afghanistan, guttenberg, soldaten und dialektik

Posted on Dezember 16, 2009 von

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Es sollte jeder wissen: Das bombardement am 04.09.2009 n.u.Z. mit genau 179 toten zivilisten war ein verbrecherischer akt imperialistischer gewalt. Dann wurde die öffentlichkeitauch noch belogen, warum die bis zu 142 menschen sterben mußten (sie mußten nicht! aber ein blutrünstiger oberst wollte sich an ihrem tod ergötzen!). Es wurde erst behauptet, dass von den bis zu 125 menschen, die getötet worden waren, im moment der bombardierung niemand deutsche soldaten bekämpft hat, sondern es allenfalls vorbereitet hat. Dann kam aber das schlimmste raus: Die bundeswehr wusste genau, dass 30 arglose menschen durch die bomben mitermordet werden, als sie unter führung von 69 defensivbewaffneten antiimperialistischen gleichfalls getöteten aktivistInnen, unter denen wichtige taliban-kommandeure waren, nachts auf einer sandbank volkseigenes benzin verwerten wollten. Ja, sie waren arglos! Durch den fluglärm der B-1 und F-15-Bomber konnten sie ja nicht schlafen. Da ist es ganz normal, dass man der höflichen bitte des taliban seines vertrauens nachfolgt und mit kanistern in die einöde und dunkelheit geht (naja, dunkelheit– vielleicht hatten sie ja fackeln, um den weg zu den tanklastern zu beleuchten).
Fast jedem, der die Erzeugnisse der vorbildlich mit der abteilung agitation im zentralkomitee der sozialistischen einheitsparteien der brd zusammenarbeitenden journalisten verfolgt, ist also klar: Die tötung der bis zu 90 menschen, die alle zivil gekleidet waren, und ihre vertuschung ist ein skandal, den der genosse trittin geistesgegenwärtig nach 103 tagen richtig kritisiert hat.
Zwar geniessen aktivistInnen, die versteckt waffen tragen, als illegale kombattanten keinen schutz durch das kriegsvölkerrecht, weder als soldaten, noch als zivilisten, aber das konnten die NATO-Soldaten ja gar nicht beurteilen, weil sie die waffen der aktivistInnen ja gar nicht sehen konnten. Ausserdem war ein angriff mit dem benzin ja erst in einem frühen planunsstadium. Die bundeswehr hat also das recht auf leben der taliban, die einen unkooperativen tankwagenfahrer erschiessen mussten, völligst unverhältnismässig verletzt.

Leider gibt es aber auch einige wenige unbelehrbare, wie dieser arrogante, rückständige blogger califax, der sich erdreistet, den politikern, die doch die volksdemokratisch gewählte vorhut der sozialistischen fortentwicklung sind, vorzuschreiben, was sie zu reden hätten. Es ist ihm aber zugute zu halten, dass die kritik von genosse trittin nicht leich zu verstehen ist, wenn man nicht maos lehre vom widerspruch mit dem genossen teilt. Sie besagt, dass bei der lösung eines störenden widerspruchs revolutionäre kraft freigesetzt wird. Hier gibt es viele widersprüche und also viele möglichkeiten, die revolution voranzutreiben:
1. Einerseits werden tote soldaten beklagt, andererseits werden ihnen politisch nicht die mittel gewährt, sich zu wehren.
2. Einerseits wird ein fehlendes konzept der bundesregierung bemängelt, andererseits haben die bemängeler schon ohne konzept die bundeswehr als erste nato-„friedenstruppe“ nach afghanistan geschickt.
3. Einerseits wird die informationspolitik von Guttenberg kritisiert, andererseits wurde von den sozialistischen mitgliederInnen im verteidigungsausschuss (trittin gehört nicht dazu) die informationspolitik nicht kritisiert.
4. Einerseits sprechen wir uns gegen den frauen-, schwulen-, atheisten- und fortschrittsfeindlichen integrationsunwilligen islam in der brd aus (siehe etwa hier oder hier), andererseits fördern wir die noch gefährlicheren taliban in afghanistan, indem wir NATO und bundeswehr parlamentarisch behindern.

Nationalistische symbole ziehen gewaltbereite soldaten an. Friedliche alternativen: Blühende sonnenblume oder schreiender pilz.

