haiti, lissabon, erdbeben und fortschritt

Posted on Januar 18, 2010 von

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„Das Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 erschütterte nicht nur die bedeutende europäische Handelsmetropole, sondern auch das optimistische Welt- und Gottesverständnis der Zeit. Angesichts von 30.000 Todesopfern wurde nicht nur die Allmacht Gottes in Frage gestellt, sondern die Existenz Gottes überhaupt bestritten (Atheismus).“ lesen wir dankenswerter weise im blasphemieblog, der seinerseits jesus.de zitiert, dem wir aber nicht danken (ihn gibt es schließlich nicht).  Das erdbeben war also die materielle grundlage –wie marx sagen würde– für den revolutionären fortschritt, dass man an gott nicht glauben soll, weil er nicht existiert. Die theodizée konnte ab 1755 also nicht mehr mit klerikalen wortklaubereinen verdeckt werden.  Entlarvt war z.b. die lüge der erfinder des buches hiob. Sie stellten das unglück der welt als eine art herausforderung hin, der der gläubige mensch zu trotzen habe, indem er am glauben festhalte und nicht gegen das gesellschaftlich-politische unrecht dahinter aufbegehre. Ein typisch sexistisch-patriarchalisches detail ist dabei, daß die frau hiobs als die dumme hingestellt wird, die hiob zum abfall vom glauben auffordert. So soll weibliche unwissenheit suggeriert und das patriarchat zementiert werden. In wahrheit hatte die frau recht, wie konsequente protagonisten feministischer theologie –marx sei dank!– inzwischen wissen. Die ganzen ausreden mit „allmacht nicht im paradoxen sinne verstehen“, „unterscheidung zwischen sein und sollen“, „freiheit des menschen“, . . . sind also blödsinn, den die rückwärtsgewandten religiösen gar nicht selber glauben (wir wissen nämlich, was sie glauben und dass sie dumm sind).

Angefangen hatte mit dem erdbeben also das kritische denken. Das war eine historische notwendigkeit. Denn –wie schon voltaire erkannte– entwickelt sich die menschliche gesellschaft hin zur vervollkommnung in der vernunft. Das nennen wir heute kommunismus. Da gesellschaftskritik aber mit religionskritik beginnt, wurde durch die erschütterungen des erdbebends das fortgesetzt, das durch die erschütterungen von luthers hammerschlägen begonnen hat: Die abschüttelung überholten religiösen denkens. Bedürfnisse wurden freigesetzt, die zur revolutionären überwindung des alten führten.

Nun ist aber dieselbe revolution fortzusetzen, denn auf haiti hat das volk jetzt bedürfnisse, die revolution nötig machen. Auf haiti sind die menschen schon wütend, dass ihnen nicht schnell genug geholfen wird. Dazu haben sie allen grund. Selbst wenn hilfe trotz ihrer strassensperren durchkommt, sind sie damit sogar weit unter hartz IV-niveau. Die kritische errungenschaft der aufklärung fortsetzend müssen wir also kritisch fragen: Wie kann ein Staat sowas zulassen? Wie schon rudi dutschke hervorgehoben hat, haben wir die mittel, leid, hunger usw. abzuschaffen. Dass dies bis heute nicht geschehen ist, zeigt die verbissenheit der profiteure der gegenwärtigen zustände, an ihrer machtposition festzuhalten.

Wäre die weltrevolution schon verwirklicht, hätte man die bewohner von haiti beispielsweise längst in erdbebensichere länder umsiedeln können. Die vorbewohner dort hätte man dann natürlich vertreiben müssen, aber das ist ja nur gerecht, denn von ihnen geht ja die aggression aus, dass die haitianer noch nicht in einem sicheren lande leben.

Stattdessen erleben wir, wie die heuchlerischen anhänger des kapitalismus ihr gewissen mit geldspenden in gleichsam vorreformatorischer weise freikaufen. Als wäre das eine nachhaltige lösung! Irgendwann kommt ja doch das nächste erdbeben. Die armen haben doch nichts davon, nur die spendeneinnehmer profitieren an sicheren arbeitsplätzen durch sicher eintretende naturkatastrophen und die anschliessende spendenflut, die nur durch die verblendung entsteht, es gäbe einen gott. Deswegen der aufruf des autorenkollektivs hilde benjamin: Spendet nicht für haiti! Kämpft lieber für den sozialismus! Spendet für die rote hilfe!