Sonntagsfrage: Was wird man denn wohl noch sagen dürfen?

Posted on Juli 2, 2011 von

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shalom_achshav

Der Vorsitzende des ZK der „Links“-Partei und Generalsekretär seines eigenen Ein-Personen-Küchenkabinetts, Dr. Gregor Gysi, hat den Spaltungsversuch der Mercenäre und Diversifikanten in den eigenen Reihen und/oder auf den Gehaltslisten von Wall Street erfolgreich unterbunden.

Im Interesse der Geschlossenheit der Partei aller Werktätigen unserer Republik – und hinlänglich schweißtreibend ist das Couponschneiden nun mal nicht –  befindet Dr. Gregor Gysi nunmehr, dass die „Israel-Kritik“ der Volks-Genoss_innen mit flamboyanter galoppierender maritimer „Palästina-Solidarität“ ganz und gar nicht auf der Selbstauskunftsebene interessant sei.

Und das hat ganz und gar nicht damit zu tun, dass diese „Palästina-Solidarität“ jener an sich eher typischen Volks-Genoss_innen nur dem verzweifelten Versuch geschuldet wäre, sich irgendwie interessant zu machen, wie von zionistischen Provokateuren und Feinden aller Klassen und Massen immer wieder behauptet wird.

Vor die Wahl gestellt zwischen einem gemütlichen Fondue-Abend mit Annette Groth, Inge Höger, Christine Bucholz, Norman Paech, Herrmann Dierkes oder einem vormittäglichen Besuch beim Info-Point der Bahn AG fällt uns vom Autor_innenkollektiv Hilde Benjamin die Wahl nicht schwer.

Von derlei geschmäcklerischen Betrachtungswinkeln abgesehen, stellte sich uns kulturindustriell selbstausgebeuteten gesellschaftlich progressiven Kunst- und Kulturschaffenden des Autor_innen-Kollektivs Hilde Benjamin die Frage: Was wird man denn noch sagen dürfen, ohne vom inoffiziellen Zentralorgan des Zionismus gleich mit einer Analyse nicht unter drei Jahren bestraft zu werden?

Wo beginnt die diskursive Unmöglichmachung Israels legitim zu werden, und wo ist sie schlicht und einfach nur eine klassenkämpferische Notwendigkeit? Kurz: Wo verläuft beim Thema Israel die Grenze zwischen Freiheit und Zwang, und zwar sowohl gesellschaftlich als auch privat?

Wir vom Autor_innenkollektiv Hilde Benjamin haben diese schwierige Frage in unseren Herzen und Hirnen lange und unter aversen klimatischen Bedingungen bewegt.

Wir haben sogar unsere Hilde-Benjamin-Pioniere losgeschickt, damit sie aktiv das Gespräch suchen mit Menschen, die nicht einer ganztägig intellektuellen Tätigkeit ausgesetzt sind: mit der Kassiererin beim Shufersale, dem Call-center der Makorot, dem Busfahrer vom Egged.

Weil wir als Autor_innenkollektiv Hilde Benjamin uns auch nach der Auswertung der Gespräche mit den unmittelbar Betroffenen nicht ganz sicher sein können, wie beim Thema Israel die Kategorien „Freiwilligkeit“ vs. „Zwang“ im Interesse unserer Menschen zu unterscheiden sind, haben wir uns zu einer Neuauflage unserer beliebten und bewährten Sonntagsfrage entschieden.

Immerhin 10% unserer Leser_innen waren nämlich mutig genug, an unserer letzten Online-Umfrage teilzunehmen, obwohl sie  wissen, dass ihre elektronsichen Rechengeräte deswegen mit Spionage Software à la Stuxnet von Sie-wissen-schon-wem vollgestopft wurden, um sie zur lebenslänglichen Zielscheibe geheimdienstlicher Tätigkeiten zu machen.

Hier also unsere Sonntagsfrage: Was wird man denn – auch, aber nicht nur – bei der „Links“-Partei wohl noch sagen dürfen, ohne gleich als Antisemit_in verteufelt zu werden? Und wie immer: Jede/r nur ein Kreuz!