Nun die lösung der widersprüche.
Zunächst ist bekannt, dass soldaten mörder sind. Ihnen gebührt keine sympathie einer friedliebenden regierung. Wer zur bundeswehr geht, ist zumeist konservativ eingestellt. Wer sonst würde unter so einem überholten, geschichtlich belasteten symbolen wie dem eisernen kreuz oder schwarz-rot-gold arbeiten wollen! Ausserdem schätzt man in der bundeswehr säkundärtugenden wie Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Damit kann man auch ein KZ leiten, wie genosse oskar lafontaine richtig bemerkt hat. Oder das bundesfinanzministerium. Und das wollen wir nicht, also weg mit diesen sekundärtugenden, und wer sich von ihnen nicht trennen will, von dem müssen wir uns trennen! Am besten weg nach afghanistan.  Dort werden sie auf den widerspruch zwischen ihren säkundärtugenden und ihrer schlechten ausstattung stoßen. Die lösung des widerspruchs ist zugleich die lösung von mittelalterlichen vorstellungen von „soldatenehre“. Gewonnen wird bei den soldaten die einsicht, dass menschen als menschen zu behandeln sind und nicht als dinge, die man mal hier, mal dorthin schicken kann oder deren tot man für seinen eigenen profit hinnehmen kann. So werden die soldaten zu proletarischem klassenkämpfern. Wie schon der grosse Vorsitzende sagte: Ein revolutionärer Krieg ist ein Gegengift, das nicht nur das Gift des Feindes vernichtet, sondern auch unseren eigenen Schmutz hinwegsäubert.
Der zweite widerspruch ist mit dem ersten verwandt. Es ist durch politisch vermurkste planung ein hass auf den krieg zu erzeugen. In der geschichte sieht man, dass kriege, die durch einmischung der politik in militärische details verdorben wurden, immer besonders gut für den gesellschaftlichen fortschritt sind, weil das volk mit den soldaten mitfühlt. Diese sympathie ist für die sozialistische Sache auszunutzen. Beispielsweise wäre der Vietnamkrieg wesentlich verlustärmer gewesen, wenn die demokratischen politiker nicht auf der bombardierung gut gesicherter, strategisch nicht wichtiger nordvietnamesischer industrie- und siedlungsgebiete bestanden hätte und die USAF die bodentruppen taktisch und gezielt unterstützt hätte. Die protestbewegung gegen den krieg wäre geringer gewesen. Das wäre eine katastrofe gewesen, wenn man bedenkt, wie weit wir heute durch die 68er sind!
Ein Beispiel für das gegenteil ist der falklandkrieg. Thatcher hat sich aus militärischen details ziemlich herausgehalten mit dem ergebnis, dass der krieg deutlich gewonnen wurde und bis heute die britischen inseln sehr unter dem (neo)liberalismus leiden, trotz Gordon Brown (er sollte Red heißen).
Der dritte widerspruch besteht darin, dass in der sogenannten demokratie für den schutz der soldaten nicht geheimnisse an die presse weitergegeben werden dürfen. Was für ein missverhältnis! Das musste genosse trittin kritisieren! Ist der staat nicht wichtiger als der soldat, der den staat schützen soll? In allen sozialistischen bruderländern wird viel umfassender der staat vor spionage durch konterrevolutionäre elemente geschützt, indem die presse nur die richtigen meldungen verbreitet. Das ist sozial gerechter als wenn man nur die reaktionären parasiten in uniform schützt, denn der demokratische staat sorgt für das gemeinwohl, der kapitalistische staat nur für das wohl seiner eliten.
Der vierte Widerspruch soll aufzeigen, wie dumm es vom westen war, die feinde der demokratischen arbeiterregierung von präsident karmal zu unterstützen. Genosse Egon Krenz hat kürzlich darauf hingewiesen: Es war eine ökonomische schächeperiode der sozialistischen länder, weil der westen uns ein wettrüsten aufgenötigt hat. Wir wollten keinen krieg, kein militär und keine rüsting sondern die verwirklichung der klassenlosen gesellschaft! Nur die profiteure des klassengegensatzes haben sich waffen angeschafft, um sich diesem ehrlichen wunsch militant entgegenstellen zu können.
Ausserdem hatten die USA die sowjetische landwirtschaft schon seit der ersten bodenreform erfolgreich sabotiert (später dazu mehr) und hatte die sowjetische hilfe für afghanistan als vorwand genommen, die getreidelieferungen an die sowjetunion zu kürzen. Das war eine eiskalte einmischung in den afghanisch-sowjetischen frieden und eine schamlose schädigung in zeiten der schwäche.
Durch die jetzige unterstützung der taliban machen wir also deutlich: Ohne sozialismus kein frieden! Es sind die kapitalistischen umstände, die die taliban so renitent machen, genau wie es bei uns war, bevor sich fortschrittliche politik selbstverwirklichen konnte. Wir haben auch verständnis für Selbstmordattentate, denn die bestrebung, möglichst viele bonzen in den tod zu reißen, loben auch wir. Sind die US-Invasoren und ihre NATO-Büttel erst bekämpft und haben erst die kriegsmüden massen den Krieg mit dem Gewehr bekämpft, wie es laut dem grossen vorsitzenden geschehen muß, dann kann auch afghanistan von seinem patriarchalischen, archaischen, antimodernen und islamischen erbe befreit werden. Das werden wir in einem umfassenden, friedlichen ansatz bewältigen: Sexualberatungsstellen für jugendliche afghanInnen einrichten, frauen als imame oder mullahs zulassen, am besten mit frauenquote, das land kollektivieren, die begünstigung durch korruption gerechter verteilen, Hartz IV abschaffen, und, und, und. Wie schon der grosse Vorsitzende gesagt hat: „Ein Volk, dessen Revolution bereits gesiegt hat, muß den Völkern, die noch um ihre Befreiung kämpfen, Hilfe erweisen. Das ist unsere internationalistische Pflicht.“