Jesus hätte „Die Grünen“ gewählt!

Posted on Januar 7, 2011 von

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Das fundamentalistische, dem Weltzionismus hörige und kriegstreiberische Hetzblog „Castollux“ mag nicht erfreut darüber sein. Fakt ist aber, dass die Erfolge fortschrittlicher Bewusstseinsarbeit während der letzten Jahrzehnte auch in den früheren Zwingburgen des unwissenschaftlichen Aberglaubens so durchschlagend waren, dass der Weg der Volkskirchen in die Volksfront nicht mehr nur die Ebene eines Dialogs, sondern in weiten Teilen bereits jenen Zustand erreicht hat, der den ehrwürdigen Genossen Albrecht Schönherr, seines Zeichens Vorsitzender des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR, 1971 zu den denkwürdigen Sätzen veranlasst hatte:

„Wir wollen Kirche nicht neben, nicht gegen, sondern Kirche im Sozialismus sein.“

So sehr wir natürlich die heldenhafte und nicht immer einfache Arbeit unserer nützlichen Idioten Botschafter_innen des Fortschritts und des Friedens in der anderen großen Volkskirche, jener der Römischen Katholiken, nicht vergessen wollen, so sehr würden wir der gestaltenden, schöpferischen Kraft innerhalb der EKD Unrecht tun, wenn wir sie nicht als wesentliche Seismogräfin für die Durchdringung aller Gesellschaftsbereiche mit sozialistischen Gedanken würdigen.

Jesus hätte die Kranken, Blinden und Gelähmten nicht selbst geheilt, sondern die Schaffung einer sozialen Krankenversicherung für alle gefordert!

Am gleichen Ort, da der Genosse Schönherr seinen Kotau vollzogen seine Loyalität zum unverlierbaren Humanum in der wissenschaftlichen Weltanschauung des Marxismus-Leninismus beschworen hatte, war bereits vor seiner Zeit 1939 mit Zustimmung von mehr als 3/4 aller Evangelischen Landeskirchen das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ gegründet worden. Wenn dieses auch noch nicht in vollem Ausmaß der das Dasein erfüllenden Helligkeit des Klassenstandpunktes teilhaftig wurde, so war es doch immer auf der Höhe der Zeit und war durch seine Variante der historisch-kritischen Auseinandersetzung mit den überlieferten Glaubenswahrheiten zu Erkenntnissen wie dieser gekommen: „Religion ist die innerste Kraft und feinste Blüte im geistigen Leben eines Volkes, kann aber nur in völkischer Ausprägung kulturkräftig wirken […] Eine innigere Verbindung zwischen Deutschtum und Christentum ist nur zu erreichen, wenn dieses aus der unnatürlichen Verbindung gelöst wird, in der es nach bloßem Herkommen mit der jüdischen Religion steht.“

Zwar konnte die Bundesarbeitsgemeinschaft „Christinnen und Christen bei den Grünen“, als Gruppe innerhalb der Partei 1984 in etwa zeitgleich mit jener für „Schwule und Päderasten“ gegründet, nicht selbst stilgerecht ihre Gründungsdeklaration von Eisenach aus in die Welt senden, sie zeigte aber damals und sie zeigt noch heute, dass sich der Zeitgeist und der Fortschritt nie so schnell bewegen könnten, als dass die Eliten innerhalb der EKD und die qualifizierte Mehrheit an der Basis nicht mit ihnen Schritt halten könnten.

Und so bringt diese Arbeitsgemeinschaft das zum Ausdruck, was seit Jahr und Tag längst gängige Praxis unter allen gesellschaftlich relevanten Würdenträger_innen innerhalb der EKD ist (und warum die Genoss_innen von den Freien Christen etwas zu vorschnell in ihrem Urteil waren):

„Christliche Ethik als Leitlinie alltäglichen, verantwortlichen Handelns gebietet es geradezu, sich an den Maximen grüner Politik zu orientieren.“

Und das ist genau jener Knackpunkt, an dem sich unterscheiden lässt, ob eine Person, die sich als Christ bekennt, ein verachtenswürdiger, fundamentalistischer, kreationistischer, faschistisch-patriarchalischer, Countrymusik hörender, Mehrwert aneignender, imperialistischer, Fahnen wedelnder, monogamer und den Planeten ausbeutender Kapitalistenknecht ist oder ein_e Genoss_in, der_die den Willen erkennen lässt, den Klassenauftrag zu erkennen und diesem gemäß zu handeln.

Während Erstere nämlich die von Menschen mit dem Hintergedanken, darauf ihre Herrschaft aufzubauen, geschriebene Bibel als einzigen Bezugspunkt christlicher Ethik akzeptieren, erkennen Letztere, dass diese nur ein Produkt ihrer Zeit ist, eine Sammlung großteils befremdlicher Märchen und Geschichten, und dass die historisch-kritische Analyse derselben zum Ergebnis kommen muss, dass es keinen Gott gibt, dieser entsprechend auch kein Sohn haben konnte oder kann und dass einzig relevant an der erdachten Person des Jesus Christus sein kann, was dieser heute machen würde, würde er unter den derzeitigen Produktionsverhältnissen und mit dem Bewusstseinsstand eines aufgeklärten Mitglieds der kritischen Intelligenz wirken.

Und darauf können – und deshalb irrt der Genosse Posener, wenn er in unterkomplexer Weise die Grundanliegen des Christentums und des Sozialismus einfach synonym setzt – in der Tat nur gefestigte Genoss_innen eine Antwort geben, die wirklich dabei waren und ihr Handeln an den politischen Maximen der Partei der kritischen Intelligenz ausrichten.

