Eilmeldung zu S21: Wir sind neuer schlichter!

Posted on August 4, 2011 von

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Nachdem der streit zwischen heiner geissler, joseph goebbels, den befürwortern und den gegnern von stuttgart 21 eskaliert ist, haben wir uns in einer eilaktion entschlossen, das autor_innenkollektiv zum notschlichter_innenkollektiv zu erklären. Die verschärfungen der lagen liessen uns keine andere wahl: Nachdem der bahnhofsstresstest die gegner zuviel gestresst hat, genosse heiner geissler den gegnern klargemacht hat, dass der bahnhof sowieso gebaut werde, um anschliessend einen vorschlag zu machen, der diesen bahnhof denn doch nicht vorsah, ist die diskussion vollends entgleist, so dass die befürworter sogar vergassen, das richtige lied nach dem stresstest zu singen:

In dieser situation musste das fortschrittliche werk des genossen geissler fortgesetzt werden, in dem ein schlichtergremium eingesetzt wird, das zwischen allen parteien, den befürwortern, den gegnern und dem geissler, schlichtet. Weil sonst niemand so viel erfahrung mit der politischen deutung von gebäuden hat wie wir, haben wir uns die rolle zugeteilt.

Unsere kritik am bisherigen gang der diskussion: Der kopflose vorschlag, den bestehenden bahnhof zu sanieren, wird nicht umgesetzt. Der bau eines tiefbahnhofes nebst bebauung des gleisvorfeldes ist bei uns auch unten durch. Sogar die lösung, die nachteile beider entwürfe zu kombinieren, wie es genosse geissler vorgeschlagen hat, findet keine gnade vor unseren gestrengen volksaugen, denn eine diskriminierung der bahnreisenden in proletarische nahverkehrsreisende, die mit dem alten bahnhof aus morscher monarchistischer zeit vorlieb nehmen müssen und elitären fernverkehrsreisenden, die einen neuen unterirdischen bahnhof mit edlem marmor und aufregendem sichtbeton nutzen dürfen, ist einfach nicht mehr zeitgemäss.

Nun unser schlichtungsvorschlag: Die gleise auf dem gleisvorfeld werden zur entschädigung für begangenes kolonialistisches unrecht württembergs bis auf ein gleis demontiert. Die grossen bäume im schlosspark werden auch umgepflanzt, und zwar auf den standortübungsplatz donaueschingen, um ein zeichen für den frieden zu setzen. Die entstehende freifläche wird für demonstrationen genutzt, die dagegen protestieren, dass nicht schon viel länger der atomausstieg beschlossen wurde. Die bahnhofsgebäude werden einer hausbesetzer_innenkommune zugeteilt, die mit dem verbleibenden gleisanschluss mit farbe beliefert wird, um aus stuttgart endlich eine bunte, tolerante stadt zu machen. Ausserdem werden dort unisexklos installiert, um miktionaler diskriminierung auf dem naheliegenden demonstrationsfeld vorzubeugen. Das projekt wird die befürchteten 8 Mrd. € mindestens kosten, weil das überschüssige geld zur wirtschaftsankurbelung in überschuldete länder überwiesen wird. Die „sparsame schwäbische hausfrau“ muss sich endlich vom joch des kapitals emanzipieren und voll gleichberechtigt mit allen männlichen, fortschrittlichen politiker_innen schulden machen.