Bluthildes Direktiven 3

Posted on April 16, 2010 von

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»… Es gilt, die Kinder von dem rohen Einfluß der Familie zu befreien. Wir müssen sie … nationalisieren. Von den ersten Lebenstagen an werden sie unter dem segensreichen Einfluß der Kindergärten und Schulen stehen … Die Mutter zu bewegen, uns, dem Sowjetstaat, das Kind zu überlassen, das soll unsere praktische Aufgabe sein.«

Vladimir Sensinow, »Die Tragödie der verwahrlosten Kinder Rußlands«, Zürich/Leipzig 1930

Es ist nicht ganz klar, warum die Genossen des Ministeriums für Volksbildung dieses wichtige Werk von Sensinow 1953 auf die Schwarze Liste gesetzt haben; wahrscheinlich waren sie vom trotzkistischen Entstalinisierungs-Fieber erfaßt. Heute jedenfalls hat wieder ein Umdenken eingesetzt und man besinnt sich auf die sozialistischen Prinzipien ganz um Sinne Sensinows: Wie die Reconquistadoren vermelden, forderte laut »Morgenpost« Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) mehr Investitionen in Betreuungseinrichtungen und den Ausbau von Ganztagsschulen. Dafür solle das Kindergeld um die Hälfte gekürzt werden. Eltern seien oftmals nicht mehr in der Lage, ihre Kinder zu erziehen, da sei der Staat gefordert, so Buschkowsky. Aber auch die andere sozialrevolutionäre Partei hat die Entwicklung nicht verschlafen und wirbt in ihrem Grundsatzprogramm »Freiheit und Sicherheit« für eine Kindergartenpflicht.

All dies sind wichtige Schritte, um das durch die überstürzte Entstalinisierung der 50er Jahre verlorene Terrain in Bezug auf die Verstaatlichung der Kinder wieder gutzumachen. Bluthilde wird Herrn Buschkowsky im Auge behalten und gegebenenfalls für den Rotbannerorden vorschlagen.

Dr. Konrad Adam hat Sensinow und die Parteien der Nationalen Front offensichtlich bestens verstanden und schreibt dazu:

Offenbar betrachten die Familien- und Schulpolitiker der Unionsparteien Eltern als das, was sie für die Linke schon immer waren: als Laien und Dilettanten, die von Erziehung keine Ahnung haben und deshalb von den Fachleuten, die in der Politik den Ton angeben, an der Hand genommen, gegebenenfalls auch entmündigt werden müssen.

Richtig. Nur so kann der Neue Mensch geschaffen werden, wenn den Eltern endlich die Illusion genommen wird, daß sie über die materielle Erzeugung von Nachwuchs hinaus auch noch irgendwelchen Einfluß auf diesen nehmen dürften. In einer Volksrepublik gehört das Volk – und ganz besonders das Jungvolk – schließlich der Republik.

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