Deine Steuergelder bei der Arbeit, Teil 2

Posted on April 26, 2010 von

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Wie Genosse Tisch dankenswerterweise gestern schon in Teil 1 dieser Artikelserie herausgestellt hat, muß sich der Eurostalinist keine Sorgen darum machen, daß seine Steuergelder in der EUdSSR für reaktionäre Zwecke mißbraucht werden könnten. Getreu der Devise »Aus jedem Euro, jeder Stunde Arbeitszeit, jedem Gramm Material einen höheren Nutzeffekt« wird buchstäblich jeder Euro effektiv und nutzbringend eingesetzt, sei es für gendergerechte Sprachpflege, ehrgeizige Agrarprojekte, für die Bekämpfung des Weltzionismus, zur Rettung sozialistischer Bruderländer, die von den Faschisten in eine völlig unverschuldete Notsituation gebracht wurden oder sozialistischer Großbetriebe sowie für den Auf- und Ausbau der tschekistischen Arbeit in der EUdSSR.

Auch zur Überwindung von Relikten bürgerlichen Denkens, wie zum Beispiel der Presse- und Meinungsfreiheit, werden nicht unerhebliche Mittel aufgewandt. So echauffierte sich vor einiger Zeit neidvoll die bürgerliche Presse (die wohl von dem Kuchen nichts abbekommen hat) darüber, daß die zuständigen Organe der EUdSSR systematisch öffentlich-rechtliche und private Fernseh- und Rundfunkanstalten mit Millionenbeträgen dazu bewogen haben, EU-freundliche Berichte herzustellen und über die Sender laufen zu lassen und kritische Berichterstattung zu unterlassen. Ja, meine Herren von der F.A.Z.! Wir leben nun mal in einer Übergangsphase, und die Revolution ist einfach noch nicht soweit, daß man kritische Journalisten einfach an die Wand stellen könnte, abgesehen davon, daß Ihnen das vielleicht auch wieder nicht recht gewesen wäre. Da muß man halt während dieser vorrevolutionären Zeit einstweilen noch mit Geld nachhelfen. Andere Länder, das muß man selbstkritisch anmerken, sind da freilich schon einen Schritt weiter. Aber immerhin: Die Prinzipien verantwortungsvoller sozialistischer Berichterstattung werden Schritt für Schritt auch in der EUdSSR beachtet. So, wie wir letztens schon nachgewiesen haben, daß eine Wissenschaft wertlos ist, die keinen klaren väterlichen Zielsetzungen des Politbüros unterliegt, ist es auch offensichtlich, daß sozialistischer Journalismus klare Vorgaben der Partei der Arbeiterklasse benötigt. In vorbildlicher Weise haben die zuständigen Organe die teilnehmenden Journalisten schließlich nicht nur durch die genannten Zuwendungen motiviert, sondern auch dadurch, daß diesen von vornherein klargemacht wurde, daß ihre Arbeit für das Wohl des Volkes und den Frieden von tschekistischen Mentoren begleitet würde, die den Auftraggebern in Partei- und Staatsführung schließlich einen Bericht vorlegen würden, der den klaren Klassenstandpunkt der Beiträge und ihrer Verfasser einer harten, aber gerechten Prüfung unterwerfen würde.