To be or not to be: Verteidigungsminister Vahidi

Posted on Juni 14, 2011 von

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In einer hierzulande wenig beachteten diplomatischen Posse wäre es den Obskuranten auf den Gehaltslisten von Wall Street beinahe gelungen, den iranischen Verteidigungsministers Vahidi in seiner Funktion als politischer Repräsentant der Islamischen Republik, der islamischen, äh: bolivarischen Republik Bolivien vorzuenthalten, um einen völkerrechtlich relevanten Zwischenfall mit dem kapitalistischen Turbostaat Argentinien zu provozieren.

Zum Hintergrund: Im Interesse der Völkerfreundschaft, des Friedens und des Kampfes der bedrohten Völker, die keine Lust dazu haben, sich in ein Franchise von Freedom & Democracy verwandeln zu lassen, hatte sich der iranische Verteidigungsminister der Islamischen Republik in der letzten Woche nach La Paz begeben um sich persönlich zu überzeugen, wie der Frühling der Völker auch dort reife, antiimperialistische Früchte trägt.

Tatsächlich ist die Bolivarische Republik Bolivien noch nicht völlig auf dem Niveau ihres Brudervolkes Zimbabwe angekommen – wovon unser Abschnittsbevollmächtigter sich auf seinem letzten Staatsbesuch persönlich überzeugen konnte – aber mit ein wenig antiimperialistischem gutem Willen wird es dem liebenswerten Evo bald möglich werden, die Fesseln des internationalen Raubtierkapitalismus zu sprengen, der ihn zur fulminanten Ausbeutung seiner Kohlenwasserstoffe im Interesse des Turbostaats Argentinien zwingt.

Wir empfehlen es dem liebenswerten Evo, es mit der Pampa-Republik genauso zu machen, wie die ägyptischen Freunde der Islamischen Republik es mit dem zionistischen Gebilde gemacht haben, als sie ihm jüngst ein paar Sprengladungen an den Gashahn legten, um letzteren vorübergehend abzusperren.

Um auch in La Paz antiimperialistisch und antizionistisch zugleich tätig zu werden, reiste der Verteidigungsminister unserer Islamischen Republik zu einem Staatsbesuch bei unserem bolivarischen Brudervolk in spe, und die Schergen der Kohlenwasserstoff-Lobby erfrechten sich tatsächlich von ihrer Filiale in der Calle Esmeralda aus dazu, auch diese Internationale Friedensfahrt zu torpedieren, zumal sie ihrem Interesse nach Knechtung und Entrechtung der ganzen Menschheit zuwiderlief.

Unter dem Vorwand eines sogenannten „Internationalen Haftbefehls“ der Kapitalismus-Schergen im Dienste von Interpol (einer Tarnorganisation der CIA mit Sitz in Brüssel) sollte Verteidigungsminister Vahidi in La Paz festgesetzt und an die Republik Argentinien ausgeliefert werden, zumal ihm die Staatsanwaltschaft in Buenos Aires im Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf die AMIA – die lokale Filiale des verdammenswerten Zionismus – gerne ein paar Fragen gestellt hätte.

Die Falle war also präpariert, in die unser Verteidigungsminister gelockt werden sollte. Vermutlich, um diesen hervorragenden iranischen Staatsmann und altgedienten Recken der Al-Quds-Brigaden dann ebenso sang- und klanglos in irgendwelchen Folterkellern verschwinden zu lassen, wie es zuletzt mit Julio López im Jahr 2006 geschah; als Mann, der zu viel wusste.

Selbstverständlich sind die gegen den iranischen Verteidigungsminister der Islamischen Republik erhobenen Vorwürfe nicht nur vollkommen haltlos, sondern frei erfunden und irrelevant. Wie hätte Vahidi denn im Jahre 1994 von Teheran aus einen Bombenanschlag auf ein zionistisches Gemeindezentrum in Argentinien in Auftrag geben sollen? Vielleicht per Telefon?

Schon diese einfache Frage beweist, dass das Interesse an einer angeblichen Strafverfolgung Vahidis lediglich eine Tarnbehauptung ist, um zur nächsten Stufe der anti-islamistischen Hexenprozesse überzuleiten.

Vahidi weiß gar nicht, wo Buenos Aires überhaupt liegt – und was in seinem Kopf vorgeht, das wissen wir besser, als Vahidi selbst. Wie sollte er also auf die Idee gekommen sein, dass es dort eine Filiale des Zionismus gibt, die dringend des ewigen Feierabends bedarf? Diese Anschuldigungen sind nicht nur lachhaft, sie sind sogar empörend, zumal die Apologeten des Raubtierkapitalismus endlich einsehen sollten, dass die verlorene Sache des Zionismus den Untergang verdient.

Cui bono muss es heißen, wenn von interessierter Seite die Gerüchte um einen angeblichen „Internationalen Haftbefehl“ gestreut werden –wem nützt es denn, wenn die spätherbstlichen „politischen“ Sympathien von Ahmed und Evo unerfüllt bleiben? Nur denjenigen Agenten der kapitalistischen Barbarei, die ihr Kohlenwasserstoff-Monopol bis zu jenem letzten Blutstropfen verteidigen möchten, den sie aus den offenen Adern Lateinamerikas herauspressen werden.

