Doktorgate: Naziarzt in Mönchengladbach enttarnt

Posted on Juli 20, 2010 von

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Eines schönen Tages wurde Dr. Joseph Viesmann, seines Zeichens Psychiater, Psychotherapeut und lupenreiner Nazi, die Zeit zu lang. Doch statt die Ärmel hochzukrempeln und mit sozialistischen Eifer die Krankenakten seiner Patienten zu studieren, zog er es vor sich mit schmuddeliger rechts-außen Satire aus dem Internet zu bedröhnen (s. u.). Wie die „Rheinische Post“ in ihrer Online Ausgabe berichtet, fand er diese wohl so lustig, dass er seinen braunen Bekanntenkreis an seiner zweifelhaften Erbauung teilhaben lassen wollte. Das Elektronische Zeitalter macht es möglich: Ein Mouseclick und das Sudelpamphlet war an die ganze Bande verschickt, die bereits, gelangweilt vor den Monitoren, der neusten, als Satire getarnten Nazi-Propaganda entgegengeierte:

ACHTUNG! Dieser Abschnitt dient lediglich der Dokumentation und spiegelt nicht die Meinung des AutorInnenkollektivs Dr. Hilde Benjamin wieder. Wollen Sie nicht mit diesem menschenverachtenden Text konfrontiert werden, kneifen Sie bitte beide Augen soweit zu, dass Sie den Text nur verschwommen sehen und scrollen Sie dann so schnell wie möglich nach unten, bis Sie die nächste fett gedruckte Textstelle erkennen können.

Wenn Sie wirklich etwas erleben möchten, bereiten Sie sich doch mal auf ein Abenteuer vor, wie Sie es sich wohl niemals hätten vorstellen können:

  1. Gehen Sie illegal nach Pakistan, Afghanistan, Irak, Marokko oder in die Türkei.
  2. Sorgen Sie sich nicht um Visa, internationale Gesetze, Immigrationsregeln oder ähnliche, lächerliche Vorschriften.
  3. Wenn Sie dort angekommen sind, fordern Sie umgehend von der lokalen Behörde eine kostenlose medizinische Versorgung für sich und Ihre ganze Familie.
  4. Bestehen Sie darauf, dass alle Mitarbeiter bei der Krankenkasse deutsch sprechen und dass die Kliniken Ihr Essen nur so vorbereiten, wie Sie es in Deutschland gewohnt sind.
  5. Bestehen Sie darauf, dass alle Formulare, Anfragen, und Dokumente in Ihre Sprache übersetzt werden.
  6. Weisen Sie Kritik an Ihrem Verhalten empört zurück indem Sie ausdrücklich betonen: “Das hat mit meiner Kultur und Religion zu tun; davon versteht Ihr nichts”.
  7. Behalten Sie unbedingt Ihre ursprüngliche Identität. Hängen Sie eine Deutschlandfahne ans Fenster (am Auto geht es auch, vergessen Sie das nicht).
  8. Sprechen Sie sowohl zu Hause als auch anderswo nur deutsch und sorgen Sie dafür, dass auch Ihre Kinder sich ähnlich verhalten.
  9. Fordern Sie unbedingt, dass an Musikschulen deutsche Volksmusik und Fahnenschwingen unterrichtet wird.
  10. Verlangen Sie sofort und bedingungslos einen Führerschein, eine Aufenthaltsgenehmigung und was Ihnen sonst noch einfallen könnte.
  11. Betrachten Sie den Besitz dieser Dokumente als eine Rechtfertigung Ihrer illegalen Präsenz in Pakistan, Afghanistan oder Irak.
  12. Lassen Sie sich nicht diskriminieren, bestehen sie auf Ihr gutes Recht, verlangen Sie Kindergeld.
  13. Fahren Sie ohne Autoversicherung. Die ist nur für die Einheimischen erforderlich.
  14. Bestehen Sie darauf, dass Beamte, Polizisten, Gerichte Sie höflich behandeln und respektieren, sonst organisieren Sie Protestzüge gegen Ihr Gastland und dessen Einwohner. Unterstützen Sie ausnahmslos Gewalt gegen Nicht-Weiße, Nicht- Christen und gegen die Regierung.

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Was als Witz gedacht ist, entpuppt sich leider als die alltägliche Wahrheit in Deutschland.

Sie haben soeben die prekäre Textstelle passiert und können nun gefahrlos weiter lesen.

