Geldhexerei beenden – schafft ein, zwei, viele S&Ps!

Posted on Juli 11, 2011 von

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Meine liebe Kollegin und Justizkommisssarin der EUdSSR, Genossin Viviane Rating, nein: Reding (sie ist nicht verwandt mit den Redings aus der Wilsdruffer Vorstadt) hat es klar erkannt: „Europa darf sich nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen“, sagte sie mit Blick auf die drei Unternehmen Standard & Poors (S&P), Moody’s und Fitch. Es dürfe nicht sein, „dass ein Kartell dreier US-Unternehmen“  über das Schicksal von Volkswirtschaften entscheide.

Wir gratulieren der Justizkommissarin der EUdSSR zu ihrer glasklaren Vision vom Sozialismus, der sich seine eigene Parallelwelt erzeugt, ganz wie er sie braucht, vor allem aber auf Kosten und im Auftrag seiner Bevölkerung. Eine Vision, die Frau Rating, äh: Reding ganz nonchalant auch noch mit jenem Antiamerikanismus zu würzen versteht, den jene deutschen Volks-Genossen, die sich in der Folge des 8. Mai 1945 stets besiegt und nie befreit gefühlt haben, gerade auch heute wieder unbeschwert zu schätzen wissen werden.

Es weiß Justizkommissarin Reding ganz genau: Nicht die Wirklichkeit ist das Problem, sondern die Art, in der wir mit ihr umgehen. Nicht die schlechte Nachricht gehört abgeschafft, sondern der Nachrichtendienst, der sie überbringt. Das wussten schon die alten Griech_innen, und zwar die aus der Antike, und nicht die mit 46 Jahren in Rente gehenden Bedienstet_innen der griechischen Staatsbahnen. Frau Reding fordert also völlig zu recht: „kill the messengers“ – tötet die Boten!

So fordert nun Frau Reding: Schafft ein, zwei, viele Standard & Poors, Moody’s, Fitch und wie sie alle heißen, diese Obskuranten auf den Gehaltslisten von Wall Street, die man nach dem Man-wird-doch-wohl-noch-sagen-dürfen-Beschluss der deutschen „Links“-Partei endlich wieder Agenten des internationalen Finanzkapitals und Na-Sie-wissen-schon-wem nennen darf, ohne dafür gleich mit der jüdischen Wissenschaft bedroht zu werden, oder der Relativitätstheorie, was letztlich das gleiche ist. Nur mit noch mehr Reding, vor allem aber mit noch mehr Reding, äh: Rating-Agenturen lässt sich die Wahrheit endlich aus der Welt saffen, weil dann die Lüge in ihrer eigenen Lügenhaftigkeit ersäuft.

Meine liebe EUdSSR-Kollegin, die Genossin Viviane Reding, fordert deshalb völlig zu recht: „Entweder beschließen die G20-Staaten gemeinsam, das Kartell der drei US-Ratingagenturen zu zerschlagen. Die USA könnten beispielsweise aufgefordert werden, aus drei Ratingagenturen sechs zu machen. Oder aber es werden unabhängige europäische und asiatische Ratingagenturen geschaffen.“

Und wenn das alles nichts mehr hilft, wenn die Wirklichkeit sich aus weiterhin stur und widersinnig verhält und einfach nicht so werden will, wie wir sie gerne hätten, nämlich voller Geld, das bekanntlich auf Bäumen wächst, dann hilft es ganz bestimmt, dem von der Genossin Reding vorgeschlagenen Weg zur „Brechung der internationalen Zinsknechtschaft“ zu folgen: Schafft ein, zwei, viele S&Ps! Her mit dem chinesischen Moody, her mit dem europäischen Fitch, und wenn das in ein paar Jahren nichts mehr hilft, dann hilft bestimmt noch mehr des Gleichen – also noch mehr Moody, noch mehr Fitch, chinesisch, europäisch und allein schon deshalb völlig „unabhängig“, weil volkseigen bzw. im Auftrag und auf Rechnung des VEB Beamtendiktatur mit Sitz in Brüssel.

Und wenn selbst das nichts hilft, dann hilft ein belgisches, luxemburgisches, liechtensteinisches Ratinginstitut, das sich dann auch endlich, endlich wieder mit Fug und Recht „Staatsbank“ nennen lassen dürfte; vielleicht unter der persönlichen Aufsicht von Viviane Reding? Und wenn wir gerade dabei sind: Was spricht eigentlich dagegen, dass das Herzogtum Holstein seine eigene Reding-, äh: Rating-Agentur zurück bekommt?