Würde es Gott wirklich geben, hätte Jesus seinen Adorno gelesen und gegen seinen Vater rebelliert!

Selbstverständlich dürfen auch aufgeklärte westliche Intellektuelle keinen kulturimperialistischen Standpunkt einnehmen. Thesen wie jene von Jesus als erstem Shahid des antizionistischen palästinensischen Widerstandes müssen natürlich als gleich wahr betrachtet werden wie die Auffassungen, Jesus hätte es gar nicht gewesen, er wäre schwul oder er wäre verheiratet gewesen.

Wäre die Bibel auf der Basis des heutigen Standes der Wissenschaft und der proletarischen Bewusstseinsbildung geschrieben worden, hätte Jesus zweifellos Adorno gelesen und gegen seinen angeblichen, wie wir wissen nicht existierenden Vater rebelliert.

Er hätte die offenherzigen, toleranten und aufgeschlossenen Bewohner der Städte Sodom und Gomorrha rehabilitiert, die zum Opfer jüdisch-zionistischer Intoleranz und Prä-Apartheid wurden wie heute die Freiheitskämpfer_innen der Hamas.

Auch hätte er nie gewagt, die Ehebrecherin aus dem Johannesevangelium aufzufordern, zu gehen und nicht mehr zu sündigen, denn a) hätte er „Sünde“ allenfalls in Form des Bestehens ausbeuterischer und Ungleichheit begünstigender Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen begriffen, und b) hätte er – spätestens nachdem ihn die moralischen Eliten aus Hollywood darauf hingewiesen hätten -, gewusst, dass die Forderung nach Monogamie und ehelicher Treue Ausdruck eines regressiv-patriarchalischen und zutiefst faschistischen Besitzdenkens ist, das zu Krieg, Unterdrückung und zum Hören von Country Musik führt und den herrschenden Ausbeuterkapitalismus erst möglich gemacht hat.

Je nach Wahrheit, die immer zeit-, orts- und kulturkreisgebunden ist, hätte er entweder der Steinigung durch den örtlichen Imam zugestimmt oder aber er hätte ihr ein Kondom gereicht, um sie in ihrem gefälligen Lebenswandel nicht der Gefahr von AIDS auszusetzen.

Nie hätte er böse Geister ausgetrieben und gar – vor allem aus kultursensibler Rücksichtnahme – in eine Schweineherde fahren lassen. Eher hätte er nach den sozialen Ursachen für ihr unkonstruktives Verhalten gefragt und die örtlichen Autoritäten dazu aufgefordert, ein paar neue Sozialarbeiter_innen einzustellen. Das wäre auch seine Methode gewesen, um die seelische Grausamkeit allgegenwärtiger Beleidigung unserer muslimischer Mitbürger_innen zu bekämpfen. Er hätte dem Affen Bush und dem zionistischen Gebilde den Kampf angesagt wie es sich für einen anständigen Sozialisten gehört!

Auch die Heilungen von Kranken, Blinden und Gelähmten hätte er nie selbst vorgenommen: Für so etwas hätte er die Schaffung einer sozialen Pflichtkrankenversicherung angeregt, bei der die Beitragsbemessungsgrenze so hoch anzusetzen gewesen wäre, dass sich wirklich niemand von der Versicherungspflicht hätte befreien lassen können und über Behandlung oder Nichtbehandlung hätten wahlweise die Angehörigen oder ein medizinisches Beraterteam getroffen.

Vor der Speisung der Viertausend hätte Jesus sich – wäre die Bibel korrekt, gerecht und gemäß dem wissenschaftlichen Weltbild verfasst worden – um ein nachhaltigkeitskonformes und ökologisch verträgliches Entsorgungskonzept für die Abfälle gekümmert. Den Tempel hätte er, als er die Händler vertrieben hatte, nicht verwüstet, sondern er hätte NGOs die Möglichkeit gegeben, auf den verwaisten Tischen die Bevölkerung über ihr Wirken aufzuklären.

Das Ährenraufen am Sabbat hätte er als zu Gewalt verherrlichend verboten und vor allem hätte er mehr Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und TransGender-Personen zu seinen Jünger_innen gemacht.

Je nachdem, was kultursensibel geboten gewesen wäre, hätte er der Steinigung der Ehebrecherin durch den örtlichen Imam zugestimmt oder ihr ein Kondom mit auf den Weg gegeben...

Da es keinen Gott gibt, hätte Jesus, wäre er mit den Weisheiten der kritischen Theorie vertraut gewesen, nie gesagt, man solle diesem mehr gehorchen als den Menschen. Er hätte – wie die Genoss_innen von der Theatergruppe in Salzkotten – deutlich gemacht, dass „mein Gefühl immer Recht“ hat und damit eine entscheidende Gemeinsamkeit mit der Partei hat.

Aus diesem Grund hätte er auch das Lied der Partei als einzige Form des Lobpreises für die Massen gelten lassen. Und in seinem Regal hätten sich die John-Lennon-Platten für den Weltfrieden getürmt…

Wie wir sehen, hätte sich auch Jesus selbst an den Maximen grüner Politik orientiert. Leider gab es zu seinen Lebzeiten die Partei der kritischen Intelligenz noch nicht. Aber hätte er gewusst, dass sie eines Tages gegründet werden würde, wäre er vor Unzulänglichkeitsgefühlen gegenüber der meilenweiten geistigen, ethischen und moralischen Überlegenheit grüner Leitgedanken gar nicht erst Prediger geworden, sondern Zimmermann geblieben.

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