Die Geschichte der Elbphilharmonie ist eine Geschichte der Missverständnisse.
Es lässt sich ihre Geschichte schon seit langem nicht mehr nacherzählen, ohne einen Schaden für die eigene Intelligenz zu befürchten. Angefangen hatte einmal alles mit dem Wunsch, sich ein Wahrzeichen zu setzen; der Wunsch jenes einzelnen Herrn, dessen Name an der Alstermündung seitdem so gerne gehört wird, wie ein Fingernagel, der auf einer Schultafel quietscht.
Gesagt, getan, hieß es einst, im Jahre 2007, im vollsten Tutti von Friede Springers Jubelchören, denn wie um die Handlungsfähigkeit des “politischen” Konservativismus’ zu demonstrieren, hatte der Ole Senat ein paar Pläne aus dem Hut gezaubert, von denen in der Gunst des Bürgermeisters einer bald ganz vorne lag. Kein Wunder, kam der präferierte Entwurf doch aus einer der derzeit schicksten Architekturfirmen – eine, die in London, Los Angeles und Sydney baut!
Da wurde es dem Bürgermeister ganz warm ums Herz, denn genau da wollte er hin mit „seiner“ Stadt– zu den ganz großen Jungs (die im dicken Strahl pischern)! Das schicke Architekturbüro war auch gar nicht dumm, sondern verstand, um was es ging, und versprach dem umgebauten und „bekrönten“ Kaispeicher A eine Fassade, die im Sonnenlicht glitzern sollte, wie die vielen tausend Svarovski-Kristalle, die Jenny Elvers ahnungslosen Hausfrauen im Laufe ihrer Karriere auf dem Home-Shopping-Kanal angedreht hat; (glitzern tut’s natürlich nur, wenn die Sonne auch mal scheinen sollte, sonst glitzert’s eben künstlich).
Nur: Was sollte hinein in das Wahrzeichen und seine glitzerige Außenhaut? Eine Entscheidung, die unter Gesichtspunkten des Tourismusmarketings optimiert werden musste. Und das warf neue Fragen auf: Wen wollte man in Hamburg haben? Vor allem aber: Wen nicht? So genau hatte sich das noch niemand überlegt, aber viel eher ließ sich sagen, wen man nicht haben wollte: Kein Pack oder Gesindel, das Ärger macht, in die Rabatten kotzt, auf den Gehsteig pinkelt und zwischen den Mülltonnen fickt – Klassik-Freunde (m/w) schienen vor diesem Hintergrund die Zielgruppe der Wahl.
Die verstehen sich zu benehmen, behelligen niemanden mit ihren Körperflüssigkeiten und Geld absondern tun sie auch (sobald sie mit Bus und Bahn – protestantisch klima-neutral – wieder nach Hause gefahren sind, sich tüchtig ausgeschlafen haben und am nächsten Morgen ihre Sonntags-Brötchen holen, in ihrem vierradgetriebenen Pfützenpanzer).
So kam es also dazu, dass ein Konzertbetrieb namens Elbphilharmonie in das Wahrzeichen einziehen sollte, was – wenn alles nach Plan gegangen wäre – pünktlich zur dritten Wiederwahl und vierten Amtszeit von Ole von Beust im Jahre 2012 hätte geschehen sein sollen.
Von dem, was zwischenzeitlich geschehen ist, konnte niemand etwas ahnen
(abgesehen vom Bauträger, der immerhin geahnt haben will, dass er die Nummer besser durchzieht, bevor sich am souveränen Willen der Freien und Hansestadt etwas ändert; was in einer funktionierenden Demokratie zwar unwahrscheinlich, aber immerhin möglich ist).
Wirklich ahnungslos war man vor allem in der Baubehörde, die ganz überrascht tat, als sie von den geologischen Verhältnissen im Freihafen erfuhr und angeblich lange nicht verstehen konnte (oder wollte), warum bautechnische Details wie eine nachträgliche Pfahlgründung des “Wahrzeichens” nicht unbedingt etwas Gutes für den Haushalt der Freien und Hansestadt bedeuten.
Nun ja, eine Gruselgeschichte jagte die andere, und viele Jahre, nachdem das “Wahrzeichen” schon längst fest stehen sollte, steht nur eines fest: Es ist noch lange nicht fertig, dafür aber bereits fünf- bis siebenmal so teuer, wie veranschlagt (so genau kann das keiner mehr sagen und so genau möchte es wohl auch im Ernst keiner mehr wissen). Das Beste aber ist: Es wird das Wahrzeichen nach aller Voraussicht auch weiterhin Mehrkosten verursachen, nach dem Motto der Fleischerinnung, “Darf’s ein Scheibchen mehr sein?”.
