bluthilde wörterbuch: Sprache

Posted on September 9, 2010 von

9


Wir als literarisch-politische aktivistInnenvereinigung sind verpflichtet, die sprache der instrumentalisierung und manipulation durch die herrschende klasse zu entziehen. Es darf nicht sein, dass den unterdrückten massen ausser ihrem einkommen auch noch die sprache, mit der sie ihren sozialen protest artikulieren muss, genommen wird. Deswegen werden wir fortan wörter, die im politischen diskurs zentral sind, im bluthilde-wörterbuch um die etablierten fehldeutungen des kapitalistisch-neoliberalistischen systems bereinigen.

Heute der erste eintrag:

Sprache:

Sprache wird im unkritischen oder neoliberalen verständnis für ein kommunikationsmittel gehalten. Das richtige sprachverständnis sieht in sprache aber einen teil des gesellschaftlichen überbaus, d.h. als ein herrschaftsmittel. Sprache gestaltet das bewusstsein. Wo sprache ist, da wird geherrscht! Sei es ein liebesbrief, sei es eine pöbelei im strassenverkehr, ein plausch beim feierabendbier oder sei es das fragen nach dem weg in einer fremden stadt: Überall dient sprache der herrschaftskonservierung oder der artikulativen bremsung revolutionärer betätigung. Beim liebesbrief ist es die pflege des patriarchalischen und sexualrepressiven zwangsehesystems. Bei der auseinandersetzung mit der vorfahrtbesitzenden klasse ist die sprache das ventil, durch den revolutionärer druck systemerhaltend abgebaut werden soll, weil lieber gepöbelt als zugeschlagen oder das auto angezündet wird. Beim feierabendbier ist das wort „prost“ die unbewusste verabredung zur sozialen ungerechtigkeit, weil nach diesem wort die gleichheit in den bierglasfüllständen der wirtschaft und dem kapital im geldbeutel überlassen wird. Beim fragen nach dem weg ist die sprache das mittel, mit dem sich der globalisierungsprofitör zulasten des/der indigenen bewohnerIn der/die nicht republikflüchtig geworden ist, bereichern will.

nsbesondere muss Sprache deswegen einer richtigen verwendung für die herrschaft aller und nicht des kapitals dienlich gemacht werden. Ein hauptmittel ist das binnen I, denn rosa luxemburg erinnerte an das wort Charles Fourier, demzufolge „der Grad der weiblichen Emanzipation [in jeder Gesellschaft] das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation ist“. Mit dem binnen-I wird der phallus als willkürliches diskriminierungskriterium zur zugehörigkeit zur patriarchalisch bestimmenden geschlecht entwertet, denn das binnen-I ist ein emanzipatorischer phallus, den nur frauen haben können.

Aber auch die entlarvung der grammatik –und insbesondere der grossschreibung– als ablenkungsmanöver der herrschenden schichten, sprachliche äußerungen nicht wegen ihres klassenstandpunktes sondern wegen der gesellschaftlich irrelevanten grammatik als richtig oder falsch beschreiben zu können, ist ein teil sprachlichem des emanzipation.