Die Wissenschaft von der Wissenschaft · Teil 1

Posted on April 19, 2010 von

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In seinem Artikel über den Mißbrauch der Mathematik hat der Genosse Politbuerokrat eine falsche, technokratische Wissenschaftsauffassung gegeißelt, die sich durch »blinde Mathematikgläubigkeit und Dogmatismus statt moderner Dialektik« auszeichnet. Eine solche bürgerliche »Wissenschaft« unterliegt dem ideologischen Fehler, Dinge ergebnisoffen – also ohne klare Planvorgaben und Prämissen – erforschen zu wollen und ist daher letztlich ziel- und damit auch wertlos.

Auch in Bezug auf planwirtschaftlich durchdachte Wissenschaft zeigt sich die Wahrheit des bewährten Spruches

»Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen.«

Hier ist es der sowjetische Genosse Lyssenko, der das Vorbild aller fortschrittlichen Wissenschaft ist, ja nach dem sozusagen die »Wissenschaft von der Wissenschaft« benannt wurde: Der Lyssenkoismus. Das Lexikon proletarischen Grundwissens schreibt dazu anerkennend von der »Unterordnung wissenschaftlicher Erkenntnis unter die Wunschvorstellungen der Politik« und vermerkt an anderer Stelle: »Wer den Ausdruck heute benutzt, meint im breiteren Kontext die Kontrolle der Wissenschaft durch die Politik.«

Richtig. Denn wie schon Genosse Lenin festgestellt hat, daß Vertrauen zwar gut sei, Kontrolle aber besser, so muß dies natürlich auch ohne Ausnahme für die Wissenschaft gelten, die ohne parteiliche Kontrolle schnell auf Abwege gerät, wie der Genosse Politbuerokrat dankenswerterweise zum Auftakt seiner Artikelserie über den Mißbrauch der Mathematik bereits festgestellt hat. Schließlich ist es nicht die Wissenschaft, die immer recht hat, sondern die Partei mit ihrer wissenschaftlichen Weltanschauung.

Halten wir uns deshalb für einen Augenblick bei den Forschungen des Genossen Lyssenko auf. Hierzu wieder das obenzitierte Lexikon (gekürzt um Passagen mit unklarem Klassenstandpunkt):

Im Jahre 1931 verabschiedete das Zentralkomitee der KPdSU eine Resolution, wonach innerhalb weniger Jahre alle in der UdSSR angebauten Getreidearten in vielfältiger Weise verbessert und zugleich an alle Anbaugebiete angepasst werden sollten. Auf der Konferenz der sowjetischen Akademie der Landwirtschafts-Wissenschaften 1936 trat der Agrarwissenschaftler Trofim Denissowitsch Lyssenko, der damals am Allunionsinstitut für Genetik und Zuchtverfahren in Odessa tätig war, auf und kündigte an, die veranschlagten Ziele mittels unkonventioneller Methoden in sehr kurzer Zeit erreichen zu können. Lyssenko verwarf die herrschende Lehre in der Genetik und behauptete, es gebe gar keine Gene und man könne verschiedene Getreidesorten durch geeignete Kulturbedingungen ineinander umwandeln. Dabei wurde er unterstützt von Josef Stalin, der ihn öffentlich lobte und protegierte.

So muß sozialistische Wissenschaft sein: Die Partei gibt ein Ziel vor, die Wissenschaft greift es auf, setzt sich bei seiner Verfolgung beherzt über kleinbürgerliche technokratische Dogmen hinweg und kann sich im Gegenzug der vollen Unterstützung der Partei sicher sein. Lyssenko fand also planmäßig und weisungsgemäß heraus, daß Eigenschaften von Kulturpflanzen durch Umweltbedingungen beeinflußt werden können und diese veränderten Eigenschaften fortan vererbt würden. Er entdeckte sogar, daß Weizenpflanzen zu Roggen degenerieren, wenn das Wetter nur schlecht genug ist. Wie viele geniale Männer war er seiner Zeit weit voraus; erst heute wissen wir, wie recht er hatte, inzwischen ist ja sogar bekannt, daß Tätowierungen weitervererbt werden.

Durch die konsequente Anwendung der lyssenkoschen Entdeckungen in der sowjetischen Landwirtschaft, später auch während des »Großen Sprungs« des chinesischen Brudervolkes, konnte sich die Partei einer Unzahl möglicherweise feindlich eingestellter Landesbewohner entledigen, und dies ohne einen einzigen Schuß abgeben zu müssen. Noch in den sechziger Jahren konnte durch die Drosselung der Obst- und Gemüseproduktion nach Vorgaben des verehrten Lehrers des Genossen Lyssenko, I. W. Mitschurin, erreicht werden, daß der Bevölkerung des gesamten Ostblockes die Dekadenz westlicher Überproduktion erspart blieb.