Unlängst hatte man sogar festgestellt, dass das geplante Dach nach dem deutschen Baurecht gar nicht hätte genehmigt werden können, was in der einschlägigen Behörde offenbar erst auffiel, als der Bau bereits zur Hälfte fertig war; aber nun wird doch noch alles gut und man wird tatsächlich ohne Regenschirm in Deutschlands erste Open-air Konzerthalle “Das Wahrzeichen” gehen können – irgendwann einmal – denn: Die Dachkonstruktion “soll sicher sein”.
Aber immerhin: Das Wahrzeichen hat Arbeitsplätze gesichert und/oder geschaffen!
Seit 2007 nämlich gibt es eine – selbstverständlich kommunale – sogenannte Elbphilharmonie GmbH, in der Christoph Lieben-Seutter seit Jahr und Tag am Programm für die Eröffnungsfeier plant und Spielpläne für die kommenden fünfhundert Jahre macht; Konzertbetrieb für ein Wahrzeichen, das es noch gar nicht gibt.
Selbstverständlich nur, um sich schon mal im internationalen Musikbetrieb ins Gespräch zu bringen; wenn man sich zur Lachnummer machen möchte, kann man nicht früh genug damit anfangen, oder?
Nun ist das mit Kunst und Kultur in Hamburg schon immer so eine Sache gewesen. Bis den Pfeffersäcken gegen Ende des 19. Jahrhunderts jemand verriet, das große Ölschinken grade très chique und en vogue sind, soll es in Hamburg ja praktisch keine bildende Kunst gegeben haben, zumindest keine öffentlich sichtbare.
Als die Hamburger schließlich kapiert hatten, wie rückständig sie auf dem Gebiet der schönen (und auch so gut wie aller anderen) Künste waren, steckten sie ganz schnell einen honorigen Bürger in Halskrause mit Talar und ließen dieses Sujet viele hundert Mal in Essig und Öl malen; immerhin: die Ölfarbe soll erstklassig gewesen sein, und die Fotografie galt als kleinbürgerliche Barbarei.
Es war für die Kunst ein Segen,
dass schon wenig später der Film erfunden wurde; davon kann man sich bei einem Besuch in der Dauerausstellung der Hamburger Kunsthalle überzeugen.
Bürgers und ihre Musen hatten dann solange Pause, bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts eine putzige Do-it-yourself Bewegung allüberall Bürgerhäuser, Stadteilzentren, Kunst- und Kulturfabriken und andere „alternative Projekte“ eröffnete, die dann dafür sorgten, die ästhetischen Standards ihrer “Zielgruppe” nachhaltig zu reformieren (deren Publikum hat noch nicht mal die naive Kunst verdient).
Von den “Literatur-Cafés” und “Filmhauskneipen” ganz zu schweigen, in denen es sich über einem Teller billiger “Pasta” so vorzüglich über all die Romane, Filme und Theaterstücke fachsimpeln lässt, die man irgendwie “besser” gekonnt hätte – wenn man bloß gekonnt haben würde (den letzten Halbsatz lässt man besser weg, sonst ist der gemütliche Abend gleich wieder im Eimer); Etablissements, neben denen “alternative” Kino-Ketten ihre Zelte aufgeschlagen haben (wo man gerne “Iron Sky”, “Inglorious Basterds” und die Filme des Lars von “I love Hitler” Trier zeigt bzw. gucken geht).
Das ist die Blüte der deutsch-alternativen “Stadteilkultur”: Wer einmal begriffen hat, wie er/sie den Förderantrag ausfüllen muss, kann mit diesem Wissen fast schon in die Rente gehen. Geprüft, ob die bewilligte kommunale Kohle überhaupt den zugesagten Zweck erfüllt, wurde und wird nur selten, und nur in Ausnahmefällen (also nur auf Anschiss – und welche Krähe hackt der anderen ein Auge aus?); oder dann, wenn sich etwas an den „politischen“ Seilschaften in der Behörde ändert, was in Hamburg so gut wie nie passiert, auch wenn es theoretisch immerhin möglich ist.
