Volkskirchen in die Volksfront!

Posted on Mai 29, 2010 von

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Nicht nur innerhalb des Zirkels schreibender Arbeiter hat kürzlich unser Beitrag zu einem im Kollektiv gebastelten Protestsong fortschrittlicher Jugendlicher aus der gegenüber der sozialistischen Weltrevolution linientreuen Diözese Linz gegen die reaktionäre Führung der Katholischen Kirche in Rom massives Aufsehen erregt.

Die unverlierbaren Zeilen, die ein Genosse namens unseres Kollektivs dazu beizusteuern wusste, ließen noch einmal die Augen feucht werden angesichts der überwältigenden Erinnerung an die Oden Johannes R.Bechers an Sozialismus, Partei und den Genossen Dschugaschwili (siehe auch oben), mittels derer dieser dereinst den Schatz proletarischen Kulturschaffens über die Zeiten fort zu bereichern wusste:

„Ich wünsch die Kirch mir kunterbunt,
wie die Lein` von meinem Hund,
und dass alles dort so sei
wie in den Armen der Partei.
Und sie soll so offen sein,
wie der A**** ihrer Lakai(e)n,
Mensch, denk, der Glaube ist nicht viel,
der Sozialismus ist das Ziel!“

Nicht nur bunt, sondern auch gendergerecht: Die Leine des Genossen Vorsitzenden unserer revolutionären Hundestaffel, des Staffordshire Terriers "Genosse Mao"

Auch wenn wir selbstverständlich den Aberglauben auf Grund unseres wissenschaftlichen Weltbildes von uns weisen, entspricht es eindeutig unserem Klassenauftrag, den kritischen und emanzipatorischen Erkenntnisprozess zu würdigen und zu unterstützen, der innerhalb der großen Volkskirchen vor allem in unseren Breiten immer stärker um sich greift.

Dieser wird über kurz oder lang unweigerlich dazu führen, dass die mit dem Staat durch Konkordate, Kirchensteuersysteme und staatskirchenrechtliche Vereinbarungen verbundenen Kirchen eines Tages so weit durch unsere fünfte Kolonne unterwandert sein werden, dass sie – auch dort, wo sie es bis heute noch nicht sein sollten – am Ende Teil der antifaschistischen Volksfront für die sozialistische Weltrevolution sein werden.

Strategisch betrachtet werden sich viele GenossInnen nun fragen, was denn nun richtig ist: Radikale, sachlich substanziierte und auf höchstem Niveau vorgetragene Kritik wie etwa kürzlich seitens der GenossInnen vom Bund für Geistfreiheit anlässlich des Ökumenischen Kirchentages oder bereits in früherer Zeit von antikreationistischen und auf dem Boden moderner Wissenschaft stehender Publikationen zu üben und die Trennung von Kirche und Staat zu fordern? Oder diese Kritik nur noch in dosierter Form üben, um nicht der fünften Kolonne innerhalb der Kirchen noch zusätzlich die Arbeit zu erschweren? Hat nicht die Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirchen erst den fortschrittlichen Kräften die Unterwanderung Letzterer wesentlich erleichtert, zumal vom Staat unterhaltene Kirchen weniger vom Geld der Reaktion abhängig sind als solche, die sich selbst finanzieren müssen?

Dazu ist eindeutig zu sagen: Das eine schließt das andere nicht aus, vielmehr ist die radikale Kritik des Aberglaubens auf der Basis des wissenschaftlichen Weltbildes geradezu die Voraussetzung für die Arbeit der fünften Kolonne und übt eine Schrittmacherfunktion von außen aus, die das Wirken der GenossInnen innerhalb der Kirchen erst anzutreiben weiß.

Die betont sachliche und auf höchstem Niveau angesiedelte humanistische Kritik am Aberglauben beflügelt auch die fortschrittlichen Kräfte innerhalb der Volkskirchen

Wir proletarische SozialistInnen halten nichts von anerzogenen bürgerlichen Hemmungen, wie sie dem typischen Sproß aus christlichen Familien eigen sind. Das – nicht an willkürlichen und von Bigotterie geprägten, reaktionären Vorurteilen wie „manierliche Umgangsformen“ ausgerichtete – offensive Auftreten der fortschrittlichen Kräfte bewirkt in aller Regel eine Einschüchterung und in der Folge ein Zurückweichen der religiösen Spinner im öffentlichen Raum. Der militanten und vom Bewusstsein, das einzig moralisch Gute – weil dem Gesetz der Geschichte zum Wohle der Menschheit zum Durchbruch verhelfende – zu tun, getragenen Entschlossenheit unserer GenossInnen haben vor allem diejenigen unter den Reaktionären nichts entgegenzusetzen, die ohnehin durch die permanente Aufklärungs- und Bewusstseinsbildungsarbeit im sozialistischen Pflichtschulsystem und in den Medien in ihrem Aberglauben verunsichert sind.

