Poesie des Widerstandes: Don’t cry for me, Herzelya!

Posted on August 3, 2011 von

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Wie an anderen Orten des asiatischen Teils von Arabien bricht nun auch in Israel der politische Frühling an, um dem faschistoiden Biberman-Regime einen deutschen äh: heißen Herbst zu verpassen, wie dieses erschütternde Fotodokument von brutaler Polizeigewalt gegen eine Hand voll hunderte Fashion-victims Camping-Freund_innen im israelisch besetzten Berlin beweist.

Indes wurden die noblen Anliegen der protestierenden Massen – ein bis zwei Wohnungen mit Balkon, Garten und Dachterrasse im Szene-Viertel von Tel Aviv sowie Hüttenkässe für alle; „politische“ Forderungen, mit denen sich bei den nächsten Knesset-Wahlen 20 Sitze erringen ließen – in der Heimat bereits von einer zionistischen Provokateurin gekapert; oder vielmehr „gehijacked“, wie es sich in der „politischen“ Sprache der Gegenwart schimpft.

Es ist – unbestätigten Agenturmeldungen zufolge – inzwischen nämlich ein sozial-revolutionäres Protest-Zelt im „Arena“-Einkaufszentrum von Herzelya aufgetaucht, direkt vor dem Swarowski-Shop, und seine Bewohner_innen verbringen ihre knappen Mußestunden damit, Widerstandslieder zu verfassen und diese dem Shopping-Publikum zu Gehör zu bringen. Aber nicht etwa um die Widerstandskräfte der proletarischen Massen auf jenen Volldampf zu bringen, dessen es bedarf oder vielmehr bedürfte, um das faschistoide, zionistische Biberman-Regime endlich hinwegzufegen.

Nein, denn die Vorlage zu diesem Song sind die unsterblichen Worte der First-Lady-Darstellerin Eva „Evita“ Peron, die sich einst auf dem sogenannten Dritten Weg zur sozialen Gerechtigkeit begeben wollte, und in deren „politischer“ Heimat die Spruchweisheit „ni Yankees ni Marxistas – Peronistas!“ das sogenannte Volk vereinte. Was alle der argentinischen Gerechtigkeitspartei folgenden nationalen Sozialismen immerhin dahingehend zu korrigieren verstanden, dass sie sich wieder positiv auf die wissenschaftiche Weltanschaung beriefen, ohne dabei in den Widerspruch von Volk und Nation zu geraten.

Hier also, zu einer bekannten und erhebenden, wenngleich vom Klassenstandpunkt betrachtet nicht immer ganz korrekten Melodie, die unsägliche Provokation* der Herzelya-Proteste, die aus dem Heerlager des Klassenfeindes bereits mit einem beherzten „mezoyan“ quitiert wurden, zumal diese hoffen, die gerechte Sache der israelischen Camping-Freund_innen doch noch vor dem Sturz des zionistischen Regimes torpedieren zu können.

* Glücklicherweise in Englisch, so dass die Hoffnung bleibt, dass nicht jede_r dieses widerwärtige Machwerk versteht.

Don’t cry for me Herzelya!
or: Campaign and complain, the „official“ protest song of the Israeli camping movement

My dear apartment, you are too much
you do look lovely, but just as such
I can’t afford you, at least not every month

I want to live here on Dizengof Square
anywhere else it is square and
being square is too much for myself
so I’ve moved in and put up my shelf

I did not have the money – I must complain
‘cause everyone’s entitled, I think,
to a view of the city and also the beach

So give me money
if you don’t want me ending up in a tent
cause that would be only your fault.
Do you want me to move after all?

Don’t cry for me Herzelya
The Truth is I’ll soon be with you
A bit more protest, and some insistence
you get the check out – pay my existence!

“And as for fortune and as for fame?”
I want them right now, it can’t wait
Social justice do something for me after all

My mother told me
I’ll want what I get when they give it to me
So I sit in a tent and I whine
You couldn’t do this — to a swine!

Don’t cry for me Herzelya

Chorus: Huh, huh, huh, huh, huh, huuuu (etc.)

Don’t cry for me Herzelya!
The Truth is I’ll soon be with you
A bit more protest, and some insistence
you get the check out – pay my existence!

Do I want too much?
Just a diamond watch and a little car that would go with it.
And a bigger flat, one more room for me
And a balcony would do.

The quote is an original quote from the lyrics.