Sozialistische Umschau: China hui, Kuba pfui!

Posted on August 5, 2010 von

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Kapitalismus macht müde - China hat's erkannt

Der informierte Leser weiß, dass sich in China seit geraumer Zeit eine kapitalistische Verschwörung breit macht. Wahrscheinlich hat sich die Rückübereignung Hongkongs an China, wie die Implantation eines kapitalistischen Krebsgeschwürs, in den ehemals sozialistisch intakten Organismus der Volksrepublik ausgewirkt. Allenorten greift Misswirtschaft und Sittenverfall um sich und die Errungenschaften der Kulturrevolution drohen über den Deister zu gehen. Man hätte Hongkong seinerzeit, getreu der Leitlinie des chinesischen Politbüros „Es sind jegliche Profit orientierte Aktivitäten verboten“, umfangreich von allen kapitalistischen Umtrieben säubern müssen.

Stattdessen hat man im Gegenteil, und ich will nicht unterstellen bewusst, den Kapitalismus noch gefördert. Dafür lassen sich zahlreiche Belege finden. Der Anflug auf den Hongkonger Flughafen „Kai Tak“ beispielsweise, galt  immer als der schwierigste der Welt. Wie sich das gehört: Ein kapitalistischer Moloch wie Hongkong, darf nicht leicht zu erreichen sein;  soll doch ruhig ein wenig Todesangst mitfliegen, wenn die Ausbeuterklasse raffgierig und auftragsgeil, auf ihrer kapitalistischen Mission unterwegs ist. Leider hat das Politbüro bereits 1999 „Kai Tak“ geschlossen und ersetzt.

Offensichtlich hat die chinesische Parteiführung, die uns immer Inspiration und Vorbild gewesen ist, so langsam die Problematik erkannt und der drohenden Degeneration zum „Reich der Mittelmäßigkeit“ den Kampf erklärt. Dabei setzt man auf altbewährte Eliten und beginnt in weiser Voraussicht beim chinesischen Militär, so dass notfalls die kapitalistischen Blutsauger mit Waffengewalt vertrieben werden können.

Wichtige Personalie in diesem Zusammenhang ist die Ernennung von Mao Xinyu, Enkels des „großen Steuermanns“ Mao Tsetung, zum General der chinesischen Streitkräfte. Mao Xinyu  ist ein Musterbeispiel für den neuen sozialistischen Menschen: Im Alter von 40 Jahren zu so hohen Amt und Würden zu gelangen, kann nur gelingen wenn man sozialistischen Eifer mit den alten Werten verknüpft, die Xinyu zweifelsfrei hochhält: Wie er zitiert wird sei der Maoismus sei keineswegs „überholt“, sondern weiterhin „informativ und von großer Relevanz auch für aktuelle Themen, darunter Militärtheorien und internationale Politik“.

Kapitalismus ist anstrengend - Kuba peilt's nicht

Kürzlich wurde der 61-jährige Chef der nordrhein-westfälischen Linkspartei gefragt, was er sich noch vom Leben wünsche. Seine Antwort war „Meinen nächsten runden Geburtstag noch einmal mit Freunden auf Kuba feiern.“ Auch Genosse Lafontaine lässt auf Kuba gern mal fünfe gerade sein. Sie beide werden Kuba heute mit anderen Augen sehen, denn der sozialistische Musterstaat droht Opfer des Unheil bringenden, kapitalistischen Monstrums des freien Marktes zu werden. Sicher, Kuba hat ein paar Probleme (man munkelt, dass es hier und da auch Zahlungsschwierigkeiten gibt), aber die sind doch wohl eindeutig der Finanzkrise geschuldet, die einzig und allein vom neoliberalen Spekulantenpack hervorgerufen wurde, um das Proletariat weltweit auszubeuten.

Anstatt sich nun sozialistisch korrekt auf seine Opferrolle zu berufen und internationale Hilfe zu fordern, beschreitet Kuba den kapitalistischen Irrweg. Raúl Castro wetterte in seiner Ansprache vor der Nationalversammlung: „Man muss ein für alle Mal mit der Vorstellung aufräumen, dass Kuba das einzige Land auf der Welt ist, in dem man leben kann, ohne zu arbeiten“ und man wolle nun begrenzt privatwirtschaftliche Initiative zulassen. Unter Druck geraten war er auch durch die katholische Zeitschrift „Palabra Nueva“ (Neues Wort), die in einem Leitartikel forderte, dass Kubaner „mehr Entwicklung und mehr Möglichkeiten zur Entwicklung“ bräuchten und „weniger Einschränkungen der Freiheit“. Ich glaub mein Schwein pfeift – seit wann haben Katholiken irgendwas zu melden? Was ist denn da bei Ihnen los, Genosse Castro?

Ein einziger Saustall: Privatwirtschaftliche Initiative – bei diesen Begriffen schüttelt es mich. Kuba ist ein karibisches Insel-Paradies und hat Arbeit nicht nötig. Arbeit wird sowieso stark überbewertet und durch geschicktes wirtschaftliches Taktieren, konnte Kuba Arbeit immer auf ein Minimum reduzieren. So wurde die Kaffeeproduktion von einstmals 60.000 Tonnen auf sozial verträgliche 6.000 Tonnen gesundgeschrumpft. Dies gelang wahrscheinlich durch die Deklaration des Kaffees als „Fairtrade“ und wir Europäer sind diejenigen (proletarische Bewusstseinsbildung zahlt sich aus), die den fairen Kaffee so gerne kaufen. Es könnte also sein, dass wir den kubanischen Sozialismus direkt unterstützen, woraus sich auch ein gewisser Anspruch auf Mitbestimmung ableiten ließe, den wir dann nutzen würden um über den Atlantik zu brüllen: Kuba erwache! Kuba wach auf!

Doch genug der Spekulation. Ein weiteres Merkmal für den drohenden Zerfall Kubas ist die Freilassung von 52 politischen Häftlingen. Dies sei „eine souveräne Entscheidung der kubanischen Regierung“ so Castro. Um so schlimmer! Auf Anfrage hätten wir dem Genossen gern ein paar kreative Vorschläge gemacht, wie er mit seinen Kriminellen verfahren könnte, ohne sie auf den Rest der Welt loszulassen. Das Meer ist groß und direkt vor der Haustür – da kann man schon mal ein bisschen Unrat verklappen.

Aber ich will nicht nur meckern, denn es gibt auch positives aus Kuba zu vermelden. Der Grand-Seigneur des Kommunismus, Fidel Castro hat, stilgerecht im roten Hemd, ein 900 Seiten starkes Buch mit dem Titel „Der strategische Sieg“ vorgestellt. Darin enthalten sind eine Biografie Castros sowie eine Schilderung des Guerilla-Kampfes gegen den kubanischen Diktator Fulgencio Batista. Einen zweiten Band hat er bereits vorangekündigt. Unsere Parteivorsitzende Merkel, kann also schon mal Platz in ihrer Bibliothek machen.

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