Medwedjew — ein chruschtschowistischer Geschichtsrevisionist?

Posted on Mai 11, 2010 von

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Die Siegesfeiern zum Jahrestag der Sieges im Großen Vaterländischen Krieg bringen es ans Licht: Wie die bürgerliche F.A.Z. berichtet, wird unter dem russischen Präsidenten Medwedjew wieder verstärkt an die Chruschtschowsche Linie angeknüpft, das Andenken des Genossen Josef Wissarionowitsch Stalin zu beschädigen. Dabei hatte es unter Putin hoffnungsvolle Ansätze gegeben, Stalins Rolle wieder positiver zu bewerten und seine Verdienste, persönlich die Sowjetunion industrialisiert und den Großen Vaterländischen Krieg gewonnen zu haben, wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen.
Heute aber ist es möglich, daß Journalisten den Präsidenten fragen können »ob es angehen könne, einen Tyrannen wie Stalin, der Verbrechen gegen das eigene Volk begangen habe, in einen Helden zu verwandeln, nur weil er an der Spitze des Landes gestanden habe, das den Faschismus besiegt habe«, ohne daß diese Journalisten sofort nach Sibirien verbannt werden. Stattdessen pflichtet ihnen der Präsident auch noch bei: »Medwedjew sagte weiter, Stalin müsse in seiner gesamten Wirkung gesehen werden. Das, was unter Stalin dem Volk angetan worden sei, könne niemals verziehen werden. Auch sei die Sowjetunion ein totalitäres System gewesen, eine Diktatur, die elementare Rechte und Freiheiten nicht nur der Bürger im eigenen Lande, sondern auch der Menschen in anderen Staaten unterdrückt habe.«
Selbst die Stalinplakate, die Veteranenvereine und der Moskauer Bürgermeister Luschkow zu den Maifeierlichkeiten in Moskau aufhängen wollten, hat Medwedjew verhindert, wegen vorgeschobener Vandalismusgefahr. Tatsächlich hatten Vandalen damit gedroht, neben den Plakten über Massenerschießungen, Arbeitslager und die stalinsche Ausrottung des größten Teiles der sowjetischen Armeeführung vor dem Krieg »aufzuklären«, sowie darüber, daß es schließlich die Sowjetunion war, die 1939 an der Seite der deutschen Waffenbrüder in den zweiten Weltkrieg eingetreten war, um sich gemäß Hitler-Stalin-Pakt den Osten Europas mit Hitler zu teilen. Weiß man in Moskau nicht mehr, wie mit solchen »Aufklärern« umzugehen ist? Auch gab es Befürchtungen, daß ausländische Staatsgäste ihre Teilnahme wegen der Stalinplakate absagen könnten. Einfach lächerlich! Kann irgendjemand sich wirklich vorstellen, daß z. B. die Mutter aller Hellenen und Größte Klimakanzlerin aller Zeiten (GröKKaz) wegen ein paar Stalinplakaten darauf verzichten würde, die Sowjetunion, das Mutterland aller fortschrittlichen Werktätigen zu besuchen, in das sie ja immerhin zum Studium delegiert war? Wenigstens in Wladiwostok läßt man sich nicht von solchen Rücksichten auf die Faschisten leiten und hat die Stalinbilder wie üblich aufgehängt. Und privat haben die Veteranen sowieso ihre Stalinikonenbilder in ihren heiligen Prozessionen bei der Siegesparade aufgeführt.
Medwedjew jedenfalls bezeichnete Stalin ohne Einschränkungen als Verbrecher. Immerhin: Auch er mußte zugeben, daß ohne die Sowjetunion »Europa zu einem großen Konzentrationslager geworden« wäre und das » freie, reiche und blühende Europa« seine Existenz eigentlich der Sowjetunion verdanke. Wenigstens zeigt sich Europa dankbar für die sowjetische Hilfe, zum Beispiel, indem es sowjetischen Firmen wie Gazprom uneigennützig einen der besten und fähigsten Staatsmänner zur Verfügung gestellt hat.

Trotzdem wird es Zeit, den Chruschtschowismus ebenso zu ächten wie den Trotzkismus.