Geschichtsrevisionismus beim bundespräsidenten!

Posted on Dezember 31, 2009 von

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Wie vor kurzem vom autorInnenkollektiv hilde benjamin angekündigt, haben wir fortan ein wachsames auge auf heimliche verfassungs- und klassenfeinde im politisch-gesellschaftlichen leben. Zu anfang ist uns ein ganz dicker fisch ins netz gegangen. Selbiger stinkt bekanntlich vom kopfe her: Es ist niemand geringerer als der inhaber des höchsten staatsamtes der brd, bundespräsident horst köhler, dessen geschichtsrevisionistische umtriebe einen internationalen skandal darstellen.

Präsident Köhler ließ ein grußwort zum sogenannten tag der deutschen einheit in der deutschsprachigen, kanadischen zeitung „die neue Welt“ abdrucken. Doch in derselben ausgabe stand der zweite teil der berüchtigten geschichtskitterung von gerd schultze-rhonhof, die schon mal in der vom verfassungsschutz erwähnten zeitung junge freiheit stand. Der üble geschichtsrevisionist behauptet darin, polen habe eine mitschuld am zweiten weltkrieg gehabt. Dies relativiert die deutsche schuld! In wahrheit war die kriegstreiberei des reaktionären, katholischen polens nur gegen die friedliebende und aufgeklärte sowjetunion gerichtet. Sie und die einfachen menschen in den dörfern sind die wahren opfer, denen es unter dem autoritären Wüten der antisowjetischen Regierungen Berlins und Warschaus noch schlimmer ergangen wäre, wäre der weisen militärischen Führung durch den Genossen Stalin nicht gelungen, mit der unterzahl von 800 000 sowjetischen SoldatInnen gegenüber der übermacht von 20 000 polnischen Aggressoren eine halbe Millionen von ihnen (den Aggressoren) gefangenzunehmen.
Horst Köhler sollte die wahren, zum rechten klassenbewußtsein mahnenden geschichtlichen Ereignisse gut kennen, denn die umsiedelung seiner eigenen eltern nach Skierbieszów war gegenleistung des faschistischen deutschlands für die stellung von truppen durch das faschistische rumänien im verräterischen kampf gegen die sowjetunion. Diese Umsiedlung war falsch und ungerecht, denn der in nationalitätenfragen erfahrene Genosse Stalin hatte für rumäniendeutsche das land westlich von Oder und Neiße vorgesehen, denn östlich mussten ja die polen angesiedelt werden, die östlich der curzon linie zur sicherung des sozialismus in weißrussland und ukraine ausgesiedelt werden mussten. Diese massnahme erwies sich als notwendig, denn ohne sie wären die terrorakte der unbelehrbaren angehörigen der polnischen untergrundarmee gegen unschuldige sowjetsoldaten noch schlimmer gewesen.

Nun stehen die Leserbriefe republikflüchtiger, reaktionärer deutscher, die die geschichtsrevisionistischen ideen so loben, direkt neben dem Grußwort des Präsidenten, das selbst –freilich etwas subtiler– die geschichte im zusammenhang mit der feindlichen übernahme der ddr durch die brd verfälscht. Es ist zu befürchten, dass dahinter der geheime aufbau einer nationalkonservativen gegenrevolution steckt. Warum ist dieses grußwort nicht auf der Präsidentenseite zu finden? Wir vermuten dahinter methode.

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Erst jüngst ist Köhler gebildeten humanisten mit einer groben verbalen entgleisung negativ aufgefallen: Er hatte die Bibel als geeignet für eine frühkindliche Erziehung betrachtet. So steht es in dem christlichen Medienmagazin, das die Kritiker mit ekel gelesen haben, und so steht es auch fast in der Originalquelle. Das ist ein schlimmes Abweichlertum vom errungenen gesellschaftlichen konsens: Auf Erziehung mit der Bibel muss der staat notfalls durch entziehung der kinder reagieren, denn die bibel ist ein inhumanses und rückwärtsgewandtes buch, an dessen inhalte man in einem freien staat nicht glauben darf. Massstab für den Präsidenten habe allein die Verfassung zu sein, so genosse Rudolf Ladwig vom bund der atheistInnen und konfessionslosen (ich glaube, der genosse meint die weimarer reichsverfassung und nicht das grundgesetz, denn letzteres ist —vor allem in der hand repressiver verfassungsrichter— viel rückschrittlicher).

Neben der Anregung von Genosse Rainer Ponitka (ebenfalls AtheistInnenbund), dem Präsidenten andere Bücher zukommen zu lassen, um die benachteiligung anderer bücher gegenüber der bibel seitens des präsidenten zu dämpfen (siehe die inhaltliche Anregung seitens unseres kollektivs), hat das dialektisch erfahrene Agitpropkollektiv „The Brights“ (das heißt soviel wie die hellen köpfe und soll helfen Religiösen, die ja bekanntlich leichtgläubig sind, zu zeigen, dass sie nicht so kluge köpfe sind) den Präsidenten für den ironischen preis „Dodo des Monats“ nominiert. Der Dodo war ein flugunfühiger vogel auf mauritius, der ausgestorben ist, weil er durch weltgewandte, fortschrittliche seefahrer ausgerottet wurde, die das alte, typisch biblische märchen von der erde als Scheibe (hier keine quellenangabe möglich) nicht glaubten und stattdessen tatkräftig in die welt vorstiessen, ohne auf überholte mißgestalten rücksicht nehmen zu müssen. Der preis mit dem ausgestorbenen Vogel symbolisiert also die drohende ausrottung tölpelhafter konservativer mit überholten meinungen durch den humanismus. Diese ausrottung des präsidenten muss schnell erfolgen, denn er ist eine bedrohung für den weltfrieden zwischen polen und deutschland! Jeder, der das richtige maß an meinungsfreiheit überschreitet, muss wissen, dass er gnadenlos verantwortung vor den gestrengen Augen der revolutionäre und der nachfolger hilde benjamins übernehmen muss, ggf. hängend an der Laterne. Ça ira!