These und Antithese – Streifzug durch philosophische Grenzgebiete II

Posted on März 7, 2011 von

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These - Antithese - Synthese - Hegelsche und Marxsche Dialektik (Quelle: 4.bp.blogspot.com/riddicisms.blogspot.com)

Die materialistische Philosophie, wie sie von Karl Marx und Friedrich Engels unter schöpferischer Aufhebung der Hegelschen idealistischen dialektischen Ideen ausgearbeitet und von Wladimir Lenin und Josef Stalin weiter vervollkommnet wurde, kann als einzige Weltanschauung die Welt um uns herum vollständig schlüssig erklären.

Dabei ist ihre Erklärung nicht nur statisch, nein, sie kann überdies auf allen Gebieten Erklärungen für Entwicklungsprozesse anbieten, die ihresgleichen suchen. Zentrales Topos ist das Begriffspaar von These und Antithese, die, wenn alles gut geht in eine neue Synthese münden, von der aus alles wieder von vorne losgeht.

Leider wird diese zweiteilige Dichotomie des alle Entwicklungen vorantreibenden Widerspruchs häufig viel zu abstrakt abgehandelt. Eine wissenschaftliche Kaderschulung proletarischer Kräfte muss jedoch auch der Auffassungsgabe des Proletariats angemessen sein, sonst wird es zu leicht von bürgerlichen Ideen korrumpiert und vergisst, das Handwerk des Revolutionärs „von der Pike auf“ zu erlernen.

Im Folgenden wollen wir daher einige klassische antithetische Paare Revue passieren lassen, damit die schöpferische Fruchtbarkeit der Dialektik besser begreifbar wird.

  1. Beginnen wir mit der nicht nur zufällig namensgleichen Dita von Teese und ihrer Antithese völlig von Sinnen. Wer derart die Pole Position behauptet, nimmt allerdings inkauf, die Aufmerksamkeit reaktionärer Kräfte zu erregen, die dann zu schwer zu entscheidenden philosophischen Verwicklungen führen können.
  2. Weiterhin gibt es neben den metaphorischen Topoi der antithetischen dialektischen Vervollkommnung auch materielle Substrate, wie vom dialektischen Materialismus vorausgesagt, des Weltgeistes. Gerade der Versuch, Lenin auf die Füsse zu treten, hat zu verschiedentlich fruchtbaren essayistischen Ansätzen der dialektischen Reflexion geführt.
  3. In der frühbürgerlichen Revolution spielten bekanntlich 95 Thesen eine Rolle, zu denen immer noch die Antithesen fehlen. Dieses Fehlen, dieser Mangel und fehlende Entschlossenheit des Weltgeistes, der damals noch nicht Hegel gelesen hatte und daher nicht wissen konnte, was sich gehört, waren hauptursächlich für das Scheitern der frühbürgerlichen Revolution gerade in Deutschland.
  4. So musste Russland die eigentlich von Marx und Engels ihrem Heimatland oder zumindest Mallorca zugedachte Rolle der Speerspitze der Weltrevolution übernehmen, was aber zu erheblichen Problemen führte, weil noch nicht alle Thesen von Marx und Engels ins Russische übersetzt waren, sich dort aber bereits etliche Antithesen breit machten.
  5. Anschaulich ist auch die Wirkung des dialektischen Prinzips in der kapitalistischen Wirtschaft, dort besser unter dem Begriff Thesaurierung und Antithesaurierung bekannt. Kaum ist eine Geschäfts- oder Investmentbank erfolgreich, so zerfallen ihr ihre werthaltigen Anlagen unter der Hand und wandeln sich in sog. Schrottanleihen um, ohne dass Vorstand oder Aufsichtsrat das Geringste dagegen tun könnten. Da hilft nur Regulierung, wie exemplarisch in der Sowjetunion durch Gosplan manifestiert. Gosplan fehlten lediglich die Bankster zum Regulieren, da diese wegen der Durchlässigkeit des antifaschistischen Schutzwalles alle in den damals noch kapitalistischen Westen entwichen waren. Dort aber holt sie nun, ausgleichende Gerechtigkeit, wie vom dialektischen Prinzip gefordert, diese sozialistische Regulierung wieder ein.

So gäbe es noch viele Beispiele für gelungene dialektische Eskapaden des Kapitalismus aufzuzeigen, wir wollen unsere Leserinnen und Leser an dieser Stelle jedoch nicht über Gebühr überfordern, sondern werden dieses Thema in einem weiteren Streifzug zum Thema „Werden und Vergehen“ weiter vertiefen.