Und so kommt es nach über dreißig Jahren dazu, dass die deutlich überdurchschnittlich verdienenden Bewohnerinnen und Bewohner der heute angesagten “In-” und “Szene”-Viertel mit Kunst und Cülture derart üppig versorgt sind, dass sie oftmals gar nicht wissen, wann sie diese ganzen öffentlich subventionierten Yoga- und Töpferkurse überhaupt besuchen sollen, während das übrige hamburgische Staatsgebiet als kulturelle Einöde darbt.
Aber es geht der “alternativen Stadtteilarbeit“
eben dem eigenen Anspruch nach inzwischen auch gar nicht mehr darum, einfach nur mit Kindern zu töpfern, denn das könnte man ja überall tun. Sondern es geht gewissen “alternativen” Empfängern kommunaler Fördergelder offenbar vor allem darum, mit Kindern in den angesagten “In-” und “Szene”-Stadtvierteln zu töpfern “Stadtteilarbeit” zu machen. Und zwar auffallend “zufällig” genau dort, wo die “Stadtteilarbeiter_innen” selbst gerne “arbeiten und leben” würden; wo sie ihre Mittagspause verbringen, eine schicke Bluse kaufen, oder wenigstens einen Latte Macchiato schlürfen möchten.
Am Wunsch allein ist nichts verkehrt – nur warum sollte von allen denkbaren Lebensentwürfen ausgerechnet der “alternative” kommunal besonders gefördert werden?
“Arbeiten und leben” geht in Harburg oder Wilhelmsburg eben (noch) nicht so gut, wie “anderswo”.
Denn wer gratis Töpferkurse nicht im schicken Hamburg-Ottensen anbieten könnte, müsste als “Stadtteilarbeiter_in” (m/w) womöglich in Zukunft jeden Tag zur Arbeit auf die vom sozialen Wohnungsbau gepeinigte Bornheide fahren – zumindest, wenn objektive Bedürftigkeit zum Kriterium für die Vergabe von kommunalen Fördermitteln gemacht werden würde; gar schröcklich wär’s! Da ist es doch besser, die Kinder “von da” setzen sich zwei Stunden in den Bus, nicht wahr, liebe “Stadtteilarbeiter_innen”? Dann lungern sie wenigstens nicht auf der Straße vorm Computer rum…
Davon einmal abgesehen: Es ist bemerkenswert, mit welcher Empörung etwa letztens im Golbekhaus jedes Ansinnen von sich gewiesen wurde, mal öffentlich zu machen, was mit all den vielen kommunalen Euronen passiert, die jedes Jahr auf dem Konto landen.
„Was soll denn der Scheiß?“
soll es da unlängst auf einer Diskussionsveranstaltung geheißen haben; der Strom kommt doch schließlich auch aus der Steckdose und außerdem haben wir das doch schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, immer so gemacht! So oder so ähnlich war dort die Stimmung, als es ans Eingemachte ging; verständlich, es stand wohl so manches private Finanzierungsmodell zusammen mit dem kommunalen auf dem Spiel “Prüfstand”.
Da jedes Verhalten sozial gelernt ist, muss man davon ausgehen, dass so manches “Zentrum für Stadtteilkultur” nicht erst seit gestern nur ausgesprochen ungern öffentlich davon berichtet, was es mit „seinen“ öffentlichen Geldern macht – oder eben nicht macht.
Wenn diese Leute, und das Goldbekhaus ist hier nur ein prototypisches Beispiel, sich und ihren sogenannten Anspruch auch nur im Ansatz ernst nehmen würden, wären sie schon lange, vor allem aber von sich aus auf die Idee gekommen, in den wirklich benachteiligten Stadtvierteln etwas “Stadtteilarbeit” zu machen.
So manche Zeit-Redakteurin a.D. liest einmal in der Woche in der Bücherhalle den Kindern etwas vor, ohne dass ihr die Freie und Hansestadt auch nur die Busfahrkarte bezahlt (was die in Rede Gestellte auch gar nicht wollen würde, by the way); aber es gibt natürlich so viele sozial benachteiligte Menschen in Winterhude.
Das ist alles nicht persönlich gemeint.
Es stellt sich lediglich die Frage, ob die gegenwärtige Förderungs- und Vergabepolitik dafür sorgt, dass das Angebot öffentlich geförderter Kunst- und Kultureinrichtungen überhaupt dort ankommt, wo es gebraucht wird.
