Amtsbilanz: Kristina Köhler wird Schröder, wird Köhler, wird Schröder!

Posted on Juli 27, 2010 von

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Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war immer eine zuverlässige Sektion der neuen sozialistischen Revolution. Mit seinen angeschlossenen Institutionen wie der Abteilung für Sexualaufklärung des BzgA, oder dem vom Ministerium finanzierten Genderkompetenzzentrum, war es die mächtigste Bastion der Aufklärung im Kampf gegen Antifeminismus in Deutschland. Noch bis 2007 wurden  revolutionäre Schriften wie „Körper, Liebe, Doktorspiele. Ein Ratgeber für Eltern zur kindlichen Sexualentwicklung im 1. bis zum 3. Lebensjahr “ herausgegeben,  in dem Eltern, Verwandte und Kinderfrauen dazu aufgefordert werden, die Kleinsten zu masturbieren.

Dieser Ratgeber konsequent umgesetzt, hätte zu der zweiten sexuellen Revolution führen können, die wir so dringend benötigen. Zumindest hätte es zu einer Renaissance der Freikörperkultur, unbekannten Ausmaßes geführt. Derartiges Wirken wurde jedoch zunehmend, durch konservative und rechtsextreme Kräfte, militant torpediert. So wie im Falle des erwähnten Ratgebers, durch die erzkatholische, rechte Glucke, Gabriele Kuby. In Folge der Entwicklungen war das Ministerium gezwungen, seine Botschaften deutlich subtiler und damit auch weniger wirksam, unter das Volk zu bringen.

Man dachte schon schlimmer könne es nicht werden, da kam das erschütternde Ergebnis der Bundestagswahl 2009 und Genossin Merkel musste die neoliberalen Querulanten von der FDP mit ins Boot holen. Nebenbei sei bemerkt, dass sie es nicht nur geschafft hat, dass diese die Bootsfahrt nicht mehr durch ihre kleinkarierte Nörgelei stören, sondern sogar sie mitrudern. Das zeugt von sozialistischem Kampfgeist, den sie ja als Thälmann Pionier und in der FDJ quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Prädikat konservativ: Nazi-Krawatte Singhammer erweist Schröder einen Bärendienst

In der darauf folgenden Regierungsumbildung, versetzte man die verdiente Sozialistin Ursula von der Leyen, in das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Zweifelsohne eine richtige Entscheidung: Wo wenn nicht in diesem Ressort, bedarf es einer Führungspersönlichkeit von so tadelloser Linientreue wie der ihren. Doch dort, wo sie nun ihr Amt so hervorragend ausfüllt, hinterließ woanders eine schmerzhafte Lücke. Diese sollte nun ausgerechnet durch das Polit-Küken Kristina Schröder (Jahrgang 1977) ausgefüllt werden.

Selten wurde von unserem Politbüro eine Entscheidung getroffen, mit der ich mehr gehadert habe. Meine Gefühle diese Nominierung betreffend, glichen einer einzigen Berg und Talfahrt. Zunächst dachte ich: Gut, dass man(n) erreicht hat, dass seit 1982 ausschließlich Frauen in dieses Amt berufen werden, ist doch die Haltung von Männern gerade in Familienfragen von Desinteresse und Inkompetenz geprägt.

Dann traf es mich wieder wie ein Blitzschlag, als unser Zentralorgan „Handelsblatt“ titelte: „Kristina Köhler: Mit dem Prädikat konservativ ins Familienministerium“. Vor meinem geistigen Auge kreisten Mutterkreuze. Eine konservative Familienministerin? Das ist BDM, Lebensborn, das ist Autobahn! Da kann man ja gleich Eva Hermann zur Kindergärtnerin machen. Jenes Prädikat verlieh ihr Johannes Singhammer, Familienexperte der CSU – Mann und Familienexperte? Als ob 6 Kinder eine Qualifikation sein könnten. Prädikat konservativ? Hier stimmt doch was nicht. Sieht sie sich selbst auch so? Ich recherchierte und auf ihrer Website wurde ich fündig: Sie sieht sich zwar als Konservative, aber sie definiert Konservativsein neu:

„Gerade als Christdemokratin freue ich mich über schwule und lesbische Paare, die in einer Lebenspartnerschaft dauerhaft füreinander Verantwortung tragen wollen. Hier werden konservative Werte gelebt!“

Konservativsein neu definiert: Kristina feiert mit Männern, wie sie sein sollen

So lässt sie sich am Rande des Frankfurter Christopher Street Day zitieren, bei dem sie auf dem Wagen der LSU (Lesben und Schwule in der Union) mitfuhr und zu den Klängen von „Er gehört zu mir“ und „I am what I am“ einen „riesigen Spaß“ hatte. Das stimmte mich vorerst versöhnlich. Doch dann kam eine Meldung die mich unglaublich in Rage versetzte. Ja, ich hätte mir am liebsten, aus Solidarität mit der hierzulande so geschundenen Frauenwelt, das Gemächt abgetrennt: Das Genderkompetenzzentrum soll nicht mehr finanziell gefördert werden! Ein Meldung wie ein Donnerschlag – wie konnte sie nur so etwas tun?

