Taliban treten antiminenkonvention bei!

Posted on August 15, 2010 von

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Mit diesem befreiungskämpfer gegen nato-terror sprachen wir.

Diese woche trat das übereinkommen über streumunition in kraft. Artillerie und Bomber der unterzeichnerstaaten (darunter die brd, frankreich, spanien, norwegen) dürfen dann keine streumunition mehr verschiessen. Die genannten nato-staaten entziehen sich durch diesen klugen schachzug der söldnerdienste für die usa. Das macht für die usa die kriegführung teurer. Aber auch so ist die ächtung von streubomben ein wichtiger schritt zur humanisierung des krieges, denn blindgänger aus veralteter streumunition töten und verwunden viele zivilisten. Da afghanistan das einzige land ist, in dem militär von den unterzeichnerstaaten im einsatz ist, kann eine verbesserung der humanitären lage nur dort zu beobachtet werden. Das autorInnenkollektiv dr. hilde benjamin hat deswegen einen genossen zu einem interview mit einem talibankommandör entsandt, um die verbesserung festzustellen. Gleichzeitig fragen wir, was er von den auf wikileaks veröffentlichten geheimdokumenten hält.

Genosse: Scheich Akhdhar, sie kommandieren 1000 taliban im befreiungskampf gegen die nato-okkupation im norden afghanistans. Wie machen sie das?

Interkulturelles kommunikationsproblem: Die afghanen wollten die achtlos herumliegenden knochen von sowjetischen soldaten noch behalten.Dank BILD haben wir davon erfahren!

Scheich Akhdhar: Am anfang haben wir es mit friedlichen sitzblockaden und demonstrationen versucht. Das waren die jahre bis etwa 2004. Diese aktionen haben leider ein völlig falsches bild vermittelt. Weil nämlich das land so dünn besiedelt ist und so wenig verkehr ist, hat niemand unsere aktionen wahrgenommen. Die deutschen dachten sogar, man würde gut finden, dass sie die reichtümer unseres landes plündern, nämlich herumliegende knochen.

Deswegen mussten wir leider den bewaffneten kampf wählen. Anfangs musste immer jemand von uns sein leben für jede aktion einsetzen. Das war immer der, der am letzten abend beim strip-poker verloren hat. Als das mobiltelefonnetz fertig aufgebaut war, konnten wir telefonisch ferngezündete minen legen. Nun musste sich nicht mehr jemand opfern. Strip-poker haben wir aber trotzdem weitergespielt.

Genosse: Ich habe gehört, ihr habt seit 2006 dafür sogar alte handys vom nabu bekommen, weil der kampf gegen die kapitalistischen ausbeuter automatisch der umwelt schützt.

Scheich A.: Genau, umweltgerechtes handyrecycling. Für die minen benutzen wir nur noch althandys. Vorher waren es unsere eigenen privattelefone. Das war ziemlich ärgerlich, wenn man gerade den sprengsatz fertiggebastelt hat, und dann ein anruf von jemanden kommt, der vergessen hat, dass er diese nummer nicht mehr anrufen soll. Manchmal verwechseln wir auch die nummern, dann geht der sprengsatz nicht unter dem bundewehrdingo hoch, sondern unter der frauengruppe, die wasser holen sollte. Da sieht man übrigens einen vorteil der burka: Durch den stoff fliegen die körperteile nicht so weit rum.

Ja, und manchmal machen wir kleine feuerüberfälle und hinterhalte, um die nato-soldaten auf die minen zu locken. Das klappt sehr gut, weil die sehr berechenbar sind. Inzwischen sagen sie uns sogar, wann wir sie wo treffen können. Das tun wir dann auch! Aber nachts arbeiten wir nicht. Da können wir gar nicht sehen, ob die nato-soldaten nun bei der mine sind oder nicht. Um diese zeit brauchen wir das telefonnetz also gar nicht.Deswegen haben wir die ökologische massnahme durchgesetzt, dass die atomstromfressenden handymasten über nacht ausgeschaltet werden.

Genosse: Nun wurde die übereinkunft gegen streubomben von der brd unterzeichnet. Wie werdet ihr darauf reagieren?

Scheich A.: Die imperialistische aggression erzeugt nun nicht mehr so viel ungerechtigkeit, weil wir jetzt mit der taktik der menschlichen welle den feind besiegen können. Bekanntlich besteht eine aggression immer darin, überlegenere waffen zu haben.

Genosse: Ja, der imperialistischen kriegsmaschinerie braucht teure waffen, damit das kapital seine herrschaft behaupten kann. Dabei sollte auch bei der kriegführung der mensch im zentrum stehen, das macht ihr viel besser. — Streubomben setzt ihr aus euren nicht vorhandenen flugzeugen ja sowieso nicht ein, ihr seid eben viel humaner. Aber der antiminenkonvention seid ihr noch nicht beigetreten. Werdet ihr nun auf sprengfallen verzichten?

So einen schönen teppich gibt es, wenn die taliban gewinnen.

Scheich A.: Natürlich! Wenn soziologen und jürgen trittin sagen, dass unser bewaffenter kampf nur eine reaktion auf die aggression ist, dann können wir ja gar nicht anders, wenn die aggression jetzt weniger schlimm wird, das ist ja wie ein physikalisches gesetz. Bald ist unsere ratifizierungsurkunde fertig. Als zeichen der hochachtung vor der humanitären kriegsführung wird er in form eines von kinderhand geknüpften teppichs entstehen. Mein sohn selbst wird ihn knüpfen!

Genosse: Toll, wann ist es soweit?

Scheich A.: In ein paar jahren werde ich eine frau haben, die mir einen sohn gebären wird. Die nato-aggression und das jahrelange embargo gegen uns hat mich leider gezwungen, mein geld statt für den brautpreis für munition auszugeben.

Genosse: Wie bewertet ihr die nato-geheimdokumente, die bei wikilieaks veröffentlicht wurden?

Scheich A.: Erstmal vielen dank für eure solidarische forderung nach offenlegung aller nato geheimnisse! Nun, in den dokumenten wird natürlich nur gelogen. Nach jedem scharmützel haben wir offengelegt, wie viele panzerfahrzeuge wir zerstört und wie viele hunderte nato-soldaten wir getötet haben. Das wird dort verschwiegen, damit die öffentlichkeit im westen nicht aufbegehrt. Skandalös ist ausserdem, dass in den wahrheitsgetreuen geheimdokumenten von viel mehr toten zivilisten geschrieben wird, als es die nato zugibt. Das wird verschwiegen, damit die öffentlichkeit im westen nicht aufbegehrt.

Genosse: Seit wirklich ihr das gewesen, die kürzlich zehn ärzte getötet haben, oder waren es nur barbarische banditen?

Scheich A.: Wieso oder? Natürlich waren wir es. Die ärzte haben missionieren wollen. Das ist volksverhetzung! Wir haben ihre propgandawerkzeuge gesehen: Skalpelle, desinfektionsmittel, mullbinden. Genosse trittin hat völlig recht, dass wir nach dieser notwendigen selbstverteidigungsaktion gegen unbewaffnete ärzte endlich als verhandlungspartner zum finden eines kompromisses ernstgenommen werden müssen.