Antifaschistischer Kampf in der Horizontalen

Posted on April 15, 2011 von

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Wenn im nächsten Jahr die Präsidentschaftswahlen in Frankreich anstehen, muss es das erklärte Ziel aller fortschrittlichen Kräfte sein, den Gebäudereiniger, Zionistenknecht und Handlanger des Yankee-Imperialismus, Nicolas Sarkozy, aus dem Elysée-Palast zu entfernen. Letzte Umfragen gehen von einem schwierigen, aber nicht unmöglichen Vorhaben aus.

So weit, so gut. Was viele Progressive dabei allerdings beunruhigt, ist, dass exakt diesen Umfragen zufolge derzeit niemand aus den Reihen der PS oder der Grünen, sondern Marine Le Pen vom Front National die aussichtsreichste sozialistische Kandidatin wäre. Zwar stand ihre Partei über lange Zeit klar für eine verlässliche antizionistische und USA-kritische Politik und auch was den Kampf für das Menschenrecht auf Abtreibung oder die aktive Rolle des Staates in allen Lebensbereichen anbelangt, offenbart die Genossin Kameradin Le Pen das richtige Bewusstsein.

Allerdings beabsichtigt die Genossin Kameradin, den Aufbau des Sozialismus allein auf die Lehren der europäischen Klassiker zu stützen und dabei auf jene neuartigen und wegweisenden Impulse zu verzichten, die der politische Islam und die Kulturbereicherung durch urwüchsige, noch nicht durch regressive zivilisatorische Schranken gebändigte Jugendliche mit Migrationshintergrund im Laufe der letzten Jahrzehnte zum gesellschaftlichen Fortschritt beizusteuern verstanden.  

Dieses Vorhaben hilft der Weltrevolution allerdings nicht entscheidend weiter. Deshalb klären mit dem Klassenstandpunkt vertraute Kulturschaffende aus dem westlichen Nachbarland seit gestern auch in deutschen Kinosälen mittels des Streifens „Der Name der Leute“ darüber auf, dass die Überwindung der bürgerlichen Ausbeuterordnung einen moralischen Imperativ darstellt, der gleichermaßen Mensch_innen mit und ohne Migrationshintergrund betrifft.

Offenbar inspiriert durch den vorbildlichen Einsatz der Kurt-Hager-Preisträger Genossin Charlotte Roche macht sich die ficktiefve Genossin „Bahia“, gespielt von der auch im Real Life für die Sache des Fortschritts aktive Genossin Sara Forestier, im Frankreich der heutigen Zeit daran, nicht nur durch politischen Aktivismus den Kapitalismus als Wurzel des Faschismus, sondern mit vollem Einsatz aus der Horizontalen durch gezielte Sexarbeit die Grundlage des Kapitalismus selbst zu bekämpfen.

Nicht nur der Nudophobie als aktueller Erscheinungsform entfremdender regressiver Machtkonzepte gilt der Antagonismus der fortschrittlichen Leinwandheldin „Bahia“. Sie macht in sehr anschaulicher Form die Erkenntnis des kulturellen Marxismus deutlich, wonach Ausgrenzung, Ausbeutung; Faschismus, Krieg, Umweltzerstörung und Ungleichheit nicht losgelöst von Sexualrepression, Privateigentum, Neoliberalismus, Religion, bürgerlicher Familie, Patriotismus und Countrymusik als solchen gedacht werden können und wonach deshalb bereits das überkommene bürgerliche Verständnis von Identität und Würde als solches radikal in Frage gestellt werden muss, will man eine friedliche Gesellschaft und eine entwickelte sozialistische Ordnung schaffen.

Wenn schon Sara(h), dann Forestier statt Palin! Die Genossin meint jedoch, staatliche Verbote würden kurzfristig effektiver gegen privaten Waffenbesitz ausrichten können als Bekehrungsbeischlaf...

Denn nur wenn all das, wofür in falschem Bewusstsein gefangene Menschen bereit sind, zu kämpfen, zu sterben oder zu töten, so weit herabgewürdigt und marginalisiert ist, dass die Gesellschaft ihm keinen Wert mehr zuweist, wird niemand mehr daran festhalten und seine Vorurteile oder Privilegien verteidigen. Würden sich alle Menschen ein Beispiel an der Genossin Bahia nehmen, ihre Existenz auf die bloße Befriedigung körperlicher Bedürfnisse reduzieren und in bewusster Überwindung anerzogener bürgerlicher Hemmungen und Schamgrenzen regressive ideelle Vorstellungen wie Intimität, Selbstabgrenzung, Besitzansprüche oder Monogamie aufgeben, würde bald auch niemand mehr dem sozialistischen Staat seine materiellen Güter vorenthalten wollen, die dieser zur Herstellung von sozialer Gerechtigkeit und zur Rettung des Planeten umverteilen möchte.

Im Real Life dürfte allerdings das Vertrauen der „Bahia“-Darstellerin Genossin Forestier in die Effizienz bloßer sexualrevolutionärer Aktionsformen noch nicht ganz so stark ausgeprägt sein: Immerhin tritt sie dafür ein, dass die weltweite Kontrolle bzw. das Verbot privaten Waffenbesitzes nach wie vor durch staatliche Organe durchgesetzt werden und nicht nur in privater Initiative durch deren freiwillige Abgabe gegen körperliche Gegenleistungen.

Es sollte – so wichtig Basisarbeit wie die im Film anklingende auch ist – in der Tat zumindest in der Übergangszeit bis zum endgültigen Absterben des Kapitalismus auch nicht auf die ergänzende hoheitliche Durchsetzung der sozialistischen Ordnung verzichtet werden: Der Genosse Kim beispielsweise, der ebenso wie die fortschrittlichen Kräfte hier mit der Beharrlichkeit reaktionärer Vorurteile und einem unaufgeklärten Volk zu kämpfen hat, das die weitsichtige Politik der intellektuellen Eliten nicht versteht, kann nicht so einfach ein paar Tausend Komsomolz_innen mobilisieren, um die Abtrünnigen durch freie Sexualität zu bekehren. Deshalb muss er auch in erster Linie auf herkömmliche fortschrittliche Weise für Liebe und Frieden in seinem Land sorgen.

Wie dem auch sei: „Der Name der Leute“ ist nicht nur ein klares filmisches Bekenntnis zu fortschrittlicher Bewusstseinsarbeit, sondern auch ein unmissverständliches Fanal gegen nudo-, kopro- und paraphobe Tendenzen, wie sie durch immer noch vorhandene kleinbürgerliche Vorurteile gegen befreite Lebensentwürfe in der Gesellschaft begünstigt werden. Das weiß auch erfreulicherweise die deutsche FSK und ist dem Klassenauftrag in vorbildlicher Weise nachgekommen, indem sie dieses Meisterwerk sozialistischen Kulturschaffens bereits Personen ab 12 Jahren anempfohlen wissen möchte.

Wer es etwas Romantischer möchte, sollte sich jetzt schon auf den Fernsehfilm freuen, zu dem der Genosse Flügeladjutant die Idee hatte und über den wir hier exklusiv berichten