„Ein Freund, ein guter Freund…“

Posted on Juli 5, 2010 von

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Es gibt viele gute Gründe, warum nicht nur ein entwickelter sozialistischer Staat, sondern auch bereits ein im sterbenden Spätkapitalismus wirkendes Schul- und Bildungswesen auf dem Weg zum Sozialismus strikt darauf bedacht sein sollte, die uneingeschränkte Hoheit über die – trotz gesetzlich legalisierter und krankenkassenfinanzierter Reproduktionsfreiheit – neu geborenen Neu-CO2-Emittenten vom Kleinstkindalter an auszuüben und dem Elter 1, 2, 3 oder welchem auch immer frühestmöglich die Last der Erziehung aus der Hand zu nehmen.

Ein absolut zwingender davon ist, dass der Staat als Summe des Wissens und der Erfahrungswerte aller Werktätiger und der kritischen Intelligenz über ein Erkenntnisniveau verfügt, das einer bürgerlichen Kleinfamilie nicht zugänglich ist und auch gar nicht zugänglich sein kann, was aber meist dazu führt, dass Eltern sozial unerwünschte und diversatorische Vorurteile kultivieren und so den Aufbau einer besseren, weil den Werten des Humanismus und dem Klassenstandpunkt aller Arbeitenden verpflichteten Gesellschaft unterminieren.

Insbesondere ist es unsozial und zutiefst ungerecht, dass Begabungen, Wissen und Erfahrungen immer noch ungleich verteilt sind und bereits Kinder, so sie nicht rechtzeitig der gehörigen Belehrung und Unterweisung durch die Partei teilhaftig werden, falsche Verhaltensweisen einüben und gesellschaftlich unerwünschte Einstellungsmuster ihrer Eltern übernehmen.

Dank der unermüdlichen Anstrengungen der bewusstesten Kämpfer für den Sieg des revolutionären Humanismus im Bildungsbereich kann die Partei als Mutter der Massen in den Werktätigen lesen wie in einem Buch.

Ein anschauliches Beispiel hiefür bietet beispielsweise die Tatsache, dass nach wie vor ein großer Prozentsatz an Kindern und jungen Erwachsenen angibt, einen „besten Freund“ bzw. eine „beste Freundin“ zu haben. Selbst in der Literatur wurde diese seit dem „Rolandslied“ dokumentierte Unsitte verarbeitet, beispielsweise in der rassistischen Erzählung von „Tom Sawyer & Huckleberry Finn“, in hetzerischen Kriegstreiberanekdoten wie dem „Wanderer zwischen beiden Welten“, reaktionären Aussaaten wie „Ahnung und Gegenwart“, bürgerlich-sentimentalen Schmonzetten wie „Unterm Rad“, ja sogar speziesübergreifend in Machwerken wie „Mein Freund Flicka“.

Wachsame und kritische Genossinnen wie Christine Laycob, beratende Direktorin am Mary Institute und an der staatlichen St. Louis Country Day School in St. Louis, haben bemerkt, dass es der Wunsch von Kindern ist, einen besten Freund oder eine beste Freundin zu haben, mit dem oder der man größte Teile der Freizeit verbringt, und dass Eltern sie dabei unterstützen.

Ein frappierendes Beispiel dafür, dass es Eltern an kritischem Denkvermögen und am Blick für das große Ganze fehlt. „Wir versuchen, mit den Kindern zu sprechen und zu arbeiten, damit sie große Gruppen von Freunden haben und Freunden gegenüber nicht so besitzergreifend sind,“ so die Genossin Laycob gegenüber der New York Times. Selbst Betreiber von Kinderferienlagern (oder „-lägern“, wie es westliche DKP-GenossInnen stets zu sagen pflegten, die dem DDR-Fernsehen über die Erlebnisse ihrer in den antifaschistischen Staat geschickten Sprösslinge Rede und Antwort standen) haben die Anregung der Genossin aufgegriffen und bieten „Friendship Coaches“ an.