Ich war frustriert, habe gelitten, konnte nächtelang nicht schlafen. Bis es mir dämmerte: Es ist gar nicht ihre Schuld. Schuld ist mal wieder das neoliberale Spekulantenpack, das erst mit seinem real praktizierten Anarchokapitalismus die Finanzmärkte ruiniert, sich dabei Zigarren paffend die Taschen voll stopft, um dann dem Politbüro völlig überzogene Sparpläne zu diktieren. Dass sich das Politbüro dies gefallen lässt, ist frustrierend und beängstigend zugleich, zeugt es doch von Einfluss und Gefährlichkeit dieser Lobby.

Ich war zwar wieder beruhigt, doch versöhnt war ich diesmal nicht. Der Stachel saß einfach zu tief. Ich wartete darauf, dass sie diese Scharte wieder auswetzen würde. Zunächst jedoch preschte mit sozialistischem Eifer das Fernmeldekombinat Telekom vor, das sich freiwillig verpflichtete eine weltweite Frauenquote von 30% bis zum Jahr 2015 in den oberen und mittleren Führungspositionen zu etablieren. René Obermann, Leiter des Kombinats und Lebensabschnittsgefährte von Maybritt Illner, der einst in der „Wirtschaftswoche“ als Bilderbuchkapitalist beschrieben wurde und seither den Spitznamen „Dobermann“ weghat, begründete den Entschluss wie folgt:

„Mehr Frauen in Führungspositionen ist kein Diktat einer falsch verstandenen Gleichmacherei. Es ist ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und vor allem eine handfeste Notwendigkeit für unseren Erfolg. Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser“

Feministischer Dobermann: Der Telekom-Chef hat verstanden

Man höre und staune. Die sozialistischen Großunternehmen haben verstanden. Es bedarf nicht einmal eines Gesetzes. Aber wie soll man die ganzen Mittelständler an die Kandare nehmen? Diese Typen, die meinen sie könnten sich hinstellen, sich eigenmächtig zum Wirtschaftsbeteiligten erklären, um dann nach ihrem Gutdünken unbehelligt Handel zu treiben. Frau Schröder war gefragt.

Ein Gesetz zu verabschieden, dass alle gleichermaßen in die Pflicht nimmt und eine verbindliche Frauenquote vorschreibt, schied als Option aus, hätte es doch nur wieder die neoliberalen Schreihälse auf den Plan gerufen. Also entschied sie sich in ihrer Weisheit zu einem genialen Winkelzug. Firmen sollen dazu verpflichtet werden ihre Frauenquote in Führungspositionen zu veröffentlichen. Schröder findet: „Das Beste an einer ‚angedrohten’ Quote ist, das sie wie ein Damoklesschwert wirkt.“ Da! Das habe vermisst: Den klassenkämpferischen Unterton in ihren Äußerungen.

Weiter sagte sie in einem Interview des Handelblatts: „Ich will, dass auch diejenigen Unternehmen Rechenschaft ablegen müssen, die nicht vom Corporate-Governance-Kodex erfasst sind.“ Also auch die schon erwähnten Mittelstands-Anarchos. Die Großindustrie unterwirft sich bereits umfassend den ethischen Leitlinien des Politbüros. Auch wenn man loben muss, dass die Telekom als erstes Unternehmen die Quote einführen will, so war ihr  Vorstoß letztendlich ein Verdienst der Partei!

Abschließend noch ein Ausblick in die rosige Zukunft unseres sozialistischen Mutterlandes Elterlandes: Die veröffentliche Frauenquote eröffnet uns Genderkämpfern ganz neue Spielräume. Die antifeministischen Kapitalistenschweine werden sichtbar. Wir können nun ihre Produkte boykottieren, oder ihre Gebäude mit Parolen verzieren. Auch könnten zukünftige Christopher Street Days so geplant werden, dass die Parade, zwecks des Protests, an möglichst vielen Firmen vorbeiführt. die eine niedrige Frauenquote haben. Entdecke die Möglichkeiten.