Keine Kriminalisierung des Widerstands! Keine Überreaktionen! (updated)

Posted on Mai 6, 2010 von

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Wie zu erwarten war, schießt die für ihre extreme Rechtslastigkeit bekannte bürgerliche Presse in Deutschland und Europa nach dem Zwischenfall in der Marfin-Egnatia-Bank in Athen aus vollem Rohr gegen den berechtigten antifaschistischen Protest der kritischen Jugend in Griechenland. Rufe nach „Null Toleranz“ werden laut – als hätte gegenüber humanistischen, linksalternativen Kräften in unseren Breiten je Toleranz gegeben – und es ist mit einem extrem harten Vorgehen der Staatsmacht zu rechnen: Gerüchten zufolge sollen bereits drei neue Planstellen für SozialarbeiterInnen ausgeschrieben worden sein, um gegen den Widerstand der Jugendlichen vorzugehen.

Nachdem bereits vor einem Jahr ein Jugendlicher der griechischen Polizeigewalt zum Opfer gefallen war, nur weil er für den Physikunterricht die Wirkung eines Betonsockels auf die Scheibe eines Polizeiwagens ausprobieren wollte und die darin befindlichen Beamten nicht rechtzeitig den Weg aus dem Auto fanden, war es klar, dass die Menschenverachtung, die dem Kapitalismus innewohnt, gerade angesichts der faschistischen Sparpakete Protest herausfordern würde.

Kritische Jugendliche protestieren friedlich gegen Polizeigewalt, Ausbeutung, Entsolidarisierung, Globalisierung und Erderwärmung - das brutale Vorgehen der Einsatzkräfte zeigt nur einmal mehr den faschistischen Charakter des kapitalistischen Systems

In einer solchen Situation war es auch klar, dass die Polizeipräsenz und das zusätzliche, unmotivierte In-der-Gegend-Rumstehen eines Bankgebäudes die kritischen und zu Recht aufbegehrenden Jugendlichen provozieren würde. Zu allem Überfluss rückten die Rettungskräfte auch noch an, um sich um die unsolidarischen Streikbrecher im brennenden Bankgebäude zu kümmern, statt mit den Jugendlichen das Gespräch über deren soziale und sexuelle Befreiung zu suchen.

Die Todesopfer gestern gehen also allein auf das Konto des Kapitalismus, der Polizei, des Baugewerbes, das es unterlassen hatte, rechtzeitig vor Ausbruch der Proteste die Bankgebäude in der Stadt abzureißen und der betroffenen Bankangestellten selbst, die ja im Bewusstsein, dass die Gewerkschaften zum Generalstreik aufgerufen hatten, dennoch regulär ihre fremdbestimmte Arbeit angetreten hatten.

Update: Wie es aussieht, können – so der österreichische Qualitätssender ORF – nicht einmal mehr Sabotagemanöver eingeschleuster Agenten ausgeschlossen werden, die von CIA, Zionisten und Kapital gesteuert werden und beauftragt sind, die friedliche Protestbewegung zu infiltrieren. Von daher musste offenbar sogar jener Zwischenfall von Athen, zu dem die Kapitalisten den antifaschistischen Widerstand provozieren wollten, von deren Agenten selbst herbeigeführt werden – da die fortschrittlichen DemonstrantInnen so besonnen waren.