Die Elite grüßt!

Posted on August 4, 2010 von

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Dem rechtsextremen Provinz-Käseblatt „Gegengift“ aus Pfaffenhofen, sind einige Briefe unserer Polit-Elite zugespielt worden, die der Herausgeber und Nazi-Bazi Michael Ludwig in der aktuellen Ausgabe veröffentlicht. Ich möchte betonen, dass ich mir die Lektüre nur aus rein akademischem Interesse antue. Studiere den Feind! Die braune Leserschaft seiner kleinen roten Heftchen reibt sich nun die Hände und freut über den vermeintlichen Skandal. Hier einige Auszüge aus den Veröffentlichungen, die den glasklaren Klassenstandpunkt unserer Polit-Elite widerspiegeln.

Den Vogel schießt mal wieder unsere verehrte Parteivorsitzende ab, die entgegen anders lautender Meldungen, offensichtlich auf Rügen verweilt. Die Meldung, dass sie Stalins Biographie liest dürfte hingegen authentisch sein. Ihr revolutionärer Statusbericht stimmt mehr als freudig:

Roter Pulli, roter Geist. Einblicke in Merkels verdecktes Wirken.

Lieber Oleg.

Endlich komme ich mal dazu, ein paar Tage auf meiner Lieblingsinsel Rügen auszuspannen. Uff – ich habe mich auf die Toilette meiner Datsche geflüchtet, weil mich meine Bodyguards wie Motten das Licht umkreisen, und es ist nicht einfach, sie abzuschütteln. Diese Zeilen lasse ich Dir über den örtlichen Mittelsmann zukommen, einen zuverlässigen Genossen, und ich glaube, Du kennst ihn sogar persönlich aus früheren Zeiten. Die Dinge befinden sich, wie Du aus der Presse unschwer entnehmen kannst, auf einem guten Weg. Wir haben unser Ziel schon fast erreicht – die Zerschlagung der Union; ein paar rudimentäre Reste begehren zwar noch auf, aber das werde ich schon noch hinkriegen, schließlich geht nichts über eine fundierte Ausbildung beim KGB, wie ich sie in meiner Jugend genossen habe. Merz, Koch, Köhler und jetzt von Beust – ich finde, da ist neben einem schmucken Orden auch noch eine fette Gehaltserhöhung auf meinem Schweizer Konto fällig, denn man kann nie wissen, wann der BND oder der amerikanische Geheimdienst, der erst jetzt wieder ein paar Genossinnen und Genossen enttarnt hat, einem auf die Schliche kommt und einen hoch gehen lässt. Ich denke, dass die Strategie, die wir schon vor ein paar Jahren gemeinsam festgelegt haben, immer mehr Früchte trägt. Ich sitze die Dinge aus, mache am Besten gar nichts, treibe die letzten Konservativen aus der Union und sorge so dafür, dass die Partei durch schlechte Wahlergebnisse immer mehr der Bedeutungslosigkeit anheim fällt. Dann sind die Bürgerlichen am Ende. Dass Ole das Handtuch geworfen hat, überrascht mich dennoch, schließlich lag er mit seiner Entscheidung für Schwarz-Grün ganz auf unserer Linie. Ist da etwas passiert, das ich nicht mitbekommen habe? Haben ein paar Jungs unserer