Oder ob man nicht viel eher Eulen nach Athen Gimpel nach Uhlenhorst trägt, während am Osdorfer Born, Kirchdorf-Süd und gleich um die Ecke vom Goldbekhaus, in Steilshoop, das Sozialisationsprodukt von dreißig Jahren River-Cola, Chio-Chips und Ego-Shootern zu bestaunen ist. Allein schon bei der Vorstellung, dortens ein wenig “Stadtteilarbeit” machen zu müssen, kommt einem doch gleich der biodramatische Rauke-Salat mit Parmesanstreifen hoch, nicht war, liebe “Stadtteilarbeiter_innen” (m/w)?
Aber solange der Grass das Gras so schön grün ist, möchte man in den „alternativen Projekten“ nichts davon merken, wo sie von gesellschaftlichem Nutzen wären; schon gar nicht freiwillig. Von Neu-Allermöhe (West) hatte man in der einschlägigen Szene bis letzte Woche nicht gewusst, dass es überhaupt existiert.
Und wie gesagt scheiterte besagte Diskussionsveranstaltung schon allein daran, dass man seitens der Empfäner_innen kommunaler Fördermittel inhaltlich gar nicht verstand, wie sich die Öffentlichkeit nur erdreisten konnte, über den Verbleib ihres Geldes informiert zu werden; was irgendwie zum üblichen Demokratieverständnis der “alternativen” Selbstbedienungs-Szene passt.
Während man sich gleichwohl vorbehalten möchte, das Wissen darum, wie man einen Anträge auf Fördermittel stellt, auch weiterhin als Betriebsgeheimnis der “alternativen Stadtteilarbeit” zu behandeln – sonst könnte ja jede/r kommen, und dann wäre es mit der Hegemonie an den Fleichtöpfen Ägyptens vorbei? Keine Sorge, liebe „Idealisten_innen der ersten Stunde“: Eure Finanzierungsmodelle sollen durch Seilschaften in die Kulturbehörde sehr gut abgesichert sein – heißt es (in Gerüchten)!
Was daran im öffentlichen Interesse ist,
erschließt sich vermutlich nur den unmittelbar Betroffenen dieser „Zusammenhänge“ selbst. Aber auch von all den Leuten, die nach eigenem Bekunden „das Altonaer Museum sind“, wurde nur eine extreme Minderheit jemals in den Ausstellungsräumen gesehen; was ich völlig verständlich finde, denn dessen Dauerausstellung wird durch wiederholte Besuche auch nicht interessanter.
Warum es “gut” und öffentlich förderungswürdig sein sollte, dass die kommunale Kohle erst durch den Stoffwechsel von “Stadtteilarbeiter_innen” (m/w) hindurch muss, bevor sie im Klo runtergespült wird, scheint unverständlich, so lange man die Funktion von “Stadtteilarbeit” nicht verstanden hat: Es ging dieser kommunalen Inwertsetzungsmaßnahme von vornherein allein darum, sich und ihre Protagonist_innen überflüssig zu machen.
In einem durch “Stadtteilarbeit” wiederaufgewerteten Stadtteil braucht man keine “alternativen” Projekte mehr, denn man hat dann jede Menge Eisdielen, Pizzerien und andere Formen verschrebergärtnerisierter “Urbanität”; gegen dieses Wissen hilft auch keine infantile Renitenz seitens der Antragsteller: Der Reformismus frisst seine Kinder_innen – und zwar völlig zurecht.
Beim großen Sprung nach vorne indes – London! Sydney! Los Angeles! – ist allem Anschein nach etwas schief gegangen, denn herausgekommen ist etwas, mit dem man höchstens in Herne, Remscheid oder Marl (die Stadt, die ein Busbahnhof ist) irgendein Aufsehen erregen könnte.
Aber egal, durch wessen Stoffwechsel sie geht, am Ende landet die Kohle im Klo – und warum sollten die Angestellten und Auftragnehmer von Hochtief nicht auch mal schick essen gehen? Sie sind schließlich noch lange genug tot, und was diese Baufirma am Hafen macht, ist doch auch “Stadtteilarbeit”, oder etwa nicht? Nur das “Format” ist anders.
Was nun die Bereitschaft angeht, sich angesichts derartiger Leistungen auf dem Gebiet der Cülture ein Wahrzeichen zu setzen, hat die Freie und Hansestadt sich ihr “Wahrzeichen” bereits gesetzt. Stellt die Bauarbeiten ein und lasst es, wie es ist, es kann alles nur noch schlimmer werden! Vielleicht tut Euch jemand den Gefallen, und steuert ein Flugzeug hinein, denn gut versichert wird’s doch wohl sein, das “Wahrzeichen”, oder etwa nicht? Ein Schelm, wer an 9/11 dabei denkt!
