Hofschwuchteln der Finanzmonopole

Posted on Januar 21, 2011 von

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tiffy

So erquickend es ist, Tag für Tag zusehen zu dürfen, wie fortschrittliche Opinion Leader im Einklang mit unseren Direktiven und in unverrückbarer Treue zum Klassenauftrag den weiteren Aufbau des Sozialismus vorantreiben, so wenig darf der kampfesmutige Prolet seine Pflicht zur Abwehr defätistischer Propaganda und zur Konfrontation mit regressiven Elementen vernachlässigen.

Und so ist es bisweilen Auftrag, Verantwortung und Pflicht, wenn die solidarische Zurechtweisung keine Früchte tragen sollte, nötigenfalls mit dem Mittel der Denunziation gegen unbelehrbare Saboteure des in der Partei vereinten politischen Willens vorzugehen.

Zu dieser Maßnahme zu greifen zwingt uns heute das Blog „Gay West“, das nicht nur eigenmächtig und ohne Abstimmung mit der intellektuellen Avantgarde des Proletariats den endgültigen Erfolg des sozialistischen Aufbaus, also den Kommunismus ausruft, sondern sich zu allem Überfluss auch noch als Onkel Tom im rosa Tütü offenbart, indem es faschistische Hetze gegen den heldenhaften Einsatz britischer Genoss_innen im Antidiskriminierungs- und Genderkampf betreibt.

Das Amtsgericht in Bristol, im Klassenstandpunkt verwurzelt wie die Siegessäule im Granitsockel des Großen Sterns und in bester Tradition der Rechtspflege der Genossin Dr. Hilde Benjamin, verurteilte ein dem christlichen Aberglauben verhaftetes Hotelbesitzerpaar zum Tode durch den Strang, nee, leider bloß  zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 1.800 Pfund (derzeit noch bloß 2.350 Euro), weil es sich geweigert hatte, ein gleichgeschlechtliches Paar in seiner Absteige zu beherbergen.

Der Nationale Sozialismus und seine Epigonen beriefen sich nicht nur politisch auf Vorbilder aus der frühen europäischen Kulturgeschichte, sie pflegten und pflegen auch heute gerne noch altgriechische Traditionen (siehe obiges Video)…

So weit, so gut. Aber was macht „Gay West“? Anstatt sich der Durchsetzung des Willens der Partei zu erfreuen und als nächsten solidarischen Schritt zur sexuellen Befreiung das Recht diskriminierter Zoophiler einzufordern, auch gegen den Willen der regressiven Betreiber neben dem ausgesetzten Rauhaardackel ihrer Wahl im städtischen Tierheim untergebracht zu werden, mäkeln sie rum und beklagen sich, es gehe „hier gar nicht um Glaubensfragen, sondern um Eigentumsrechte“.

Als ob die Erfindung des Privateigentums, die Hand in Hand ging mit der Erfindung der Religion, der Monogamie und der Sexualrepression, nicht die Wurzel der Diskriminierung Homosexueller darstellen würde! Wir haben es sowieso nie verstanden, warum es diesen durch das Lebenspartnerschaftsgesetz ermöglicht werden sollte, das gleiche auf konterrevolutionärer Selbstabgrenzung und kapitalistisch-faschistischem Exklusivitätsdenken beruhende Leben zu führen wie die Ausbeutergesellschaft und die Pfaffen es von den Heterosexuellen verlangen!

„Gay West“ hat in der Folge auch noch ganz andere Sorgen: „Himmel, wenn das so weitergeht mit der Antidiskriminierung, gibt es demnächst staatliche Richtlinien bezüglich der Diversität des eigenen Freundeskreises. Man will ja schließlich niemanden ausgrenzen…“

Eben! Die immer noch vorhandene Diskriminierung in der spätkapitalistischen Gesellschaft, die dazu führt, dass Nekrophile keine rückwirkenden Versorgungsansprüche gegen den geliebten verblichenen Partner anmelden können, die es zulässt, dass eine Ausbildung zum Metzger nicht als ausreichende Qualifikation für eine Tätigkeit als Chirurg betrachtet wird oder dass ein vertikal Herausgeforderter keinen Zugang zum Basketballteam erhält, zeigt, dass Privatautonomie nicht funktioniert und deshalb der Staat verbindliche Richtlinien auch in der Arbeitswelt und im Freundeskreis festlegen sollte.

Nicht jeder Genosse Kamerad aus Bereicherungszusammenhängen zeigt so viel Verständnis für die Situation diskriminierter Homosexueller wie dieser hier!

„Gay West“ hingegen möchte – so wie sich die Schwulenbewegung bereits Ende der 80er-Jahre aus der grünen Aktionseinheit SchwuP gelöst hatte und damit den um ihre Antidiskriminierung kämpfenden Päderasten in den Rücken gefallen war – wieder einmal aus der fortschrittlichen Solidarität ausscheren und sein eigenes Süppchen kochen. Dieses undankbare Pack aus Hofschwuchteln des Monopolkapitals soll nicht vergessen, dass wir Sozialist_innen auch anders können, wie der § 151 des Strafgesetzbuches der DDR oder die einschlägigen Bestimmungen, die der Genosse Stalin erlassen hatte, beweisen.

Natürlich ist „Gay West“ nicht repräsentativ für die gesamte Schwulenbewegung. Es gibt auch linientreue und aufrechte Genossen wie den ehrwürdigen Major a.D. Alfred Schloch, der bereits vor knapp einem Jahr aus seinem bewegten Leben erzählt sowie mit uns über Homosexualität und Sozialismus gesprochen hatte.

Aber auch und gerade vor dem Hintergrund der nicht gerade überbordenden Begeisterung jener Mitbürger_innen mit Bereicherungshintergrund, die unsere Verbündeten im antikapitalistischen, antizionistischen und antiimperialistischen Kampf sind, über die von manchen Genoss_innen als Dekadenzerscheinung des verfaulenden Bürgertums betrachtete Homophilie ist es unsere Pflicht, selbst die Schwulenbewegung zur Ordnung zu rufen, bevor die Genossen Mullahs dies tun müssen…

PS: Le Frosch aus dem kath.net-Forum (siehe Bild oben), Tiffy (siehe Eingangsbild) und unzählige weitere Bluthilde-Fans, die es nicht zugeben wollen, freuen sich schon! Am kommenden Sonntag wird hier über „Wege zum Kommunismus“ referiert