Hamburger Niederlassung da ein eigenes Spielchen getrieben, etwa Erpressung oder sonst eine kleine schmutzige Nummer abgezogen? Das will ich nicht hoffen. Bitte kläre den wahren Sachverhalt beim Genossen General. Habe inzwischen durch unsere Botschaft in Madrid erfahren, dass es Spanien so schlecht geht, dass es in den nächsten vier Wochen eine erste Tranche von 100 Milliarden Euro aus dem gemeinsamen EU-Rettungspaket haben will. Prima. Wir werden zahlen, unsere Finanzen werden zunehmend zerrüttet, wir treiben die Wähler in die Arme der Linkspartei. Habe doch immer gesagt, die Zukunft gehört uns, dem Sozialismus. Das ist wie in der Physik. Wenn Du Wasser in einem Topf hast und es weg haben willst, dann stellst Du den Topf auf den Herd, und nach einer gewissen Zeit verdampft es. Das einzige, was Du dazu brauchst, sind findige Leute wie ich (und natürlich die zahlreichen anderen Genossinnen und Genossen, die weltweit verdeckt für die Revolution arbeiten), die unter dem Herd genügend Feuer machen. Aber da ich schon immer gern im Verborgenen gezündelt habe, ist mir diese Profession auf den Leib geschrieben, und ich darf für mich in Anspruch nehmen, es wirklich weit gebracht zu haben – Bundeskanzlerin und Parteivorsitzende der CDU, ist das etwa nichts? Dass ich so lange nicht enttarnt wurde, habe ich letztlich auch Dir, lieber Oleg, zu verdanken, denn Du hast Dich stets als intelligenter und weit blickender Führungsoffizier erwiesen, dafür möchte ich Dir an dieser Stelle nochmals herzlich danken. Aber wir werden auch künftig alle unsere Kraft und unsere Verschlagenheit aufbieten müssen, um die Geschichte in unserem Sinne am Laufen zu halten. Übrigens: dieser Bosbach, einer der wirklich letzten konservativ Angehauchten, und der Mittelstandschef meiner Partei, Schlarmann, der mich kürzlich im Spiegel ziemlich übel angegangen hat, sollten aus dem Verkehr gezogen werden. Ich bin mir sicher, dass Dir das dazu Passende einfallen wird. Guttenberg von der CSU entwickelt sich immer mehr zum Problem. Er darf keinesfalls zusätzlichen politischen Einfluss gewinnen, sonst kommt er mir einfach zu nahe. Schlage vor, dass der KGB Kontakt mit den Taliban aufnimmt. Wenn der Baron mal wieder in Afghanistan ist, ergibt sich sicherlich eine Möglichkeit, ihn wegzupusten. Nun muss ich aber Schluss machen, denn meine Security fragt sich sicherlich schon, was ich solange auf der Toilette mache. Aber da ich Politikerin bin, ist sie lange Sitzungen gewöhnt. Viele Grüße aus dem Urlaub an alle, die ich kenne,
deine Angie.
PS. Heute Abend schlüpfe ich in das offenherzige Abendkleid, das in Oslo so viel Aufsehen erregt hat, und gehe schick aus. Noch immer sind die Waffen einer Frau die gefährlichsten, man sollte nicht zögern, auch sie gegen den Klassenfeind einzusetzen.