Auch darf man den Hang zum Opportunismus und das Streben nach Konformität und Ruhe nicht unterschätzen. Als würde der Aberglaube wirklich in diesem Punkt Recht haben, ist das Handeln der meisten Pfaffen wie auch des gemeinen Fußvolkes von dem getragen, was bei ihnen selbst als das gilt, woran wir nicht glauben und was man uns deshalb nicht zum Vorwurf machen kann: nämlich Sünde. Und so kommt es, dass uns vor allem innerhalb der Volkskirchen nicht nur die Basis, sondern auch weite Teile des Klerus wie reife Früchte in die Hände fallen, weil ihnen einfach das Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung wichtiger ist als das Leben im Einklang mit dem, woran sie nach dem Willen ihrer Gemeinden und ihrer Familien glauben sollten. Denn je fortschrittlicher eine Gesellschaft Dank der proletarischen Bewusstseinsbildungsarbeit ist – und in unserem Lande ist diese sehr intensiv – umso stärker ist diese (und wenn es auch bloß ab und an eine gefühlte sein mag) gesellschaftliche Anerkennung von der Einnahme eines fortschrittlichen Standpunktes abhängig.

Und hier kommt die Rolle des sozialistischen Staates ins Spiel, der für das Gemeinwohl sorgt: Er gewährleistet, dass Schulbildung und Gesundheitsversorgung gratis bleiben, die fortschrittlichen gesellschaftlich relevanten Kräfte wie wir und unsere zahlreichen Anhänger in den Medien sorgen dafür, dass auch Mut gratis bleibt – sogar für Angehörige der nominell immer noch dem Aberglauben verhafteten Volkskirchen.

Der Erfolg gibt uns Recht: Es ist nicht nur so, dass Kritik am Papst und den gängigen Lehrmeinungen der Katholischen Kirche öffentliche Aufmerksamkeit, Ruhm und die Verwirklichung des dereinst von Andy Warhol eingeforderten Rechts für Jedermann garantiert, in seinem Leben für 15 Minuten ein Star zu sein – nein, mittlerweile gehen selbst Würdenträger im Zweifel mit uns und nicht mit der Institution konform, deren Lehre sie vertreten sollen. Und das sogar bis in die höchsten Stellen des Vatikan

Die Evangelische Kirche ist dabei im Regelfall noch weiter. Über die Genossin Käßperson und andere linientreue GenossInnen aus den Reihen der Landeskirchen hatten wir ja bereits mehrfach ausführlich berichtet. Unsere verdiente Informelle Mitarbeiterin „IM Musikant“ aus der Freien und Hansestadt Bremen machte uns in diesem Zusammenhang aber auch auf einige andere Sachverhalte aufmerksam, die wir im Laufe der nächsten Wochen eingehend aufarbeiten werden und die noch einmal unterstreichen, dass die Forderung nach „Trennung von Kirche und Staat“ gar nicht mal immer im Sinne der revolutionären Kräfte sein muss – insbesondere dann, wenn eine fortschrittliche Aktionseinheit der kirchlichen und weltlichen Revolutionäre besteht, die den Klassenstandpunkt der Arbeiterklasse zur gemeinsamen Basis hat – wie zum Beispiel hier, wo die Partei höchstselbst fordert, die Kirche möge ihren Einfluss in weltlichen Angelegenheiten geltend machen.

Bis auf wenige Bremser finden sich immer mehr kirchliche Würdenträger, die in entscheidenden Gegenwarts- und Zukunftsfragen wie Klimaschutz, Umverteilung, Kapitulation vor den Taliban, Antiimperialismus, Antizionismus und Kampf gegen Rechts voll auf unserer Linie sind. Das mit der befreiten Sexualität und der Reproduktionsfreiheit kriegen wir zweifellos irgendwann auch noch mal hin – bei GenossInnen wie Käßperson oder Jepsen ist ja bereits jetzt weitgehend Einigkeit mit uns hergestellt.

