Warum wir Konservative in der Pfeife rauchen…

Posted on Februar 24, 2011 von

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Guttenberg hat nicht nur betrogen, er hat die gesamte kritische Intelligenz beleidigt!

Konservative sind Gegner, die wir Sozialist_innen zum Frühstück fressen. Das wird sich früher oder später einmal mehr auch am Beispiel Karl-Theodor zu Guttenbergs zeigen, dessen Rücktritt nur noch eine Frage der Zeit ist – spätestens seit die Universität Bayreuth nach immerhin fünf Tagen der Prüfung die unzureichende Qualität seiner Dissertation nachgewiesen hat, die sie dereinst im Jahr des „Sommermärchens“ noch freudetrunken mit „summa cum laude“ bewertet hatte. Na ja, diesmal hat man sich eben etwas mehr Zeit für die Beurteilung genommen und war auch nicht abgelenkt.

Konservative haben ein Problem, das ihnen im politischen Kampf einen entscheidenden Nachteil bereitet: Sobald man ihnen vorwirft, Sünden begangen zu haben, und der fortschrittliche Qualitätsjournalismus mit seinem überlegenen Intellekt, seiner grandiosen Empörungsleistung und seinen erhöhten Leberwerten – denn andere erkennen wir nicht an – diesen Vorwurf durch 1000malige Wiederholung zur Wahrheit erhebt, fallen sie früher oder später einer fitter species zum Opfer, nämlich uns.

Wir glauben nicht an Sünde. Wir halten Moral für ein Blendwerk der herrschenden Klasse, das nur erfunden wurde, um das Weltproletariat daran zu hindern, ein klassenkämpferisches Bewusstsein zu entwickeln und sich gegen den Ausbeuterkapitalismus zu erheben. „Moralisch“ kann für uns daher allenfalls sein, was dem Zweck dient, die herrschenden Produktions- und Gesellschaftsverhältnisse sowie deren Über- und Unterbau zu zersetzen und damit das Gegenteil dessen, was die bürgerlichen Büttel der Finanzmonopole für moralisch halten.

Genosse Cohn-Bendit oder die Odenwaldschule fingern an Kiddies rum, die tags zuvor noch am Schnuller gezogen hatten? Alles easy – wer damit ein Problem hat, zeigt nur, dass er ein regressives Bewusstsein hat. Unsere Aktivisten befördern am Rande einer Demo wieder mal 82 Bullen ins Krankenhaus? Kollateralschäden im antifaschistischen Kampf. Rapper rufen zu Vergewaltigung, Polizistenmord und Judenhass auf? Alles nur ein Ausdruck modernen urbanen Kulturschaffens. Grüne Minister weigern sich, eine Distanzierung gegenüber ihrer Vergangenheit als Steinewerfer und K-Gruppen-Kader zu äußern? Irgendwie musste man sich als junger Mensch ja gegen die faschistischen Strukturen der BRD-Gesellschaft wehren. Unsere IPCC-Forscher manipulieren Daten, um Temperaturrückgänge zu verheimlichen? Am Klimaschutz hängen Aufträge, Fördergelder und die Rettung des Planeten! Planned-Parenthood-Mitarbeiter als Unternehmensberater für Kinderprostitutionsringe? Wir sind nun mal keine Spießer wie Sarah Palin, die Sex vor der Ehe verdammen, während die 17-jährige Tochter schwanger ist.

Aber: CSU-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg lässt dem akademischen InzuchtWissenschaftsbetrieb nicht den nötigen Respekt angedeihen, indem er vergisst, ein paar Fußnoten zu setzen? Verbringt seine Zeit lieber in seiner – was erschwerend dazukommt, monogamen – Ehe und mit seiner jungen Familie als im Lesesaal mit der kritischen Intelligenz? Skandal! Betrug! Blasphemie! Und das Schärfste dabei: Es gibt so viele naive und opportunistische Trottel unter den Konservativen, die wirklich glauben, es gehe uns um die Integrität der Wissenschaft, dass wir diese als Fünfte Kolonne nutzen können, ohne überhaupt selbst einen Finger zu rühren.

Guttenberg hat nicht nur betrogen, er hat die gesamte kritische Intelligenz beleidigt!