Klaus Ernst, gegen den gerade eine niederträchtige Verleugnungskampagne rechtsextremer Diversanten im Gange ist, verbringt seinen Urlaub mit Fortbildung. Nichts anderes war von einem aufrechten Sozialisten seines Formats zu erwarten:

Mit dem Porsche durch die niedersächsische Tiefebene - zurzeit wohl etwas trauriger Dinosaurier Klaus Ernst.

Herzliche Urlaubsgrüße aus Loccum sendet Dir die andere Hälfte der Doppelspitze. Na ja, ‘Urlaub’ ist etwas übertrieben. Ich muss hier ganz schön arbeiten, Und das bei der Hitze. Aber die Seminarräume sind klimatisiert. Da macht das Üben richtig Spaß. Das war ein guter Tipp von Dir. Gesine, wenn ich Dich nicht hätte. Der Kurs Hochdeutsch für jedermann an der Evangelischen Heimvolkshochschule hier bringt wirklich was. Du wirst staunen, wenn ich wieder in Berlin bin und Du mich reden hören wirst. Das Hochdeutsch geht mir schon recht gut über die Lippen.

War zuerst ein richtiger Kulturschock für mich. Am 20. Juli noch unter den Genossen beim Sommerfest in Niederlauer in Unterfranken, wo mich jeder versteht; und drei Tage später ab in Richtung Hannover. Aber es stimmt: Hier spricht jeder Ein­heimische Hochdeutsch, nicht nur der Seminarleiter. Bei manchen Seminarteil­nehmern geht es nur sehr langsam voran. Da ist so eine Sächsin im Kurs; bei der ist Hopfen und Malz verloren. Sind auch ein paar Eingewanderte dabei, die ihren türkischen Akzent loswerden wollen, weil sie sich als Geschäftsleute so bessere Geschäfte versprechen. Ich habe versucht, ihnen klar zu machen, dass ein paar Abweichungen vom Hochdeutschen eine echte Bereicherung für uns sind und sie ihre Identität bewahren und sich nicht überanpassen sollen. Die ha­ben es nicht kapiert. Furchtbar, diese Assimilierungssüchtigen! Dafür habe ich dem einen aber die Deutschlandfahne von seinem Auto runtergeholt.

Das Freizeitprogramm hier ist auch ganz nett. Wir waren am Steinhuder Meer und haben gestern den Dinosaurier-Park im Münchehagen besucht. Typi­scher kapitalistischer Verblödungsmist. Und stell Dir vor: Irgend so ein Verrä­ter der Arbeiterklasse hat mich dort erkannt und gerufen: „Guck mal, Martina, das ist der Ernst. Ein lebender Dino im Dinopark!“ Den habe ich aber auf gut Bayrisch zusammengestaucht. Leider hat er mich nicht verstanden. Da fiel mir sofort ein, was der Seminarleiter uns gesagt hat: „Richtig Hochdeutsch können Sie erst, wenn Sie auch in einer Stresssituation nicht in Ihren Dialekt zurück­fallen.“ Aber ich bin mir sicher, dass ich das in der zweiten Seminarwoche auch noch lernen werde. Dann können mich endlich auch die Genossen im Norden verstehen, und die Talkshow-Zuschauer.

In diesem Sinne beste sozialistische Grüße nach Berlin, Dein Klaus Ernst

Auch eine Postkarte des bekennenden Öko-Stalinisten Christian Ströbele, ist unter der abgefangenen Korrespondenz:

Stets bemüht kulturelle Kluften zu überwinden: Ströbele in Antalya

Liebe Claudia,

anbei die allerherzlichsten Urlaubsgrüße aus Antalya. Es gefällt mir hier sehr gut, das einzige Problem ist nur, es gibt viel zu viele Deutsche hier, genau wie bei mir daheim in Kreuzberg. Aber das werden wir ja nun hoffentlich bald ändern. Unser guter Freund Tayyip hat mich auch schon besucht, er hat ganz in meiner Näher ein schönes Ferienhaus. Sogar zum Abendessen war ich bei ihm eingeladen. Es gab Hammel, der aber offenbar nicht mehr der jüngste gewesen war, denn er roch schon etwas merkwürdig, aber das bin ich ja aus Kreuzberg gewohnt. Gern hätte ich auch Tayyips liebe Frau begrüßt, doch die ließ sich den ganzen Abend nicht blicken. Scheinbar traut man uns 68er-Greisen hier immer noch nicht so ganz. Nach dem Essen haben wir uns dann bei einem Pfefferminztee und einem Wasserpfeifchen, das mich ein wenig an unsere guten alten Joints von früher erinnerte, noch nett unterhalten. Der Tayyip weiß halt, was er an uns hat, bloß komisch, daß seine Untertanen in Deutschland immer noch die doofen Sozis wählen. Ganz vertraulich hat er mir dann gesagt, wir wären wirklich seine Allerliebsten, auch wenn ihm die vielen Schwulen bei uns etwas auf die Nerven gingen. Liebe Claudia, es beschäftigt mich jetzt doch sehr, daß er zum Abschied meinte, so Typen würden bei ihnen lebendig eingegraben. Es ist halt eine andere Kultur, da kann man nix machen. Bis bald und liebe Grüße auch an Cem, Renate und Jürgen,

Dein Christian Ströbele.

Weitere Urlaubsgrüße von Christian Wulff, Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg und Ole von Beust, die jedoch erheblichen Schulungsbedarf offenbaren, finden sie unter:
Gegengift-Verlag