Fortschrittliche Schweiz, rückschrittliche BRD

Posted on Dezember 2, 2009 von

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Zunächst die gute Nachricht:

Das Minarettverbot in der Schweiz


Müssen bald abgerissen werden: Die verschiedenen Minarette dieser Moschee in der Schweiz

Es ist ohne einschränkung zu begrüssen, dass die schweizerInnen sich gegen den bau von minaretten ausgesprochen haben. Ein blog-kommentator, der sich als schweizer zu erkennen gibt, schreibt:

„Ich als ja-stimmer erklär dir, um was es mir ging:

1. Ein Stück näher meinem Ideal einer religions- und aberglaubenfreien gesellschaft

[. . .]

Ein minarett ist genau so überflüssig wie ein kirchturm, kommt also niemand zu schaden. man braucht es nicht für sein tägliches placebo“

Treffender kann unser autorInnenkollektiv es kaum ausdrücken, denn es geht nicht nur um minarette. Sehr viele schweizerInnen haben mit diesem votum einfach gezeigt, dass ihr land religion einfach nicht mehr duldet, denn die schweizer kirchen, die sich in reaktionärer verbundenheit mit ihren spiessgesellen von der islamischen seite gegen das minarettverbot ausgesprochen haben, haben dadurch ebenfalls eine herbe niederlage erlitten.

Die sozialistischen plattenbauten im vordergrund sehen auch vor alpiner kulisse (hier verdeckt von aerosolförmigem prosperitätsindikator) sehr schön aus.

Es gibt aber noch einen zweiten punkt neben der der überholtheit der religion, der gegen die verschandelung der schönen volkseigenen alpen durch religiöse bauwerke spricht: Es ist die verschwendung von baustoffen. Statt minaretten, moscheen, ja auch kirchen, synagogen, tempeln und anderem architektonischen überfluss kann man plattenbauten aus standardisierten moduln errichten, die viel raum für gemeinschaft und wenig raum für konterrevolutionäre selbstabgrenzung bieten.

Das Sonntagsgebot in der BRD

ist ein klarer rückschritt. das weltfremde festhalten des BVerfG am GG-Text steht einer emanzipation der rechtsprechung von unterdrückerischen normen im wege. beim BVerfG sind nur die roben rot, nicht die gesinnung! rote roben aber arbeiterfeindliche gesinnung: Die unrechtsrichter des BVerfG.der erste senat (es gibt ihrer ja zwei) des BVerfGs dünkt sich besser als der einzige senat von berlin, der als allereinzigster sogar demokratisch gewählt ist, wie man an der mehrheit sozialistischer parteien in seinen reihen deutlich sieht. die koalition aus SED und SPD weiss um die geschichtlich-soziale notwendigkeit, die konservativen, rückschrittlich motivierten zwangsfeiertage über die einführung des unbezahlten, absolut freiwilligen (d.h. wer frei sein will, muss mitmachen) subbotnik und die abschaffung des sonntages auszuhebeln, um endlich zur totalen arbeits- und arbeitergesellschaft zu gelangen, die sich nicht mehr um in religiöser rückständigkeit verharrende minderheiten kümmert. was gilt die weimarer verfassung, die vor 90 jahren (!) von bürgerlichen und neoliberalen kreisen ausgearbeitet worden war, um die arbeiterklasse durch arbeitsfreie tage zu unterdrücken, wenn heute die mehrheit vielleicht sich nicht mehr an alle artikel halten will? von karl marx ist lange bekannt, worauf erst kürzlich genosse Egon Krenz in einer denkwürdigen rede (die von unserem autorInnenkollektiv noch gründlichere beachtung verdient), hingewiesen hat: „Die Arbeit hat den Menschen erst zum Menschen gemacht. Nimmst du ihm die Arbeit – nimmst du ihm die Würde.“
diese aspekte –das sozialistische menschenrecht auf arbeit und das mehrheitsprizip der rechtsprechung– analysiert in hervorragender, lesenswerter weise genosse Vigelius. obwohl er kein richter ist, ist er ein besserer anwärter auf die Hilde-Benjamin-Verdienstmedaille für sozial gerechte urteile (nicht juristisch gerechter, denn dieser begriff wurde durch die neoliberale propaganda entwertet) als der erste senat.