zentralorgan und die aktuelle Einstiegsdroge berufsjugendlicher „Links“-Kader versteht sich schon ganz gut darauf, freiwillig-unfreiwillig im Tonfall historischer Politbürobeschlüsse zu dröhnen. Aber was genau fordern diese Fans und Groupies des mörderischen Staatsterrors unsere aufgeklärten und aufrechten Menschen denn nun überhaupt, ultimativ und von der deutschen Bundesregierung?

” Die Embargo-Maßnahmen gegen den Iran und Syrien bedingungslos und sofort aufzuheben: klarzustellen, dass sie sich an einem Krieg gegen diese Staaten in keiner Weise beteiligen und die Nutzung deutscher Einrichtungen für eine Aggression durch USA und NATO nicht gestatten wird; sich auf internationaler Ebene für die Beendigung der Politik der Erpressung und Kriegsdrohung gegen den Iran und Syrien einzusetzen.”

Post vom Planeten der Affen könnte kaum intelligenter sein; der Forderung, Demonstranten und Protestler Dissidenten und Konterrevolutionäre an die nächste Wand zu stellen oder sie wenigstens ins nächstbeste Wüstengulag zu deportieren, konnten sich die Unterzeichnenden (m/w) nur unter äußerster Anstrengung entsagen, scheint’s.

Dafür, dass die staatsterroristische Mordbrennerei heiter weitergehen kann, hat die nationale “Linke” aber schon mal instinktsicher ihre “politische” Unterstützung zugesagt.

Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen einige überaus „Palästina“-solidarische „linke“ Volks-Genoss_innen schon mal an den “politisch“ richtigen Formulierungen schrauben, wie die seit März 2011 inzwischen 6.000 Opfer des el-Assad Regimes  den Juden Israel in die Schuhe geschoben werden können. Wenn sie damit fertig sind, verlegen sie schnell noch ein paar Stolpersteine und setzen sie sich auf das nächste Frauendeck gen Gaza, vermuten Kritiker, diesmal vielleicht begleitet von Hermann Dierkes, Duisburgs bedeutendstem Lokal-Politiker von Deutschland, der in den diesjährigen Antisemitismus-Charts vom Simon-Wiesenthal-Center als New-entry leider, leider nur auf Platz 9 gekommen ist?

Das sind Forderungen, denen sich alle Erich Fried friedliebenden deutschen Leserinnen und Leser nur anschließen können, rückt doch der Tag in greifbare Nähe, an dem die JudenIsraelfrage endlich ideologisch sauber gelöst werden kann; durch eine Nutzung der Atomenergie, für die womöglich sogar die wenig nukleophilen Grünen mal eine Ausnahme machen würden. Immerhin steigt der Wahlerfolg ihrer Partei „der kritischen Intelligenz“ proportional zur subjektiv empfundenen Strahlendosis, und wird nicht bald schon wieder irgendwo gewählt? Ach ja, im Saarland.

Um der Drohung des pazifistischen Volkssturms den nötigen revolutionären Nachdruck zu geben, soll Gerüchten zufolge in der „Links“-Partei kurzfristig im Gespräch gewesen sein, die Abschriften der gesammelten Ein- und Auslassungen des Ex-Verteidigers der Rotbraunen Armee Fraktion, Christian “Fischfutter” Ströbeles, während der Stammheim-Prozesse zu Gehör zu bringen; vor dem Bundeskanzleramt, am Werderschen Markte oder wenn möglich gar vor dem Berliner Europa-Center, also im Schatten der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, dem Mahnmal des „alliierten Bombenterrors gegen das deutsche Volk“ (Göring, Goebbels, Hitler et al.; s.o.).

Da hiergegen ein Protest des Ältestenrates des Deutschen Bundestages oder des Deutschen Beamtenbundes wegen unmenschlicher Bedingungen am Arbeitsplatz diverser Bundesbehörden wahrscheinlich scheint, nahm die Bundestagsfraktion der „Links“-Partei kurzfristig Abstand von diesem Plan.

Für den Fall, dass ihre Forderungen nach sofortiger „Zärtlichkeit zwischen Völkern“ von den völkisch legitimierten Regierungen el-Assad und Ahmedinejad sowie dem Auswärtigen Amt ungehört verhallen, droht das Nachwuchsblatt der deutschen „Links“-Partei bereits jetzt

„zehntausende Tote, eine traumatisierte Bevölkerung, eine weitgehend zerstörte Infrastruktur und ein zerfallener Staat“

an.

Podiumsdiskussion mit „Junge-Welt"-Journalistin Karin Leukefeld (m.), die als einzige akkreditierte westliche Journalistin aus Syrien offiziell berichten darf, am 9. August 2011 in der ehemaligen syrischen Botschaft

Wie noch stets in der Folge des 8. Mai 1945 – von „Nicht mit mir“ bis „Nach Rüstung kommt Krieg“, von „Kein Blut für Öl“ bis „Occupy“ – wird die Zivilbevölkerung als erstes und wichtigstes „Opfer“ der angstlüsternen „politischen“ Untergangs-Visionen und -Antizipationen der nationalen „Linken“ bereits im Vorwege eines potenziellen bewaffneten Konfliktes in Stellung gebracht und symbolisch massakriert; und sei es auch nur, damit das deutsche Bessermenschentum für den Umstand seine Rache nehmen kann, dass das Paradigma der mutually assured destruction seit über sechzig Jahren zumindest in Europa recht behalten hat – vor allem aber, damit die projektive Stellvertreterschaft für das historisch vermeintlich ebenso „unschuldige“ deutsche „Volk“ nicht logisch, aber psychologisch funktioniert.

Gaza-Guido indes sehnt sich womöglich inzwischen wirklich nach ein wenig „politischer“ Zärtlichkeit, und würde eventuell auch gegen einen Vollbart wie den des Herrn Ahmedinejads nichts einzuwenden haben. Was er bereits vor einem Jahr anlässlich eines Freundschaftsbesuches in Teheran angedeutet hat; der deutschen Wirtschaft und Ruprecht Polenz (CDU) ist dem deutschen Außenminister sein Männergeschmack sicher egal, dürfen sie doch so oder so auch weiterhin reichlich „dual-use“ Produkte für das iranische Atomprojekt exportieren.

Besonders der letzte Punkt des „junge Welt“-Untergangszenarios, „ein zerfallener Staat“, aber wird in den Kreisen „linker“ Staatskneten-Seligkeit vermutlich bereits heute für einen etwas unruhigen Büroschlaf sorgen.

Die Kriegstreiber, das wissen alle aufrecht antikapitalistischen, antiimperialistischen deutschen VolksGenoss_innen und  Kollegen der „Links“-Partei, sind nicht etwa in Teheran und Damaskus zuhause, sondern in Washington und Berlin, an der Wall Street und in Jerusalem.

Es könnte alles so einfach sein, würden Freedom & Democracy mit ihrer Abschaffung bloß nicht so zimperlich sein, nicht wahr, liebe „junge Welt“?

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