Junkerland in Bauernhand

Posted on Juni 5, 2010 von

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»Junkerland bleibt in Bauernhand. Basta.«

In diesem Jahr begeht das fortschrittliche Deutschland den 65. Jahrestag der demokratischen Bodenreform und Bluthilde feiert mit. Dabei erfüllt es jeden Genossen mit Stolz und Freude, daß die Ergebnisse der Bodenreform und der anschließenden Kollektivierung im wesentlichen bis heute Bestand haben. Und auch wenn jetzt viele die Nase rümpfen werden: Es ist Zeit, endlich einmal auch solchen Genossen in den Blockparteien »Danke« zu sagen, die vielleicht nicht immer an vorderster Front unserer sozialistischen Bewegung gestanden haben, die aber trotzdem einen unschätzbaren Beitrag dafür geleistet haben daß wir heute in einem wiedervereinigten sozialistischen Deutschland leben dürfen, so, wie der Genosse Ulbricht sich immer die Wiedervereinigung erträumt hat, die er nun leider nicht mehr miterleben durfte. Die Rede ist von den Genossen Kohl und Weigel, die für die Durchsetzung der Beibehaltung der Bodenreform nach 1990 sogar riskiert haben, daß ihre bürgerliche Tarnung auffliegen könnte. Aber die Sache war zu wichtig, um in der Deckung zu bleiben. Denn zu einem wiedervereinigten sozialistischen Deutschland gehört eben nicht nur, daß die SED im Bundestag und in den Landesparlamenten sitzt, daß jeder freien Zugang zu Abtreibungen hat, daß das Kanzleramt fest in der Hand der FDJ ist und die sozialistische Presse kein gutes Haar an den Zionisten läßt, dazu gehört, wie Marx gelehrt hat, vor allem das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln, vor allem an Grund und Boden.

Gerade weil vor zwanzig Jahren die Zeit für die Verstaatlichung von Opel, Commerzbank und anderen systemrelevanten Unternehmen noch nicht reif war, mußte wenigstens peinlich darauf geachtet werden, daß die Junker nicht wieder nach dem sozialistischen Grund und Boden greifen. Und hier kann man den Dienst, den Helmut Kohl der sozialistischen Sache geleistet hat, gar nicht hoch genug einschätzen. Denn die Alteigentümer saßen ja schon in den Startlöchern, die Ewiggestrigen, die all die Jahrzehnte an die Wiedervereinigung geglaubt hatten und bereit waren, wie Heuschrecken über die DDR herzufallen um dort nicht nur ihre kapitalistische Wirtschaftserfahrung, sondern auch all ihre Ersparnisse in die maroden Betriebe ihrer Eltern und Großeltern zu investieren. Dies mußte um jeden Preis verhindert werden und wir können heute mit Stolz und Freude sagen: Es wurde beim Aushandeln des Einigungsvertrages auch verhindert dank der Wachsamkeit des Genossen Kohl und der anderen Genossen auf beiden Seiten des Verhandlungstisches.

Selbst wenn einige Junker mitunter kleine Teile aus ihrem teilweise seit vielen Jahrhunderten angestammten Familienbesitz zurückkaufen (!) konnten, bleib das LPG-System im großen und ganzen doch erstaunlich intakt. Selbst der Klassenfeind muß anerkennen: Das meiste Agrarland im Osten ist heute in der Hand der neuen, der sozialistischen Junker, der alten DDR-Agrarkader. Nie wieder wird Feudalismus von deutschem Boden ausgehen, und wenn schon, dann wenigsten kein kapitalistischer, sondern nur sozialistischer Feudalismus.

Lediglich das Bundesverfassungsgericht hätte vielleicht durch seinen altmodischen Eigentumsbegriff der Sache noch gefährlich werden können, aber das konnte ruhiggestellt werden durch den Hinweis, daß man nur durch das Festhalten an der Bodenreform den Russen die Zustimmung zur Wiedervereinigung abhandeln konnte. Zu dumm, daß Gorbatschow sich später nicht mehr an dieses kleine Detail erinnern konnte, aber das sind Kleinigkeiten im großen Politikgetriebe, Kleinigkeiten jedenfalls im Vergleich zu den sechshundert Milliarden Mark, die die Bundesrepublik aus den Verkaufserlösen des 1945/46 enteigneten Landes zu erlösen gedachte. Damals, vor zwanzig Jahren – die älteren werden sich noch erinnern – waren sechshundert Milliarden im Gegensatz zu heute nämlich noch eine Menge Geld, mit dem man viel hätte anfangen können und nicht so ein lächerliches Trinkgeld wie heute, das man immer mal seinem netten Banker oder dem freundlichen Kassierer des griechischen Restaurants überläßt.

Freilich gibt es auch in den fortschrittlichen Blockparteien der Nationalen Front bis heute noch solche, die den Schuß der Aurora nicht gehört haben und altmodischen Ansichten über Recht, Treu und Glauben anhängen und denen deshalb das rechte Verständnis fehlt für die historische Mission der Arbeiterklasse:

Aber das kann den Zug nicht mehr aufhalten, der längst unterwegs ist in eine lichte sozialistische Zukunft für das ganze Deutschland, ja für die ganze EUdSSR!

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