Au Réduit!

Geschrieben am März 2, 2012 von

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alpenfestung

Au Réduit!
Ode an den deutschen Frühling

I

Während in Berlin eine Wirtschaftspolitik inszeniert wird, die man

– wenn man sie denn verstehen möchte –

nur als späte Rache für jenen verlorenen Weltkrieg verstehen kann, in dem die sogenannten Völker Europas ihre deutschen Brüder und Schwestern schmählich im Stich gelassen haben

als es um ihre Verteidigung gegen „die bolschewistischen Horden des Ostens“ und die „Plutokratien des Westens“ ging, vor denen der Rechtsvorgänger von Deutschland sie wie gesagt „verteidigen“ wollte

insbesondere aber angesichts der aktuellen „politischen“ Alternativlosigkeit (wirklich verrückt ist man bekanntlich erst dann, wenn man denkt, man hätte keine Wahl)

als deren vorzüglichste Sachwalterin sich die alldeutsche Allparteienallianz aufspielt, welche sich mal um mal tiefer in den Wahn hineinzusteigern anschickt

irgendwelche „Euro-Länder“ wären durch Rettungsmechanismen, Brandmauern, Mikado oder das tibetanische Pantoffelorakel zu „retten“ – vor allem aber durch „fiskalpolitische Enthaltsamkeit“ (hat schon mal wieder jemand „Brüning“ gesagt?)

scheint es so, als wären die aufrechten Deutschinnen und Deutschen auf dem allerbesten, nämlich: „alternativlosen“, Weg sich in jene Art von Selbstmordkollektiv zu verwandeln, vor dem man nur weglaufen möchte – solange man noch kann.

Es ist dies eine Metamorphose bei vollem gesellschaftlichen „Bewusstsein“, der die üblichen Verdächtigen seitens des deutschen Staatsfunks nur immer wieder die Alternativlosigkeit der Zustände, Umstände, Sachzwänge bestätigen und bescheinigen.

II

Glücklicherweise geraten Verschwörungstheorien dort an ihre Grenze, wo sie ausgerechnet deutscher „Politik“ so etwas ähnliches wie Rationalität, also einen belastbaren Bezug zur Wirklichkeit (vulgo: Empirie)

oder auch nur eine funktionierende Zweck-Mittel-Relation unterstellen müssten.

III And now for something completely different:

Was macht überhaupt  – nein, nicht der italienische Überlebenskünstler Kapitän Schettino –  was macht überhaupt die Schweiz dieser Tage?

Nicht Austria, nein: Helvetia felix! (Happy Switzerland!), heißt es. Und das nicht nur in der ältesten – einzigen? – noch bestehenden Demokratie des Kontinents.

(Wehe, wenn die Deutschen davon Wind bekommen, liebe Helvetierinnen und Helvetier. Denn dann ist wieder Schluss mit lustig, dann gibt’s „an offer that you can’t refuse“, dann fordert Deutschland Euren Beitrag zur „Euro-Rettung“!)

Oder wie war und ist der solide „fiskalpolitische“ Beißreflex zu verstehen, der in Deutschland epidemisch wurde, als es um sogenannte „Steuersünder“-CD ging?

Und dem insbesondere dann ein über die Jahre gerettetes Ressentiment anzuhaften schien, als ein Grande der deutschen Sozialdemokratie

a.k.a. Peer Steinbrück

in seiner Funktion als „Finanzexperte der Fraktion“ die Eidgenossen (m/w) zur Herausgabe irgendwelcher „Beweismittel“ aufforderte; und zwar ultimativ, zack-zack, oder sonst passiert was, nicht wahr, Herr Steinbrück?

Nur was passiert dann wohl?

Werden die Eidgenossen sich in den Réduit flüchten, ihr alpines Gebirgsverließ, um von dort aus entschlossen den Aggressor zu bekämpfen; den Deutschen, den Russen Sowjetmenschen

oder vielleicht doch jenen Österreicher, der sich nach seinem überstürzten Abschied von seinen Fans in Germany bei den Zwergen von Bariloche versteckt gehalten haben soll; dort wo es – am Nahuel Huapi, das kann ich bezeugen – noch viel schöner ist, als am Obersalzberg?

Während drunten im Tale der deutsche Sozialdemokrat (m/w) – oder sonst ein x-beliebiger Apologet, Propagandist „alternativloser“ Sachzwänge – den wilden Mann markiert

verteidigen sich die guten Schweizer, eingeschlossen auf allen Seiten von deutschem Euro-Raum wie zuletzt 1941 bis 1945, gegen den „Endsieg“ – weil es im dritten Anlauf mit der Weltmacht doch noch klappen könnte?