Aber auch im einundzwanzigsten Jahrhundert kann die Wissenschaft teilweise auf ein fruchtbares Wirken im Dienste der Partei zurückblicken, und keine Institution hat das lyssenkosche Prinzip der Produktion wissenschaftlicher Ergebnisse nach exakten politischen Planvorgaben eindrücklicher umgesetzt als das IPCC. Während die Planvorgabe für die Wissenschaft im 20. Jahrhundert in der Stützung des Darwinismus durch den Nachweis der Vererbung durch Umwelteinflüsse erworbener Eigenschaften lag, so lautet die Vorgabe für die heutige Wissenschaft, einen Zusammenhang zwischen CO2-Emission und Klimawandel als unumstößliches Dogma in der menschlichen Gesellschaft zu verankern. Glanzstück der wissenschaftlichen Arbeit des IPCC ist die wegen ihrer volkspädagogischen Eingängigkeit berühmte Hockeystick-Kurve, und hier zeigt sich, daß das Zusammenspiel von Politik und Wissenschaft immer noch in bester sowjetischer Art funktioniert, denn selbst heute, wo diese wunderschöne Kurve durch schnöde technokratistische Zahlenwerke in Frage gestellt wird und kein Wissenschaftler mehr daran erinnert oder damit in Zusammenhang gebracht werden will, bleiben sämtliche politischen Maximen in Kraft, die seinerzeit aus der Kurve abgeleitet wurden. Und dies muß natürlich auch so sein! Haeckels Folgerungen von der »Ontogenese als verkürzter Phylogenese« wurden ja schließlich auch nicht aus den Lehrplänen entfernt, nur weil er die zugrundeliegenden Embryonendarstellungen gefälscht lyssenkoistisch gestaltet hatte.

War es im zwanzigsten Jahrhundert die auf streng wissenschaftlichem Wege herbeigeführte Nahrungsmittelverknappung, durch welche die nötige Reduktion der Bevölkerungszahlen herbeigeführt wurde, so ist dies im einundzwanzigsten Jahrhundert nicht so leicht möglich, weil das Gros der Bevölkerung notfalls auf Jahre hinaus von den jeweiligen persönlichen Fettreserven* zehren könnte. Deshalb ist das heutige Mittel zur politisch gewollten Bevölkerungsreduktion die systematische Energieverknappung, die wiederum nur durch die Klimawissenschaft herbeigeführt werden kann. Nun endlich werden auch die Waffen geschmiedet, die notwendig sind, um Klimaleugner als Volksschädlinge ihrer gerechten Bestrafung zuzuführen. Diesmal werden diese Kulaken aber nicht Kanäle bauen, sondern bis zu ihrem Ableben in riesigen Laufrädern ökologischen Strom produzieren, danach in Biogasanlagen.

In diesen Gesamtzusammenhang ist auch die Duldung der nuclearen Bewaffnung des Irans durch die Partei einzuordnen. Es hat sich nämlich erwiesen, daß die großen etablierten Gesellschaften zwar über das technische Potential, aufgrund ihrer demokratistischen Lähmung aber nicht über das revolutionäre Potential verfügen, einen anständigen Atomkrieg vom Zaun zu brechen. Konventionelle Kriege sind aber wegen der massenhaft zum Einsatz gebrachten Explosivstoffe auf der Basis fossiler und damit nicht erneuerbarer Ressourcen unter dem Aspekt des Klimaschutzes schlicht unverantwortlich. Das erwiesene revolutionäre Potential des Iran könnte also bei nuclearer Bewaffnung desselben die kritische Masse erzeugen, die nötig ist, die seit dem sog. »Kalten Krieg« festgefahrene politische Patt-Situation aufzubrechen und eine effektive, gleichzeitig aber möglichst klimaneutrale Bevölkerungsreduktion einzuleiten, wobei auch die Impulse für die Bekämpfung des Weltzionismus nicht zu unterschätzen sind. All dies haben die Genossen in Moskau, Washington und Peking im Hinterkopf bei ihrer Politik der duldenden Unterstützung Teherans.


* Die uns zumindest rein äußerlich dem wichtigen Ziel der Schaffung des androgynen Menschen näherbringen.

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