Der Wert von Initiativen dieser Art kann nicht hoch genug veranschlagt werden, da der von Eltern oder Betroffenen regelmäßig dagegen erhobene Einwand, das wäre doch „Privatsache“ und gehe niemanden etwas an, treffsicher aufzeigt, wo verhärtete, protofaschistische Vorurteile bestehen und besonderer Handlungsbedarf besteht.

Das Streben nach Exklusivität in der Beziehungspflege, Selbstabgrenzung und Rückzugsstreben waren seit der Erfindung des Privateigentums und dem Komplott gegen die gemeinwirtschaftliche matriarchalische Gesellschaftsform des Urkommunismus entscheidende Hindernisse auf dem Weg zum Aufbau einer von Herrschaft, Patriarchat, Ausbeutung, Faschismus, Krieg und Countrymusik befreiten Gesellschaft. Ein sozialistischer Staat tut gut daran, solche Bestrebungen bereits im Keim zu ersticken, zumal das Lebenswerk von Genossen wie Mao, Lenin oder Stalin beweist, dass die Partei nicht nur der wahre beste Freund des Menschen, sondern des gesamten Weltproletariats und aller Ausgebeuteten ist und dabei nicht besitzergreifend an Einzelpersonen festhält, sondern allen Werktätigen in allen Lebenslagen zur Verfügung steht.

Der antifaschistische Arbeiter- und Bauernstaat gab die richtige Antwort auf Provokationen und Kriegshetze: Hier durchaus milde Urteile gegen Angehörige der religiösen Sekte der "Zeugen Jehovas"

Das ehrgeizige Ziel, rund um die Uhr für die Massen da sein zu können und sie in keiner Sekunde allein in einer von den Ränkespielen des Klassenfeindes gefährdeten Welt lassen zu müssen, wird erfreulicherweise von allen Parteien des demokratischen Blocks unterstützt – wenn auch in unterschiedlicher Intensität.

Allerdings muss auch kritisch angemerkt werden, dass es ab und an auch Saboteure gibt, die offenbar im Auftrag ausländischer Geheimdienste und feindlicher Banden immer noch versuchen, der Aufklärungsarbeit der Partei in die Parade zu fahren.

Ein besonders perfides Beispiel konterrevolutionärer Diversantentätigkeit stellt dabei das von religiösen Fundamentalisten (und sage jetzt kein formalistischer Querulant, so etwas gäbe es im katholischen Bayern nicht, da „Fundamentalismus“ im Christentum eine protestantische Bewegung wäre!) innerhalb der bayerischen Schulbehörden getragene Vorgehen gegen das äußerst informative und lehrreiche Buch „Combat 18“ „Context 21“ aus dem Pahl-Rugenstein Cornelsen Verlag, in dem heimischen SchülerInnen das erbärmliche Bildungsniveau abergläubischer Zionistenknechte aus dem Land des kapitalistischen Erzfeindes vor Augen geführt werden sollte.

Dass die Behörde Zensur geübt hat, nur weil eine kleine Minderheit sich weigert, der Wahrheit ins Auge zu blicken, ist ein unerträglicher Skandal. Der verpflichtende Besuch einer staatlich kontrollierten Schule als Qualitätsmerkmal des entwickelten sozialistischen Bildungswesens und die darin zur Anwendung kommenden Lehrmittel haben schließlich nicht bürgerlich-reaktionäre Individualrechte zu achten, auf die sich zu berufen ein unverschämter Verfassungmissbrauch seitens der Kreationisten ist.

Die Schule hat dem Klassenauftrag nachzukommen, in einem Klima der wechselseitigen Achtung, der kritischen Selbsthinterfragung, des Pluralismus, der Aufgeschlossenheit für Andersdenkende und der Toleranz Schülern Freude an der Vielfalt zu vermitteln und zu zeigen, dass es verschiedene Auffassungen gibt, die Respekt verdienen – dazu gehört aber defintiv nicht die intellektuelle Perversion dreckiger, stinkender, dummer, intoleranter und ungebildeter fundamentalistischer Ratten und sonstigen Ungeziefers, das seinen kranken Gotteswahn weiterreichen will und die man in besseren Zeiten ohne lange zu fackeln an die Wand gestellt hätte!