Selbstverständlich war es dank der Arbeit des Geheimdienstes unserer Islamischen Republik bekannt, welche perfide Intrige in Buenos Aires vorbereitet wurde, welche Falle in La Paz von Sektierern und Diversifikanten präpariert worden war, um des iranischen Verteidigungsministers habhaft zu werden und seinen aufrechten bolivarischen Gastgeber, den liebenswerten Evo, alt aussehen zu lassen.

Denn es hätte sich die Frage gestellt, warum die demokratisch legitimierte bolivarische Regierung einen per sogenannten internationalen Haftbefehl gesuchten mutmaßlichen Massenmörder nicht unverzüglich in Gewahrsam nimmt und an jenen Staat ausliefert, der dessen Auslieferung verlangt; diplomatische Immunität hat schließlich schon bei der Eichmann-Entführung niemand gestört.

Die ausbaufähige Antiimperialistin, die in der Finca de Olivos ihr politisches Asyl gefunden hat um sich bei Ricky Martins Besuch in der Casa Rosada als Freundin der schönen Künste und der schönen Künstler zu erweisen, kann der Islamischen Republik dankbar sein, dass sie von ihrem Geheimdienst davor bewahrt worden ist, sich zum Büttel des Zionismus zu machen.

Indem sie etwa auf einen juristisch verlängerten Staatsbesuch Vahidis in Argentinien bestanden hätte, in seiner Funktion als Angeklagter in einem Prozess wegen 86-fachem Mord und vielhundertfacher, zum Teil schwerer, Körperverletzung.

Und das alles bloß wegen dieser Explosion im Jahre 1994, für die Vahidi gar kein Motiv gehabt hätte; abgesehen davon, sich mithilfe seiner alten Kampfgefährten von den Al-Quds-Brigaden in sein Amt als Verteidigungsminister zu bomben. Lachhaft, denn hinter dem Ganzen steckt – cui bono! – vermutlich niemand Anderes, als der organisierte Zionismus selbst.

Dies also war die Falle, in die Cristina Fernandez de Kirchner mittels einer Palastintrige ihrer Cancillería gelockt werden sollte, um sie konterrevolutionär zur Strecke zu bringen. Eine Falle, die von der Tímerman-Behörde in der Calle Esmeralda ausgeheckt worden war, um diese ausbaufähige Antiimperialistin zum Gespött des ganzen bolivarischen Kontinents zu machen.

Auf dass der argentinische Außenminister Tímerman selbst die Zügel in die Hand genommen hätte; ein Vorgehen, das er ganz bestimmt bei seinem jüngsten „Staats“-Besuch im zionistischen Gebilde mit Netanyahu, diesem Einpeitscher des Spätkolonialismus, abgesprochen hatte.

Die Meldung aus dem Vorjahr, Tímerman würde die Untersuchung des Attentats auf die AMIA zu Gunsten besserer Beziehungen zur Islamischen Republik vergessen, waren – selbstverständlich! – nichts als Propagandalügen, die diese überraschende Wendung überhaupt erst ermöglichen sollten.

Die Intrigen des zionistischen Feindes aller Klassen und Massen erfüllten sich nicht, denn es gelang der Islamischen Republik, unseren Verteidigungsminister rechtzeitig durch ein Doubel zu ersetzen, das nach der „diplomatischen“ Eskalation seiner evo-lutionären Visite in der bolivarischen Republik Bolivien zu einem vermeintlichen internationalen  Zwischenfall – durch die lokalen Erfüllungsgehilfen des Zionismus – denn auch prompt ausgeflogen wurde.

Wir nehmen schließlich Rücksicht auf die Empfindlichkeiten einer auf ihr Ansehen bedachten, jüngst verwitweten Ex-Präsidenten-Gattin und aktuellen argentinischen Präsidentin, die um ihre Abhängigkeit von der internationalen Kohlenwasserstoff-Lobby weiß, vor allem aber vom Erdgas aus Bolivien. Jaja, „hay que pasar el invierno“, das ist heute so wahr wie vor über fünfzig Jahren, sonst wird es in Buenos Aires ziemlich kalt, auch in der wiedeaufgebauten AMIA.

Aide de Memoire
Für die Ausreise Vahidis und seines Doubles werden $20 fällig, eine Einnahmequelle, die sich die bolivarische Republik Bolivien nicht vorenthalten lässt, zudem diese Ausreisegebühr für alle nicht-nationalen Besuche der bolivarischen Territorien fällig wird. Aufenthaltsgenehmigungen für die bolivarische Republik Bolivien werden übrigens in vorbildlicher Weise nur sehr sparsam und unter größtmöglichem administrativem Aufwand sowie zu exorbitanten Preisen gewährt. Wir finden, das ist ganz richtig so, denn welcher aufrechte bolivarische Volks-Genosse sollte tatenlos zusehen, wie unser politisches Werk von Agenten und Migranten des Zionismus unterwandert, zersetzt und zerstört werden soll? Dankbar für Ihren Besuch und Ihre $20, Ihr ergebener Evo Morales