Trennung von Kirche und Staat ist nur dort vonnöten, wo die Kirchen noch nicht ihr 1968 erlebt haben sollten - dort, wo es schon stattgefunden hat, sind es keine Kirchen mehr, sondern Nebenorganisationen der Partei

Ein Beispiel, das illustriert, dass es auch Fälle gibt, in denen fortschrittliche Geistlichkeit sogar dem im Aufbau befindlichen sozialistischen Staatswesen weit voraus sein kann, ist jedenfalls der ehrwürdige Genosse Wolfgang Schiesches, über den bereits im Jahr der erstmaligen Ankunft menschlicher Intelligenz auf dem Gebiet Westdeutschlands, also 1968, berichtet hatte, dass er seine Huchtinger Kirchengemeinde zu einem Volksheim der proletarischen Revolution umfunktioniert hatte.

An seinem strategischen Credo nimmt sich mittlerweile sogar die CDU ein Beispiel, indem sie ihrem Stammpublikum den Stinkefinger entbietet und sich vom Wind des Zeitgeistes tragen lässt: „Wir verprellen ganz bewußt die Kirchentreuen. Da verlieren wir in Bremen zwei Prozent. Aber mit den 98 Prozent Kirchenfremden läßt sich schon eine aktive Gemeinde auf die Beine stellen.“

Die Krönung seines proletarischen Kulturschaffens dürfte dabei ein Event an der Bremer Uni sein, über die ein Blog der GenossInnen von der taz berichtet:

„Die Redaktion von “Der Rote Hausmeister” dachte sich zu ihrer Auswechsel-Aktion, die als Seminarschein anerkannt wurde, aus, dafür den anarchistischen Bremer Pfarrer Schiesches aus Huchtingen einzuladen. Er sollte einige Glühbirnen- und Neonröhren-Filme zeigen und kommentieren – und das im Rahmen eines offenen Seminarraum-Festes. Dies klappte auch – insofern er gleich zu Beginn jede Menge Sekt und Prosecco ausschenkte. Statt der FM-Lehrfilme zeigte er dann jedoch Kurzpornos, in denen junge Frauen sich von Schäferhunden die Möse lecken ließen. In einer Pause auf den Irrtum hingewiesen, nahm der Anarchopfarrer kurzerhand eine Sektflasche und ließ den Korken knallen. Dieser flog an die Decke – und durch die Lamellen einer Deckenleuchte, wobei die Neonröhre zersplitterte – und sich ein Glasregen auf die Seminarteilnehmer da drunter ergoß. Sie waren aber bereits derart angeheitert, dass sie nur johlten – und zwar so fröhlich, dass Schiesches gleich die nächste Flasche nahm und dann die übernächste… – bis alle Neonröhren im Seminarraum zerstört waren (sie sollten aber ja ohnehin von unserem Blogseminar ausgewechselt werden). Einer der vier Göttinger Mescaleros, der inzwischen nach Bremen zurückgekehrt war (und später leider Selbstmord beging), bezeichnete diesen Praxisanteil des Seminars und namentlich Schiesches Zerstörungslust danach gegenüber der Unileitung als eine “gelungene Performance – insofern sie doch einiges verdeutlicht” habe.

Beim Theorieteil “Drogen teilen und (be)herrschen” ging es in Sonnemanns Hausmeisterseminar genaugenommen bloß um die doppelte Buchführung beim Dealen mit Schulverpflegung – von Milch (in Tetrapacks der schwedischen Familie Rausing) und Kakao bis zu Aspirin, Drum-Tabak, Blättchen und kleineren Mengen Haschisch. Es war also eine Art VWL/BWL-Kurs, der jedoch eng an Francois Lyotards “Economie Libidinale” orientiert war. Wie danach der Praxisanteil aussah, kann man sich denken.“

Der Genosse Wolfgang Schieses tanzte leider nur wenige Sommer. Der faschistische Kapitalismus wollte unbequemes Aufbegehren dieser Art nicht dulden und heute fristet er ein karges Dasein, in dem die Erinnerung an die glorreichen Jahre der Kulturrevolution das Einzige sein dürfte, was ihm bleibenden Halt zu geben vermag.

Mag sein beherztes Beispiel uns aber Mut machen, auf dem Weg zur Weltrevolution die Volkskirchen konsequent in die sozialistische Volksfront einzubinden, denn abseits von ihnen findet sich – wie schändliche Beispiele, etwa das Christival oder Freakstock zeigen – noch genug Aberglaube, der – gesteuert von Yankees und Zionisten – die Entschlossenheit und Solidarität der Ausgebeuteten und Unterdrückten im antiimperialistischen Kampf schwächen soll.