Mißbrauch der mathematik I

Posted on April 14, 2010 von

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Ist dilbert als ingenieur anfällig für aberglauben?

Wissenschaft kann nur sein, was uns von unverstandenen mächten befreit und den menschen seine individualität und freie entfaltung in einem harmonischen kollektivsystem ermöglicht. Auch mathematik und ingenieurswesen muss, wenn sie denn wissenschaft sein wollen, der entdinglichung des menschen und der fortentwicklung der gesellschaft dienen. Alles andere wäre ein rückschritt in die vergangenheit und würde sie zu werkzeugen antihumanistischer unterdrückungseliten machen. Der anlass, warum das autorInnenkollektiv sich genötigt sieht, darauf hinzuweisen, ist, dass bestimmte berufsgruppen ihre faschistische gesinnung immer unverblümter zur schau stellen und ihre macht, die sie durch ihr exklusives fachwissen haben, missbrauchen.

Beispielsweise hat der bloggergenosse freeman, der offen für unsere genossInnen von der linkspartei eintritt, mit viel mühe metergenaue fakten zum fingierten pentagonangriff zusammengetragen und daraus im einklang mit dem richtigen klassenstandpunkt gefolgert, dass er unmöglich so stattgefunden haben kann, wie offiziell behauptet wird. Der missbrauch der mathematik in diesem schmierenartikel eines tumben sympathisanten des menschenverachtenden us-kapitalismus besteht nun darin, die zahlen nachzurechnen und auf das ergebnis zu kommen, dass die imperialismuskritische folgerung falsch sei. Dabei unterstellt er auch noch ganz undifferenziert allen imperialismuskritikerInnen antiamerikanismus, obwohl jeder kritische denker gar nichts gegen amerikanerInnen hat, sondern nur gegen das gebaren des komplexes aus korrupten wirtschaftseliten, anarchofaschisten, religiösen fundamentalisten und countrymusikern, die dieses land und seine vorherrschende bevölkerung zu dem weltpolitischen monster machen, das es ist.

Wir wollen also das klassenbewusstsein von ingenieuren und mathematikern betrachten.

Siliziumdioxid, eine ausgesprochen profane verbindung, dient als referenzobjekt für das soziologische mass der religiosität, das ratzinger.

In der gesellschaftskritischen schrift Engineers of Jihad von der soziologischen fakultät oxfords, auf die uns genosse müller dankenswerterweise hingewiesen hat, wurde diese frage untersucht, weil an es den genossInnen soziologInnen schon immer so vorgekommen ist, dass andere ehr spinner sind als sie selber. Es heisst dort auf S.52, dass „ingenieure vier mal religiöser und konservativer als sozialwissenschaftlerInnen (11.0) und drei mal religiös-konservativer als leute in künsten und geisteswissenschaften sind (14.3%).“ Religiosität kann man durch eine halbwillkürliche punktevergabe anhand eines suggestiven fragebogens mit einer handvoll grob angeordneter antwortmöglichkeiten so exakt wie metrische physikalische größen (länge, masse, geschwindigkeit) messen. die aussage, ingenieure seien vier mal religiöser, macht also sinn. Die einheit für religiosität ist nämlich das ratzinger. Null ratzinger ist die religiosität von 1g siliziumdioxid bei 0°C und normaldruck. 100 ratzinger sind die religiosität von 1l weihwasser. Gott selber hat auf dieser skala übrigens eine religiosität von unendlich Ratzingern. Da eine unendliche religiosität kein mensch aushalten kann (er würde sich zu tode beten), kann gott wissenschaftlich bewiesen nicht existieren.

Der befund aus der hochseriösen studie läßt zweierlei erschreckende interpretationen zu: Entweder sind ingenieure tatsächlich religiös, oder sie haben weder unrechtsbewusstsein noch soziale sensibilität dafür, was für ein gesellschaftsgefährdenden unsinn sie glauben. Die soziologInnen aus oxford ziehen letzters gar nicht in betracht. Es ist ja auch absurd, dass leute, die lieber mit technischen dingen als mit künstlerInnen, schriftstellerInnen, gesellschaftlichen milieus oder mandantInnen arbeiten, weniger auf politisch verantwortliche meinungsäußerung trainiert seien. Damit ist klar: Ingenieure sind anfällig für mystizismus. Eine bestürzende selbstoffenbarung eines kommentators ano nym (klingt vietnamesisch, der name) bringt es auf den punkt:

„das Ingenieusstudium sagt mir gerade deswegen zu, weil es faktisch ist und es keine Meinungen gibt. Hier wird blanke Wahrheit in Naturwissenschaft und Technik gelehrt. Es gibt einfach keinen Grund zur Diskussion und das liebe ich so daran. Was mathematisch nicht korrekt ist, wird verworfen. Vor allem glaube ich an den einzigen Schöpfergott.“

Keine kritik, keine religionskritik, keine gesellschaftskritik! Blinde mathematikgläubigkeit und dogmatismus statt moderner dialektik. Ein hinterfragen sozialrepressiver ideologien ist so unmöglich. Die wurzel des übels liegt also in der mathematik. Bei dieser erkenntnis werden wir nächste woche fortsetzen.

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