Obacht! In diesem Bild sind 150.000 schwerbewaffnete Schweizer versteckt (Tipp: Irgendwo im roten Kreis!).

IV

Selbstverständlich ist es ein unfeiner Vergleich, aber wäre angesichts all der parteienübergreifenden Einstimmigkeit nicht doch die Zeit gekommen, dem Bundestag ein neues Türschild zu spendieren – Krull-Oper, vielleicht? Frau Merkels „politischer“ Wintergarten?

Oder ist wirklich jemand blöd genug zu glauben, dass Demokratie vom Bundesverfassungsgericht verordnet werden kann; wie am letzten Dienstag versucht? (Hat übrigens nicht geklappt).

V

Während die Schweizer also ihre Franken und Rappen aus dem Réduit heraus verteidigen

ohne einen Gedanken zu verschenken an Frau und Kinder im Mittelland, die selbstverständlich alle ganz und gar heroische Akte der Hinterlist und Heimtücke gegen den Aggressor/Besatzer

(den Deutschen, den Russen, Österreicher, oder sonst irgendwen)

vollbringen; also Kommunikationseinrichtungen zerstören, Postautos entführen, Brücken und Tunnels sprengen, Fabriken sabotieren sowie Guerilla- oder andere Kommandoaktionen gegen die Heere Erfüllungsgehilfen der Berliner Brüsseler Beamtendiktatur verüben

(alle, selbstverständlich alle, Schweizerinnen und Schweizer schlafen ja bekanntlich mit einem Messer zwischen den Zähnen um sich im Fall der Fälle unverzüglich ihrer Haut erwehren zu können, fast so schlimm wie die Juden Israelis)

während also im Schweizer Mittelland die Party steigt und die Eidgenossen, sonst nicht gerade für ihre Partyfreudigkeit international berühmt, es endlich mal so richtig krachen lassen

versammeln sich in Berlin, in einem barrierearmen Keller unter dem Kanzleramt, Frau Merkel, Herr Schäuble und ihren letzten Getreuen (Claudia Roth, Guido Westerwelle, Lucrezia Jochimsen und ein paar andere namentlich nicht näher bekannte „Oppositionelle“ aus den Reihen der deutschen Sozialdemokratie, um Politik zu imitieren; Horst Seehofer wird sich dann schon lange nach England abgesetzt haben)

zu einer finalen geo- europapolitischen Séance, in der das Los darüber entscheidet, wer in den Genuss eines schnellwirkenden Betäubungsmittels kommt, und wer zuvor noch mit der Kanzlerin etwas Konversation machen muss.

(Und diesmal sind leider keine bolschewistischen Horden aus dem Osten in Sicht.)

VI

Auf der Straße, auf Plätzen und Wegen, geht das sogenannte deutsche Volk seinem Alltag nach und radelt durch die Fußgängerzonen, dass die Fetzen fliegen, denn verdammt noch mal: Es muss das Klima doch zu retten sein!

Und wie soll denn überhaupt am deutschen Wesen noch die Welt genesen, wenn jetzt auf einmal Solartechnik per Gesetz nicht mehr so teuer gemacht werden darf, dass sie für Menschen, bei denen tatsächlich in nennenswertem Umfang die Sonne scheint, unerschwinglich bleibt?

Und schimpfen vom automobilen Herrensitz, dem allradgetriebenen Pfützenpanzer, auf die sozial Deklassierten, gesellschaftlich Ausgemusterten, die es sich unter den Brücken mit etwas Sperrmüll behaglich gemacht haben und bürgerlichen Lifestyle emulieren, wofür man sie mit Inbrunst hasst?

Deutsch ist, ihnen auch noch das Klohäuschen zu neiden, das ihnen die Freie und Hansestadt unter die Kersten-Miles-Brücke stellen will, denn hinter deutschen Hunden läuft immerhin ein Herrchen oder Dämchen her und klaubt die Kacke auf, die ihr Köter hinterlässt.

(Ein Service, von dem Obdachlose nicht mal träumen dürfen).

Da heißt es dann von Leuten, die es wissen müssten: Retten Sie Ihr Geld!

(Ja, auch Sie, Sie alter Schlemihl, der Sie sich noch nicht mit dem Gedanken angefreundet haben, dass die paar Kröten in Ihrem Sparstrumpf in Zukunft nicht mal für ein Chiclet reichen werden).

Aber warum denn nur das Geld retten, wo man sich in Deutschland „immer schon“ (Hegel) vor allem selbst retten muss?

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