Nicht nur Toleranz gegenüber der Intoleranz (außer natürlich jener Intoleranz, die sich gegen diejenigen richtet, die die Toleranten für intolerant erachten), sondern auch ethnische Diversität ist – wie der Genosse Müller richtig feststellt – ein No-Go für einen fortschrittlichen Schulbetrieb. Der Genosse gibt auch zu Recht zu bedenken, dass die immer noch gegebene Wahlfreiheit zwischen staatlichen Schulen und staatlich gesteuerten Privatschulen negative Effekte zeigen und falsches Bewusstsein stabilisieren könnte: „Der Staat darf nicht zulassen, dass staatliche Schulen von konfessionellen Privatschulen verdrängt werden.“

Der das Leben beleidigt, ist dumm und schlecht. Wer die Menschheit verteidigt, hat immer Recht: Daher muss die öffentliche Schule über das verderbliche Treiben evangelikaler Sekten aufklären und dürfen keine Abweichungen für Diversanten geduldet werden

Das sagen wir vom AutorInnenkollektiv Dr. Hilde Benjamin schon lange und fordern daher, endlich die bundesweite, nicht mehr differenzierte und an den Maßstäben fortschrittlicher Bildungsstandards wie in der Freien und Hansestadt Bremen ausgerichtete Einheitsschule zu schaffen!

Denn der beste Weg, Menschen vor Fehlentscheidungen zu schützen, ist immer noch, ihnen die Belastung, eine Wahl treffen zu müssen, zu ersparen. Das hat beispielsweise in der Politik funktioniert, als zu DDR-Zeiten eben nur die – alle gesellschaftlich relevanten und dem demokratischen Block zugehörigen – Einheitsliste der Nationalen Front für das Demokratische Deutschland zur Wahl stand und die Bürger deshalb das Kreuz praktisch nicht an der falschen Stelle setzen konnten. Und anders kann auch ein fortschrittliches Schulwesen nicht funktionieren: Weniger Formalismus und Mehrdeutigkeit in der Bildung, dafür ein klarer herausgearbeiteter Klassenstandpunkt für alle!

Dass nicht einmal das fortschrittlichste Bundesland in Sachen gleichmäßiger Verteilung der Bildung vor Diversanten sicher ist, zeigt sich an sozialfeindlichen Elementen wie  der Familie Neubronner, die vom „Netzwerk Bildungsfreiheit“ unterstützt wird.

Auch wenn diese Familie zumindest nach außen hin keine christlich-fundamentalistische Motivation erkennen lässt, ändert dies nichts daran, dass „Bildungsfreiheit“ in einem fortschrittlichen Staat nicht so zu verstehen ist, dass Eltern frei entscheiden können sollten, welche Bildung sie ihren Kindern zukommen lassen wollen, sondern so, dass Kinder frei von Bildung und Bildungsinhalten sein sollen, die ihnen die Entwicklung eines gesunden Klassenstandpunktes erschweren könnten. Ähnlich wie „Religionsfreiheit“ korrekt als Freiheit von Religion, „Eigentumsfreiheit“ als Freiheit von Eigentum und „Waffenfreiheit“ als Freiheit von Waffen verstanden werden muss. Es ist daher zu begrüßen, dass die zuständigen Organe jetzt auch gegen diese Provokationen entschlossen vorgehen.

Wie heißt es im Lied über die Mutter der Massen und einzige wahre Freundin aller Menschen, die Partei, so richtig:

„Hetzen Hyänen zum Kriege,
Bricht euer Bau ihre Macht“

Und in diesen Bau sollen alle reaktionären Querulanten wandern, die es wagen, die Weitsicht der Partei und die Alternativlosigkeit des sozialistischen Schulwesens in Frage zu stellen.

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