Bernburg wird Freiluft-Bräunungsstudio

Posted on Januar 25, 2011 von

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Shovel_Pinkies_Mother

Kaum ebbt die braune, dünnflüssige Suppe ab, die sich seit dem Hochwasser vor drei Wochen über Teile der Talstadt gelegt hat, steht die Geburtsstadt der ehrwürdigen Genossin und Perle der sozialistischen Rechtspflege, Dr. Hilde Benjamin, vor der nächsten großen Herausforderung.

Wie die „Leipziger Volkszeitung“ schlagzeilt, wollen die Nationalen Sozialist_innen ihren Wahlkampf zur Landtagswahl, die am 20.3. stattfinden wird, vom malerischen Markt auf der Talstadtseite der Saale aus führen. Beobachter werten diese Erkenntnis als politische Sensation, da bislang offenbar weithin davon ausgegangen wurde, dass das blickdicht verrammelte Büro, das seit etwa 3 Jahren als Landesgeschäftsstelle bzw. sogar Bundesbüro ihrer Jugendorganisation genutzt wird, Teil eines Beschäftigungsprogrammes für das örtliche Glaserhandwerk sein sollte, das gefühlte 2x jährlich anzurücken pflegte.

Der sachsen-anhaltinische NPD-Landesverband, von eigenen Anhängern vor Ort schon mal liebevoll als „Bande aus Legasthenikern, Alkoholikern und Schulabbrechern“ gewürdigt, wird vor Beginn der intensiven Wahlkampfphase in Umfragen zwischen 3 und 4% gehandelt. Und vor dem Hintergrund der bisher an den Tag gelegten Effizienz erscheint es als außerordentlich wahrscheinlich, dass am Abend des 20.3. nicht nur eine (nämlich die hier im Aufwind befindliche Partei der Arbeiterklasse), sondern künftig drei sozialistische Parteien (zusätzlich noch die Partei der kritischen Intelligenz – denn eine 99%ige Unterstützung von Medien und Eliten müsste selbst in Sachsen-Anhalt für 5% in der Gesamtbevölkerung reichen – und eben die Genoss_innen Kamerad_innen) im Magdeburger Landtag vertreten sein werden.

Die Nationalen Sozialist_innen schafften es bislang, sich ohne großen Einsatz von Eigenmitteln in Szene zu setzen. Sie treffen stilsicher den durch den sozialistischen Aufbau geschaffenen Zeitgeist, indem sie sich Dinge, die sie nicht zwingend selbst leisten müssen, von der fürsorglichen Hand des Staates abnehmen lassen. Sogar die Propaganda.

Und damit ist nicht nur der obligatorische Nebenverdienst gemeint, den die Verfassungsschutzbehörden verdienten Kameraden gerne mal gewähren – und der von den Brechern der Zinsknechtschaft bei Bedarf auch renditeträchtig im Interesse der politischen Avantgarde der Volksgemeinschaft angelegt wird.

Glaubt man den Einschätzungen von Kreistagskollegen, beherrschen Mandatsträger der Nationalen Sozialist_innen in erster Linie das, was man im Italienischen als „l`arte di non apparire“ beschreibt. Und in der Tat wissen die Kamerad_innen möglicherweise selbst gut genug, dass sie durch eigenes offensives Auftreten eher in der örtlichen Oyster-Bar spürbaren Zuspruch finden würden als unter den Massen.

Kamerad Detlef A. aus Grube Ferdinande klärt die Kameradschaften vor Ort gerne über Wege zur Erderwärmung auf...

Diese Zusammenhänge sind selbstverständlich auch den anderen sozialistischen Parteien sowie jenen des demokratischen Blocks bekannt. Und aus diesem Grund wird die symbiontische Beziehung zu den Nationalen Sozialist_innen so weit gepflegt, dass von jenen 6-7%, die am Wahlabend für die NPD als möglich erscheinen, mindestens die Hälfte auf Fremdeinwirkung zurückgeht.

Jedenfalls zeugte es schon zu seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister von einem gehörigen Maß an gesundem Selbstbewusstsein seitens des nunmehrigen Genossen CDU-Spitzenkandidaten Reiner Haseloff, zu denken, bei den Massen zu punkten, indem er einem – gefühlt mit mittelmäßigem Förderschulabschluss ausgestatteten – einzelnen Schornsteinfeger aus einer 3.200-Seelen-Gemeinde an der Unstrut den totalen Krieg erklärte. Dass dieses Vorgehen den Nebeneffekt hatte, dass dieser Schornsteinfeger seinen Stimmenanteil bei der letztjährigen Bürgermeisterwahl von nicht unbescheidenen 13% bei der Kommunalwahl 2009 auf fast 25% ausbauen konnte, unterstreicht, dass die Intensität des antifaschistischen Kampfes vor allem gegen vom gemeinen Proletarier als „Underdog“ wahrgenommenen Persönlichkeiten vorübergehend zu einem ähnlichen Anstieg der NPD-Stimmenanteile führen kann wie die menschengemachte Erderwärmung zu kalten Wintern.

Auch das mit Blick auf die Rechtsprechung in ähnlich gelagerten Fällen bereits ex ante als aussichtslos zu betrachtende Unterfangen, den Parteitag der braunen Kamerad_innen in Hohenmölsen verhindern zu wollen, das am Ende auch prompt zu einer gerichtlichen Niederlage der Stadt auf Steuerzahlers Kosten führte, wurde in nicht unerheblichen Teilen der Bevölkerung nicht im gleichen Maße als heroischer Akt wahrgenommen wie unter den Initiator_innen.

Allerdings könnte die massive Unterstützung des NPD-Wahlkampfes durch die fortschrittlichen und die anderen Blockparteien auch auf die angespannte Haushaltslage zurückgehen. Diese hatte beispielsweise im Salzlandkreis Befürchtungen aufkommen lassen, dass Mittel für den „Kampf gegen Rechts“ dem Rotstift zum Opfer fallen.

Eine sichtbare Legitimationsbasis in Form einer starken braunen Fraktion im Landtag könnte fortschrittlichen Kräften die Argumentation für eine Aufstockung der entsprechenden Mittel erleichtern und hat dies zum Teil auch bereits getan.

Da der antifaschistische Kampf aber immer auch den Kampf gegen die herrschenden Bedingungen selbst und gegen das kapitalistische System voraussetzt und nur die Überwindung der auf Profit und Privateigentum beruhenden Produktionsverhältnisse den Faschismus von der Wurzel her ausrottet, schlagen wir vor, als Autor_innenkollektiv Dr. Hilde Benjamin künftig den Kampf gegen Rechts in Stadt, Landkreis und Land zu übernehmen.

Da wir bescheiden sind und es uns um die Sache geht, würden wir uns auch mit einem jährlichen Etat von € 200.000,00 plus laufende Betriebskosten für ein Hilde-Benjamin-Museum in zentraler Lage in Bernburg zufrieden geben. Vorerst zumindest.