Dumm nur, wenn einige der Adressaten aus meinem E-Mail-Verteiler, Mitglieder des fortschrittlichen Ärztekollektivs „KIM“ sind, dem ich selbst angehöre und dessen Pressesprecher ich bis dato war. Ebenso dumm anzunehmen, dass sich in der heutigen Zeit unter diesen Mitgliedern nicht mindestens ein treuer Sozialist mit fein justierter revolutionärer Wachsamkeit befindet, der die notwendigen Schritte einleitet; oder zu glauben, dass ausgerechnet dieser keinen Anstoß an derartiger  Volksverhetzung nimmt. Vielleicht war es auch nur Unfähigkeit im Umgang mit den neuen Medien. In jedem Fall war es dumm. Wenig verwunderlich, haben doch, wie die Süddeutsche Zeitung, sich auf eine stahlbetonharte Studie stützend, unlängst berichtete, „sehr Konservative“ einen im Mittel elf Punkte niedrigen IQ als Linksliberale.

Titel „inoffizieller Mitarbeiter des Monats“ zu vergeben - Herr Doktor, bitte melden Sie sich!

Da den Sozialismus in seinem Lauf bekanntermaßen nichts aufhalten kann, kam es wie es kommen musste: Empört informierten gleich mehrere gute Genossen Dr. Evelyn Modlich, die Vorsitzende des Ärztekollektivs, über Viesmanns konterrevolutionäres Wirken. Ein besonders linientreuer Mediziner  aus Korschenbroich forderte gar den Ausschluss von Viesmann aus dem Ärztekollektiv.

Als ob dies nicht schon löblich genug wäre, soll jener Arzt Spekulationen zu Folge auch das treibende Mitglied der Elternschaft der Gemeinschaftgrundschule in Korschenbroich sein, das das Schulamt eingeschaltet hat, um folgende skandalöse Zustände abzustellen: Die Kinder wurden dazu gezwungen allmorgendlich, mit zum Gebet gefalteten Händen, ein Lied des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer zu sprechen. Angesichts soviel sozialistischer Achtsamkeit möchte ich zwei Aufrufe folgen lassen:

  1. Der unbekannte Mediziner möchte sich bitte bei uns melden, da wir ihm gerne den höchst ehrenvollen Titel „Inoffizieller Mitarbeiter des Monats“ verleihen wollen.
  2. Der designierte IM des Monats möchte sich dafür stark machen, dass die Kinder intensiv befragt werden, ob sie nicht sexuell missbraucht oder andersartig gepeinigt wurden, da der Verfasser dieser Zeilen nicht glaubt, dass Kindesmissbrauch ein spezifisch katholisches Problem ist, sondern vielmehr ein christliches.

Um auf das Thema zurückzukommen: Heute zeigt Viesmann sich wenig geläutert. Gegenüber der „Rheinischen Post“ lässt er verlauten, er habe die Geschichte, die er „nach flüchtiger Lektüre witzig fand“, an mehr Leute verschickt, als er eigentlich wollte. Immerhin hat er seinen sofortigen Rücktritt als Vorstandsmitglied des Ärztekollektivs erklärt. Manch einer unter unseren fortschrittlichen Lesern wird nun fragen, was an diesen Vorgängen so neu sei.

Eine typisch deutsche Geschichte? Ja, aber mit erfreulichem Beigeschmack! Nicht allein der sozialistische Einsatz des unbekannten Arztes aus Korschenbroich stimmt freudig, auch die konsequente Berichterstattung der „Rheinischen Post“ lässt auf eine lebenswerte Zukunft hoffen: Die Veröffentlichung des echten Namens des Nazi-Arztes ist als sozialistische Großtat zu werten und ich  bin fast geneigt, die „Rheinische Post“ für unsere Liste der „Party approved Links“ vorzuschlagen. Natürlich geht unser AutorInnenkollektiv einen Schritt weiter. Wir möchten unseren Lesern das lästige Googlen ersparen und veröffentlichen sämtliche Kontaktdaten, die der geneigte Leser benötigt um Herrn Viesmann mit Schmähbriefen, Morddrohungen, nächtlichen Telfonanrufen etc. zu überziehen:

Praxis Dr. med. Joseph Viesmann
Hinkelgasse 18
41018 Mönchengladbach
Tel. Zentrale  02161 / 18 18 – 0
Tel. Viesmann  02161 / 18 18 – 18
Fax.           02161 / 18 18 - 180
www.viesmann-mindtunig.de
propanganda@viesmann-mindtuning.de