Binnen-I, gender gap und gender character II

Posted on November 11, 2010 von

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Wie kürzlich angekündigt, wollen wir die wertvollen vorschungsergebnisse von prof. wilhelm bückreich vom institut für queertheoretische sprachforschung (vormals friedrich-engels-institut für marxistische sexuallinguistik) vorstellen. Wir leisten damit einen wichtigen beitrag zur debatte um den feminismus, die nicht geführt und gewonnen werden kann und darf, ohne die grundlagen des marxismus zu berücksichtigen. Denn laut marx ist die gesellschaftliche schieflage und das falsche –aggressive, diskriminierende, usw.– bewusstsein folge sozial ungerechter besitzverhältnisse. So ist es auch bei den geschlechterverhältnissen: Der eine besitzt eine vagina, die andere einen penis und das dritte ein gesäß. Daraus folgt, dass unterschiedliche und unnatürliche geschlechtsidentitäten den menschen nur durch diese besitzverhältnisse aufgezwungen werden. Oberste gesellschaftliche aufgabe ist die befreiung von diesen zwängen. Das geschieht am besten, indem man sexuelle unterschiede, wo sie unterdrückungsinstrument der herrschenden eliten sind –etwa in der ehe– aus dem bewusstsein verdrängt und im gegenzug diese unterschiede auf gebieten ins bewusstsein holt, wo sie die ausbeutung der herrschenden eliten behindern, etwa bei der erwerbsarbeit, dem „freien“ (nach neoliberaler lesart) aushandeln des arbeitslohnes oder der unternehmensführung. Diese umerziehung des volkes hin zu einer wirklich freien gesellschaft, in der jede!R jede!N mag, geschieht durch die vermurxung der sprache, nämlich den gebrauch des gender characters.

Der gender character bereichert die sprache um ihre sexualartikulativen fähigkeiten, indem nun alle personenbezeichungen zusätzlich informationen über die sexuelle identität und lebensform enthalten, auch wenn es –für die wirklichkeitsverleugnenden konservativen und moralapostel– angeblich vom zusammenhang her unnötig ist, weil nur über die „ökonomische funktion“ einer person oder einer personengruppe gesprochen wird, nicht über deren sexuelle betätigung. Daran sieht man übrigens die menschenverachtende qualität dieser ideologie: Der mensch wird reduziert auf eine funktionserfüllende maschine. So werden die natürlichen –insbesondere sexuellen– bedürfnisse ausgeklammert und der mensch verdinglicht.

Wir möchten jetzt einige beispielsätze bringen, die den gebrauch des gender characters veranschaulichen:

  • „Die genoss&innen unserer betriebskampfgruppe kontrollieren männer beim stehpinkeln, um miktionaler diskriminierung vorzubeugen.“ — Der gender character & zeigt ein kollektiv an, dass in seiner kollektiven eintracht
  • „Bei der csu gibt es fortschrittliche politiker%innen.“ — % als gender character weist auf eine quotierte genderzusammensetzung hin. Jeder kann sich zwar sein gender selbst aussuchen und verlangen, dass das von der gesellschaft respektiert und toleriert wird, aber um csu-politiker%in zu werden, muss man in den genderproporz passen. Das ist wichtig, damit nicht etwa leute wegen ihres geschlechtes diskriminiert werden. Den teufel treibt man ja auch mit dem beelzebub aus.
  • „soldat!innen müssen ihre sexualität auch in biwak und gefecht ausleben können, um nicht zu imperialistischen mörder+innen zu werden.“ — Der gender character ! bezeichnet in ihrer sexuellen identität gefestigte und unverklemmte menschen, wohingegen der gender character + das festhalten an der geschlechtsdualen faschistischen gewaltideologie überholter religionen anzeigt.
  • „es müssen mehr bundeswehrsoldat+innen in afghanistan sterben, aber es dürfen nicht so viele soldat~innen zu langen auslandseinsätzen herangezogen werden“ –Der gender character + hat zugleich eine ähnlichkeit mit der kampfflugzeugkennzeichnung bei der luftwaffe, denn das festhalten an der sexualrepressiven gewaltideologie macht soldat?innen zu tötungsmaschinen, um die es nicht schade ist. Soldat~innen sind hingegen menschen, die sich in wellenförmigen bewegungen auf wasserbetten verlustieren und damit für den weltfrieden positiv sind.
  • „Die gewalt unter migrant?innen beruht auf sexueller verunsicherung.“ –Der gender character ? verdeutlicht, dass es um eine gruppe geht, in der geschlechtsidentitäten nicht ausdiskutiert sind und vormoderne anatolische rollenverständnisse in konflikt zur fortgeschritteneren gesellschaftlichen entwicklungsstufe stehen.
  • „Mitbürger²innen suchen einen status als eingetragene lebenspartner$innen.“ –Dieser satz macht den bedeutungsgewinn durch den gender character besonders gut deutlich. Der gender character ² deutet an, dass es sich um mitbürger!innen handelt, die noch der altfaschistischen vorstellung von der ausschließlichen zweierbeziehung anhängen, seien sie nun schwul oder lesbisch. Der gender character $ zeigt nun an, dass die sexualökonomie zwischen den partner_innen entsprechend durch materielle zwänge der gegenwärtigen ungerechten gesellschaft, dessen symbol der dollar ist, dominiert wird. Durch diese gender character wird der ganze satz viel brisanter in seiner kritischen aussagekraft.

Wir hoffen, dass diese sprachregelung bald von einer breiten bevölkerungsmasse übernommen wird und jeder zweifel ausgeräumt ist, wozu diese putzigen sonderzeichen auf der tastatur da sind.

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