Grüne: Mit Sozialismus gegen Deutschfeindlichkeit

Posted on Oktober 11, 2010 von

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Es war keine klischeehafte, von regressivem Bewusstsein erfüllte Liebesbeziehung, welche die Partei der kritischen Intelligenz und Deutschland stets verbunden hatte – nicht das, was wir aus reaktionärer Eichendorff-Lyrik, stupiden Heimatromanen oder imperialistischen Country-Songs kennen.

Nicht zuletzt deshalb blieben ihre Abgeordneten auch am 9. November 1989, dem schandvollen Tag der Konterrevolution, demonstrativ sitzen, als der von westdeutschen Kriegstreibern beherrschte Bundestag die Nationalhymne anstimmte. Immerhin hatte noch wenige Wochen zuvor die „Alternative Liste“ im (West-)Berliner Abgeordnetenhaus, die zu 37% aus langjährigen führenden Kadern der intellektuellen Avantgarde der Arbeiterklasse in Form des „Kommunistischen Bundes“ und der SEW bestand, dem Genossen Staatsratsvorsitzenden ihre Grußadressen zum 40. Jahrestag der DDR überbracht, die – wie die grünen Genoss_innen unterstrichen – es geschafft hatte, die „faschistische Kontinuität in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft auf deutschem Boden zu durchbrechen“.

Nein, die Liebe der Partei der kritischen Intelligenz zu diesem Land ist eine reife, erwachsene, auch wenn die Reaktion behauptet, die Gesellschaft, die in Umfragen bereits 25% oder mehr an Zuspruch für die Grünen ausweist, wäre von institutionalisierter pubertärer Rebellion geprägt, da es anders nicht zu erklären wäre, wie die Partei der kritischen Intelligenz so viel Zuspruch ernten könne.

Die Zuneigung der Grünen zu diesem Land geht sogar so weit, dass sie auch vor in früheren Zeiten weithin tabuisierten Sexualpraktiken nicht Halt macht - hier polygame patriotische Natursektorgie. Die Wähler_innen honorieren solcherart Offenherzigkeit - wie Umfragen bestätigen - gerne.

Sie kennt keine Tabus und lässt sich auch durch eine in immer höherem Maße zutage tretende ästhetische Herausforderung beider Teile nicht erschüttern. Im Gegenteil, je hässlicher das Land wird, umso inniger wird die wechselseitige Bindung zwischen ihm und der Partei der kritischen Intelligenz. Und sie wird immer stärker, weil grüne Politik dazu führt, dass der Wille zur Selbstentknechtung durch Mut zur Hässlichkeit immer stärker die gesamte Republik erfasst.

Ein Deutschland, wie es die Partei der kritischen Intelligenz gestaltet, muss niemand mehr hassen, denn es hat nichts mehr an sich, was über so lange Zeit hinweg das durch die Herrschenden geformte Bild in aller Welt gekennzeichnet hatte – nichts mehr von jener konterrevolutionär-selbstabgrenzerischen Innerlichkeit, an deren Stelle Loveparade und Fanmeilenkultur getreten sind, nichts mehr von Sekundärtugenden, wie sie noch das kapitalistische Wirtschaftswunder der faschistischen Adenauer-Jahre geprägt hatten, nichts mehr von Dynamik und technologischem Fortschritt, denn der ruft, wo immer er es wagt, sein Haupt zu erheben, mehrere Zehntausend hauptberufliche Demonstrant_innen auf den Plan.

Der Genosse Özdemir hat dies richtig erkannt und sich aus diesem Grunde auch auf revolutionäre Weise eines Themas angenommen, das bislang fast nur von den Kommunisten für Sarrazin thematisiert worden war: nämlich der Deutschenfeindlichkeit auf Schulhöfen.

Nach so vielen Jahrzehnten eines bereitwillig angenommenen fortschrittlichen Wertewandels und eines Verzichts auf jede Regung nationalen oder kulturellen Selbstbewusstseins ist aus dem Deutschen etwas geworden, was schützenswert erscheint – insbesondere vor dem Hintergrund, dass neben der Überwindung regressiver Bewusstseinsinhalte auch eine deutliche Gegnerschaft zu US-Imperialismus, Zionismus oder Klimaleugnung zu den gängigen Wertvorstellungen innerhalb der deutschen Gesellschaft zählen.

Es scheint, als würde die kritische Intelligenz das schaffen, was bereits der Partei der Arbeiterklasse in der DDR kurzfristig gelungen war, ehe die Agenten der Finanzmonopole ihre Sabotagetätigkeit entfalten konnten: nämlich die Schaffung einer eigenständigen sozialistischen Nation, die an die Stelle der zuvor von den bürgerlich-faschistischen Ausbeutereliten definierten deutschen Nation im traditionellen Sinne treten würde.

Folgerichtig kann die Feindseligkeit gegen Persönlichkeiten, die sich als lebende Leuchttürme gelungener fortschrittlicher Bildungspolitik präsentieren, auch dann als Angriff auf den Sozialismus angesehen werden, wenn diese von Bereicherern ausgeht.

Der Genosse Özdemir hat deshalb auch ganz richtig unterstrichen, dass Unstimmigkeiten zwischen der fortschrittlichen Arschgeweih-, Komasauf- , Tattoo- und Gender-Kultur auf der einen Seite und der – dem Zustand der Urgesellschaft näheren – Bereichererkultur nicht durch Diskriminierung, sondern nur durch noch mehr Sozialismus gelöst werden müssen.

Die Schulen müssten – so der Genosse Özdemir – „in die Lage versetzt werden, wenn nötig auch gegen die Familie oder ein Milieu zu erziehen, wenn dort Einstellungen vermittelt werden, die mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar sind“, sagt der Grünen-Politiker. Darum seien Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen so wichtig.

Kulturbereicherung ohne diskriminierende Misstöne und – durch mangelnde Kultursensibilität vieler immer noch in reaktionärem Bewusstsein verharrender Einheimischer verschuldete – Missverständnisse kann nur dann zielführend betrieben werden, wenn es die Partei ist, die die Richtlinien bestimmt.

Dass es in der Lage ist, rasch und effizient zu reagieren, hat das sozialistische Staatswesen ja kürzlich in Form des schnellen und beherzten Eingreifens einer kultursensiblen Eingreiftruppe im Rahmen des „Schnitzelkriegs“ bewiesen…