All das „weiß“ auch unser werter Genosse Kurz in vorbildlicher Weise hier und da, und es dünkt ihn klug, wenn nicht gar lukrativ, sich und den Leser_innen von ND und Freitag die wirkliche Wirklichkeit dahingehend schönzudenken, dass er den „Beweis“ antritt, dass die kapitalistische Wirklichkeit keine gute Sache ist, weil sie nämlich entweder nur „sofort zusammenbrechen“ oder durch exorbitante Anstrengungen der öffentlichen, staatsmonopolkapitalistischen Hand gerettet werden könne; und das jeweils im konjunkturellen Wechsel seines Bauchgefühls.

Woher die Rettungs-Milliarden kommen sollen, von denen Herr Kurz so fabelhaft fantabuliert, ist selbstverständlich nicht sein Problem, und auch aus diesem Grund macht Robert Kurz sich so gerne seine überflüssige Gedanken darüber, wie Milliarden, wenn nicht Billiarden, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt, unter die Leute zu bringen sind, damit ein Wirtschafssystem am Leben erhalten wird, dass – wenn man seiner eigenen „Exit“-Theorie glaubt – sowieso nicht gerettet werden kann; aber an irgendetwas muss man schließlich glauben, und wenn man schon an sonst nichts Anderes glauben kann, dann glaubt man eben an seine Funktion als Resident-Untergangs-DJ des ND.

Im kapitalistischen Turbostaat war es kurz nach dem Crash 2001 für ein paar Monate üblich, dass jede zweite Präfektur ihre eigenen Monopoly-Scheinchen bedruckte. Zum Teil war dieser Geldersatz sogar ganz niedlich anzusehen; zum Problem wurde bloß, dass die Umrechnungstabellen ganze Zeitungen füllten und sehr unhandlich wurden. Vor allem aber ging viel Produktivkraft dafür drauf, alle am Ende 566 Wechselkurse des nationalen Binnenmarktes gegeneinander umzurechnen; die gesellschaftlichen Kosten des Geldes wurden also auf einer recht basalen Eben zu hoch, denn es fehlte die Produktivkraft für den Aufbau des Sozialismus und des Neuen Menschen eben an anderer Stelle.

Genossinnen, um uns nun nicht von einer deklassierten Pampa-Republik die finanzpolitische Schau stehlen zu lassen, sollten wir dem Vorschlag der EUdSSR-Justizkommissarin Genossin Reding folgen: Wir können die durch „drei US-amerikanischen Kartelle“ (Reding) auf uns ausgeübte „internationale Zinsknechtschaft“ nur brechen, indem wir unsere eigene, unabhängige Reding-, ach nein: Rating-Agentur schaffen!

Man hat ja beim Airbus-A380-Programm gesehen, wie wunderbar europäische Unabhängigkeit funktioniert. Unser VEB-Rating kann nach seiner Eröffnung dem VEB-Beamtendiktatur mit Sitz in Brüssel immer genau das attestieren, was Frau Reding gerne hören möchte: Dass einfach alles super läuft, weil das Geld bekanntlich nach wie vor auf Bäumen wächst und nur solange ausgegeben werden braucht, bis endlich ganz von alleine der Sozialismus eintritt!

Alle weiteren Etappenziele auf dem Weg zum Neuen Menschen besorgt dann auch nicht mehr wie üblich die unsichtbare Hand eines Adam Smith, hinter der man ja seit ehedem die Machenschaften von Na-Sie-wissen-schon-wem „wusste“, sondern die überaus sichtbare Hand der Konsument_innen, die sich in all ihrer unmittelbarsten Unmittelbarkeit nationalbolschewistisch EUdSSR-merkantilistisch steuern lassen wird.

Nur am Namen für den VEB-Reding, verflixt nochmal: VEB-Rating muss noch gefeilt werden; wie wäre es mit VEB Freiwirtschaft „Silvio Gesell“ oder vielleicht noch etwas moderner VEB-„Bargeld-lacht!“, oder ganz schlicht und ergreifend: HO-Wirtschaft zu fröhlichen Notenpresse?

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