si vis ohropaces, para bellum!

Posted on Juni 11, 2010 von

16


Freiheit den gehörgängen!

Der spruch „si vis pacem, para bellum“ ist natürlich eine dieser lügenbehauptungen der imperialisten und der waffenlobby. „Wenn du Frieden willst, bereite dich zum Krieg vor.“ Dass hinter diesem spruch und dem produktnamen „ohropax“ ein falsches friedensverständnis liegt, soll hier herausgearbeitet werden.

In wahrheit bekommt ein land nämlich frieden, indem es aus dem imperialistischen kreislauf zwischen grossindustrieller waffenrüstung und aggressionen ausbricht. Beispielsweise hätten die usa niemals den vietnamkrieg, die panama-invasion, den libanonkrieg, den 2. golfkrieg, den somaliakrieg, den bosnienkrieg, den kosovokrieg, den afghanistankrieg und den irakkrieg gehabt, wenn sie nach dem sieg der sowjetunion über den nazifaschismus konsequent abgerüstet und sich ihr friedlich angeschlossen hätten.

Auch der nahostkonflikt wäre längst beigelegt, wenn die horrenden rüstungsausgaben, die die israelis tragen, nicht die palästinensische bevölkerung verarmen lassen würden. Durch die verarmung wird aber gerade die materielle grundlage für revolutionären widerstand gegen faschismus  –im falle des nahostkonflikts in der ausprägung des zionismus– gelegt.

Unser autorInnenkollektiv will dem proletarischen bewusstsein über die hauptantriebe des mechanismus der verelendung der massen, nämlich kapitalistische geldgier, militaristismus und patriarchalischem autoritarismus, die gier nach ruhe hinzufügen.

Wir alle kennen das ethische prinzip, dass dinge schädlich sind, wenn ihretwegen bereits menschen getötet worden sind. Beispielsweise ist religion wegen der toten der religionskriege schädlich oder der schutz des eigentums ist schädlich, weil seinetwegen viele revolutionäre kämpferInnen ermordet worden sind, als sie eine vergesellschaftung durchführen wollten. Auch wirtschaftliches profitstreben ist schädlich, weil bei arbeitsunfällen schon mal menschen umgekommen sind.

Jüngst hat sich gezeigt, dass auch das ruhehabenwollen schädlich ist, denn im letzten jahr hat ein gewalttäter zwei wehrlose rentnerInnen erstorchen, um den mief seiner ruhigen bürgerlichen familienidylle zu schützen. Offensichtlich ist ruhe in seiner gesellschaftlichen wirkung vergleichbar mit kapitalistischem profit. Die patriarchalische gesellschaftsstruktur verpflichtet männer, für ruhe und materielle versorgung ihrer familie zu sorgen. Dieser druck ist so gross, dass sie gewalt anwenden und sogar die allianz mit ihren eigenen ausbeutern eingehen (der messerstecher hatte zuvor beim vermieter seiner und der rentnerInnen wohnung eine abmahnung gegen die ruhestörerInnen erwirkt). Die ursache liegt in der religiösen verklärung der ruhe, der weltanschaulich ungefestigte menschen ausgesetzt sind (der messerstecher war türkischer abkunft, kein säkularisierter volksdeutscher, ein wichtiges detail, das uns die unbestechliche seite pi-news und die mittelbayrische verraten). Im koran heißt es z.B. in Sure 16 (V. 106):

„Diejenigen, die nicht an Allah glauben, nachdem sie gläubig waren – außer wenn einer (äußerlich zum Unglauben) gezwungen wird, während sein Herz (endgültig) im Glauben Ruhe gefunden hat, – nein, diejenigen, die frei und ungezwungen dem Unglauben in sich Raum geben, über die kommt Allahs Zorn, und sie haben (dereinst) eine gewaltige Strafe zu erwarten.“

Ruhe wird also als eine art göttliche belohnung für unterwürfiges verhalten etabliert. Eine vergleichbare bewusstseinsverfälschung ist auch in der bibel sichtbar. Dort wird zusätzlich die verbindung zwischen militantem eroberungsstreben –wie er im zionismus und anderen faschismen sichtbar wird– und ruhegier deutlich:

„Darum lasst uns ernsthaft besorgt sein, dass keiner von euch zurückbleibt, solange die Verheißung, in das Land seiner Ruhe zu kommen, noch gilt.“ (Heb. 4,1)

Es ist denn auch kein wunder, dass die imperialistischen bundeswehrsoldaten darauf verpflichtet werden, beim schiessen gehörschutz zu verwenden. Die einbindung in das system aus lügen, geld- und ruheversprechen beginnt sogar schon in der grundausbildung. Wesentlicher antrieb dafür ist, dass unmittelbare geräuscherfahrung notwendig für den revolutionären fortschritt ist und deswegen von der bourgeoisie vermieden wird. Denn schon Karl Kautsky hat analysiert:

„Sie [die bourgeoisie] hat von der Zukunft nichts mehr zu erwarten, sie fürchtet sie, sie will nichts als die Gegenwart genießen und diese soweit als möglich ausdehnen. Sie selbst hat kein Streben mehr, keinen Wunsch, als in ihrer Ruhe nicht gestört zu werden durch das Streben anderer, das heißt der Proletarier.“

Wir müssen also unsere politische aktivität auf ein verbot von geräuschdämmung, ohropax und anderem bürgerlichen mitteln akustischer wirklichkeitsverleugnung richten. „si vis ohropaces, para bellum“ soll deswegen als eine drohung an die bürgerlichen eliten sein, dass der letzte krieg, der krieg gegen den krieg nach mao insbesondere die unbelehrbaren ruhegierigen konservativen erfassen wird.

Da habe ich schon einen guten anfang gemacht. Als ich nämlich vorgestern vor der bildungsstreikdemo rasch ein werk von adorno in der universitätsbibliothek ausleihen wollte, habe ich eine studentin (da sie gerade studiert hat, nennt man sie nicht studierende sondern studentin) gesehen, die mit ohropax in den ohren über ihr buch gebeugt war.

Unser lautsprecherwagen. Ihn bitte nicht anzünden, er dient nur unverbrannt dem protest!

Ich habe sie dann angebrüllt, sie solle das ohropax rausnehmen, da sie sonst nicht unsere demo hören könne. Ob sie in ihrer faschistoidität will, dass wir uns heiserbrüllen, damit realitätsverweigererInnen wie sie uns hören? Danach kam ein muskelbepackter wachmann, um mich gewaltsam aus der bibliothek zu zerren. Wollte mich durch den wurf eines buches gegen diese repressive gewaltmaßnahme selbstverteidigen, habe beim griff ins regal aber nur eine loseblattsammlung erwischt. Jetzt habe ich hausverbot in der bibliothek. Macht aber nichts, denn erstens muss ich noch ein paar demos organisieren und zweitens halte ich mich sowieso nicht an so autoritäre konstrukte wie das hausrecht.

„Völker hört die signale!“ — Das geht nicht mit ohropax! Deswegen erinnern wir nochmal ausdrücklich an die schrei-dich-frei-demo in berlin am 31. juni. Der juli wird ein heißer herbst! Freiheit den gehörgängen! Akustische selbstverwirklichung für alle! Die nächste demo gegen „Erwerbslosigkeit,
Kopfpauschale und Bildungsabbau“
ist gleich morgen. Kommt zahlreich und seid lauter als fluglärm, gegen den sich bürgerinitiativen bilden.

Advertisements