Wunstorf (somewhere anywhere everywhere in Germany) hat es richtig gemacht!
Wunstorf bestellte sich bereits vor dreißig Jahren einen putzigen Kuh-Brunnen für seine frischgebackene Fußgängerzone. In der Absicht, dem gesellschaftlichen Stoffwechsel ein Denkmal zu setzen und die Zirkulationssphäre auf Touren zu bringen (das muss ja kein Widerspruch sein, oder?).
Diesem in seiner ostentativen Blödheit geradezu rührenden Versuch eines ästhetischen Sinnangebotes ist dreierlei zugute zu halten: Es wurde 1) innerhalb der vorgesehenen Zeit fertig 2) zu den vorgesehenen Kosten (so sieht es allerdings auch aus) und im Rahmen seiner Möglichkeiten erfüllt es 3) seine Aufgabe ganz tadellos.
Wenn nämlich – pünktlich zu den großen Ferien – der Abiturjahrgang für eine Packung Waschmittel zusammenlegt und sich denselben Spaß gönnt wie in jedem Jahr; der übrigens auch dadurch nicht witziger wird, dass man ihn wiederholt. Aber wann wäre es in Deutschland ausgerechnet bei der “Kultur” jemals um Originalität gegangen?














Sophist X
April 16, 2012
Die bedeutung dieser ergeigniss für die sozialistische gendergerechtigkeit und teilhabe kann kaum überbewertet werden, wenn sie sich auch nicht auf den ersten blick erschließt.
Ein monumentales mahnmahl für die opfer von krieg und gewaltherrschaft, das darstellt wie genossen stalin und mao the dong gemeinsam adolf hitler erschlagen -also eine allegorie von gut und böse- wäre im nachhinein die klügere investition gewesen und von ungleich größerem nutzen für die werktätigen massen als eine dudelbude, in der am ende statt der beliebten revolutionsopern doch wieder nur die playlists hanseatischer kleinbürger runtergefiedelt werden.
Дружбa
feliksdzerzhinsky
April 17, 2012
Wenn wir an der Macht sind, dann benennen wir das in Albphilharmonie um. Das Portemonnaie heisst dann Geld-Beustel und Dohnanyi machen wir zum Diriginsky (nachdem Dinsky nicht mehr Kan und der Blaue Reiter seinen Fuehrerschein abgeben musste, als er bei der Alkohol-Kontrolle in die blaue Pusteblume hauxhen musste – so ein Kaes’, Mann!). Und noch was: in Nordkorea waer’ das nicht passiert. Juchhe! Was an Baukosten aus dem Ruder lief, wird jetzt an den Musikern einfach eingespart. Das Hafenorchester tut’s schliesslich auch, das hatte schon immer wesentlich mehr Zuhoerer, und das sogar unter freiem Himmel. Drum lassen wir ja auch das Dach weg.
steinzeitmarxist
April 18, 2012
“Wenn wir an der Macht sind” – verkaufen wir das Ding an Seaworld, die machen dann ein Delphinarium draus. Das sind sehr sensible und hochintelligente Tiere, die Delphine, und sie haben bislang keinerlei Möglichkeiten, ihr Kulturschaffen zu präsentieren. Ist das etwa gerecht? Und in den Keller kommen die Tiere vom Zirkus Krone, die aus irgendwelchen Gründen auch nicht mehr “okay” sind… Aber weil man sie nicht einfach so in der Fußgängerone aussetzen kann, kommen sie eben auch in die Ex-Elbphilharmonie (who the f*** is Moni?). Ach, wenn Inge Meisel das noch erleben könnte!
Иосиф Виссарионович Сталин
April 18, 2012
Genosse Steinzeitmarxist,
da ich durch die aktuellen Sperenzien meines Epigonen Wowa ein wenig abgelenkt bin, muß ich mich auf eine Stelle Ihrer hervorragenden Analyse beschränken:
“verkaufen wir das Ding an Seaworld, die machen dann ein Delphinarium draus.”
Seit wann gibt es arische Delphine? Das können doch nur Nazis sein, oder? Womöglich die Nachkommen der einst für kurze Zeit siegreichen großdeutschen U-Boote?
Mit der höflichen Bitte um gründliche Recherche dieser brennenden Frage,
Ihr Jossif
steinzeitmarxist
April 18, 2012
Werter Jenosse Gossip, äh: Genosse Jossif:
vielen Dank für Ihre Zuschrift.