Für uns gibt es keine „moralisch richtigen“ und „moralisch falschen“ Verhaltensweisen, alles, was bürgerliches Bewusstsein als „böse“ oder „falsch“ bezeichnet, ist aus unserer Sicht nur ein Resultat der Produktionsverhältnisse, eine Erscheinungsform sozial bedingter Deprivation oder eine Konsequenz von Diskriminierungen, Vorurteilen und kleingeistigem Kulturimperialismus. Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich. Wär ich nicht doof, wärst Du nicht klug. Wär ich nicht böse, wärst Du nicht gut. All diese Werturteile sind demnach nur Resultate von Ausbeutung, Ausgrenzung und sozialer Ungerechtigkeit.

Die einzigen Fälle, in denen selbst wir vom moralischen Relativismus abkehren, sind die Fälle, in denen es uns taktisch nützt (wie bei Guttenberg) und im Fall von Eigennutz und dem Streben nach Privatbesitz – denn die sind immer böse, weil sie die Grundlage der kapitalistischen Gesellschaftsordnung sind.

Das gilt jedoch auch in postmaterialistischen Lebenszusammenhängen wie der Partei der kritischen Intelligenz. Leider hat der Genosse Christian Goetjes das offenbar etwas missverstanden, als er im Rahmen seines Amtes als märkischer Schatzmeister derselben auf die Idee gekommen ist, dieses würde ihn auch zur eigenmächtigen Aneignung von Gütern berechtigen, die ansonsten nur bürgerliche Kleingeister bestimmen, nicht aber über materielle Begierden erhabene grüne Genoss_innen.

Wir sind einigen Hinweisen nachgegangen, was den Genossen dazu bewogen haben könnte, Geld – das ja bekanntlich den Charakter verdirbt -, von der Partei der kritischen Intelligenz zu nehmen, außer der Gedanke, dadurch zu verhindern, dass es weniger gefestigte Gemüter korrumpieren könnte.

Eine entspannende Ayurveda-Wellnesswoche auf den Komoren hätten wir dem Genossen selbstverständlich jederzeit ebenso gegönnt wie ein Aufbauseminar zur Altkasachischen Blutegel-Meditation nach Stefan Hackmair oder eine Serie neuer Klangschalen zur spirituellen Selbstfindung inmitten seines beschwerlichen Tagewerks im Kampf für das Überleben der Erde. Dass die Parteigenoss_innen Anzeige erstatteten, war übrigens kein Ausdruck überholten bürgerlichen Besitzstrebens, sondern eine Form der Einladung zum gemeinsamen Erörtern der Beweggründe, die hinter dem Griff in die Kasse lagen.  

Ob er sich nun bei der Aneignung der € 40.000,00 nach seinen Bedürfnissen oder nach seinen Fähigkeiten geschehen ließ, Fakt ist, dass sich diese Form der Verwendung von Parteimitteln nicht nachweisen ließ. Wir blieben hartnäckig dran und konnten am Ende einen Informanten aus der Wladimir-Putin-Universität zu Omsk zur Aussage bewegen, der uns bestätigte, dass die Guttenberg-Affäre weite Kreise zog und der Genosse Goetjes bei ihm vorstellig wurde, um sich nach den Kosten für den Erwerb eines akademischen Titels zu erkundigen.

Sein Gedanke dahinter ist die Idee des Volks-Doktors und des Rechts aller Angehörigen der kritischen Intelligenz auf einen Adelstitel. Da unter studierten Menschen und selbst in Teilen des Hochadels die Sympathie für die Grünen und ihren Ideen überdurchschnittlich hoch ist und entsprechend eine Erhöhung des Anteils dieser Menschen an der Gesamtbevölkerung auch zu einer Verbesserung der Wahlergebnisse für die Partei der kritischen Intelligenz führen könnte, liege es nahe, im Rahmen der Gesetzgebung zum bedingungslosen Grundeinkommen auch das Recht jedes Menschen auf einen Doktorgrad und einen Adelstitel zu berücksichtigen.

Außer jenen für Guttenberg natürlich. Diesem sollte auf Grund seiner Herabwürdigung der kritischen Intelligenz am Besten gleich auch noch der Adelstitel entzogen werden.