Berlin: Schrei dich frei!

Posted on März 5, 2010 von

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Wegen besonderheiten der unterwasserakustik waren die faschisten auf soldaten angewiesen, die still sein konnten.

Aus der welthauptstadt der befreiung kommt eine erfreuliche nachricht: Dank unserer berliner genossInnen billigt das  Landesimmissionsschutzgesetz (immission erinnert trügerisch an kommission, aber kommissionen sind ja immer gut, immissionen schlecht) nun ausdrücklich lärm durch kinder. Dieser schritt war dringend nötig. Der berliner senat setzt damit nämlich ein deutliches zeichen nicht nur gegen unterdrückung durch die handlanger des konservativismus in den familien sondern auch gegen konsumismus und militarismus. Die faschistische kriegsmaschinerie des dritten reiches war nämlich dringend auf soldaten angewiesen, die durch den gesellschaftlichen zwang, dass kinder leise zu sein hätten, bestens auf das menschenverachtende kriegshandwerk abgerichtet waren: Fehlende „Geräuschtarnung“ –so der zynische ausdruck in der soldatensprache für die unterdrückung des natürlichen lärmtriebes– hätte nämlich den u-boot-krieg gegen die rüstungskonvios der usa und britanniens für die sowjetunion und die hinterhältige infiltration der faschistischen truppen hinter den rücken der aufrechten soldatInnen der roten armee unmöglich gemacht.

Besonders der gehässige konservatismus des dummen george bush (seht euch sein gesicht an!) macht kinder weinen. Dieser ausdruck des protests darf nicht verboten werden!

Aber auch gegen den konsumismus ist dies ein schwerer schlag. Die lüge der industrie ist nämlich, dass kinder immer laut würden, wenn sie unbefriedigte bedürfnisse hätten, etwa nach Zuwendung oder Nahrung. Diese lügenpropaganda zielt darauf ab, die kinder als  abhängig von ihren eltern darzustellen. Das angebliche kindliche bedürfnis nach zuwendung und versorgung soll die mütter an den heimischen haushalt und an die produkte der babybedarfsindustrie binden. Da diese bedürfnisse nie nachhaltig befriedigt werden können, –ein gestilltes kind wird wieder hunrig–, entsteht so eine dauerhafte abhängigkeit und unfreiheit.

Die wahren bedürfnisse von kindern kennen wir: Es ist die nachhaltige befriedigung seiner bedürfnisse durch eine freien gesellschaftsstruktur ohne unterdrückung und eigentum, also das bedürfnis nach der revolution. Das morsche spätkapitalistische umfeld ist also der wahre grund, warum kinder schreien. Das schreien ihnen zu verbieten zu wollen, hieße, ihnen ihren revolutionären antrieb zu verbieten; ein ebenso unmögliches wie verwerfliches ansinnen.

Dies erklärt auch, warum es für normal gehalten wird, dass kinder manchmal schreien. Ihre eltern sind nämlich vertreter des konservativen establishments, wie wilhelm reich festgestellt hat. Da die marxistische forderung nach abschaffung von ehe und familie noch nicht durchgesetzt ist, haben alle kinder mit einem solchen reaktionären familienumfeld zu kämpfen. Dies bricht sich bahn im befreienden urschrei, der ausdruck kindlicher revolutionärer sehnsucht nach dem befreienden urkommunismus, befreiendem urbanen lärms und der befreienden ursula von der leyen ist, die durch eine kristina schröder (warum hat sie nicht ihren urnamen behalten anstatt den ihres mannes zu übernehmen?) nur ungenügend ersetzt werden kann. Normal und zu erlauben ist kindergeschrei also vorläufig. Die rebellion gegen das elternhaus ist erste revolutionäre kinderpflicht!

Die gesetzesinitiative des berliner senats ist deswegen unbedingt zu begrüßen, auch wenn es laut einer anfrage eines genossen bislang keinen anlass gab, bei der die neue regelung etwas verändert hätte. Es gibt allerdings auch kritik an einem detail, auf das eine abgeordnete skudelny von der fdp hinweist: Das thema solle bundeseinheitlich geregelt werden, da sonst eine zersplitterung in kinderfreundliche und kinderfeindliche bundesländer drohe. Ein bißchen mag es den parteigenossInnen aus berlin zur schande gereichen, dass ausgerechnet aus einer anderen partei des demokratischen blocks die warnung vor zerstörerischen konkurrenzkampf zwischen körperschaften des überholten föderalistischen systems erhoben wird. Aber solange der bund –und damit die regierungskoalition von frau skudelny– in dieser frage saumselig ist, gilt getreu der lehre stalins die doktrin vom aufbau des sozialismus in einem lande.

Dann muss die untätige fdp eben zusehen, wie in berlin sich die unterdrückten kinder und säuglinge auf die strasse begeben! Es wurden zwar noch keine demonstrationen von kindern gegen das konservative familiensystem ihrer eltern angemeldet, aber wie bei anderen gruppierungen, die durch gesellschaftliche diskriminierung gehindert werden, ihr protestrecht wahrzunehmen, wird auch hier die politik nachhelfen. Genosse wowereit wird also die arbeitszeit, die er letztes jahr durch sein fernbleiben vom christopher street day gewonnen hat, diesmal der antielterndemo widmen. Die absperrung der straßen für die in ihrem protest behinderte minderheit der kinder ist schon mal für den 31.06.2010 geplant. Bis dahin muss die stadtverwaltung noch die protestplakate schreiben, weil die kinder in böswilliger vorenthaltung ihres rechts auf frühstkindlichen unterricht in schreiben und staatsbürgerkunde/ethik durch ihre repressiven eltern voraussichtlich keine rechtzeitige möglichkeit haben werden.

Das autorInnenkollektiv dr. hilde benjamin möchte hierbei helfen und ruft auch seine leserInnen auf, mittels der kommentarfunktion agitatorisch treffende formulierungen für transparente zu schreiben!