Ich würde es Ihrer von Ihnen selbst bekundeten Wowa-isierung zugute halten, aber haben Sie denn nicht den jüngsten Höhepunkt des proletarischen Kulturschaffens erlebt, einem finnischen Trash-Flic namens “Iron Sky”, der so … ähm, schlecht (man kann es wirklich nicht anders sagen) sein muss, dass ihn noch nicht mal die Quentin Tarrantino Fans “gut” oder zumindest “irgendwie ironisch” finden wollen?
Nun, ich verrate Ihnen jetzt natürlich kein Geheimnis (denn wie künnte es vor Ihnen Geheimnisse geben, Genosse) aber es sollte eigentlich erst ein Tierfilm daraus werden, bis die Filmförderung Hessen in der Finanzierung aufgetaucht ist und das Drehbuch geändert werden musste.
Lange Geschichte, aber das Ende vom Lied war, dass die bereits bei Seaworld bestellten “arischen” Delphine seitdem im dortigen Delphinarium zwischengelagert werden; (wo die anderen Delphine sich nunmehr befinden, weiß ich nicht).
Es war aber nicht nur die hessische Filmförderung, sondern auch der deutsche Tierschutzverein dagegen, und so mussten die Finnen eben mit Menschen Vorlieb nehmen. (Menschen haben auch nicht so eine gute Lobby wie die Delphine, Sie verstehen). Delphin-Steaks gelten übrigens zurecht als Barbarei.
Nun ja, und was die von Ihnen angesprochene “Politik” anbelangt, so wissen wir hier in der Freien und Hansestadt nur zweierlei über die Nazis: a) dass sie ein schmutziges Geschäft sind und b) dass sie uns noch nie davon abgehalten haben, unser Geld zu verdienen.
In der Hoffnung, alle Ihre Fragen beantwortet zu haben.
PS: Wer oder was ist Ihr Epigone Wowa? Ich kannte bislang nur Ihren Epigonen Lyzis…
Иосиф Виссарионович Джугашвили
April 20, 2012
Linientreuer Genosse Steinzeitmarxist,
seien Sie bedankt für Ihre fleißige Aufklärungsarbeit, die dem greisen Beglücker der Menschheit auch im fernen Proletarium Workuta inniglich das revolutionäre Herzchen wärmt. (Meine Traktoristinnen befassen sich mit dieser Körperregion so gut wie nie; aber es haben halt alle
SturmabteilungenBataillone der werktätigen Massen ihre Prioritäten.Bei meinem Epigonen Wowa (Koseform von Wladimir, wie Sascha für Aleksandr, Iljuschin für Ilja, etc.) handelt es sich um keinen Geringeren als Владимир Владимирович Путин, der das Zeug hat, vom Epigonen zum Diadochen aufzusteigen.
Es könnte Wowa glatt gelingen, die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zu neuem Leben und altem Glanz zu erwecken, sich erhebend wie
die Fahne aus dem Wodkader Phönix aus der Flasche. (Er sollte nur mit den Genickschüssen nicht so knausern, die publikumswirksamer sind als jedes dekadente Wahlplakat.)Zur Eröffnung der Gamburger Elbphilgarmonie wurde er schon eingeladen, auch falls diese erst im 22. Jahrgundert möglich sein sollte.
Auch heute leider zu Kürze gezwungen, bleibe ich mit solidarischen Grüßen, in jugendlicher Frische,
Ihr Jossif
steinzeitmarxist
April 21, 2012
Ach so, Wladimir Wladimirowitsch soll das sein… *lach
Wowa wird mit den Fischen schlafen, wenn er nicht mit den Delphinen schwimmt, Genosse, seien Sie ganz unbesorgt
Иосиф Виссарионович Джугашвили
April 22, 2012
Sollte ich mich in meinen eigenen Werken (9 Bände, ich bitte Sie, Genosse!) so verlesen haben? Der fesche und nicht unmuskulöse ZK-Vorsitzende der neuen Sowjetunion hat doch alles, vom schmerzlich fehlenden Schnauzbart abgesehen, was einen revolutionären Staatenlenker ausmacht.
Wowa könnte mein Enkel sein — und wenn ich
PechGlück habe, dann ist er’s auch. (Nicht alle meine sozialverträglichen Einlassungen mit der weiblichen Arbeiterklasse sind mir in Erinnerung geblieben.)