Pax Germana! Der Euro ist Frieden.

Posted on September 8, 2011 von

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In ihrer Funktion als Vorsitzende des Ministerrates, Generalsekretärin des ZK der CDU und Kandidatin der Nationalen Front (CDU/CSU, FDP) hat die deutsche Bundeskanzlerin den werktätigen Massen unserer Republik, a.k.a. Wahlvolk, in aller zu Gebote stehenden Deutlichkeit klar gemacht, dass der Euro mehr ist, als nur ein Zahlungsmittel, und zwar viel mehr.

Der Euro, so Frau Dr. Merkel, ist nämlich Europa, und der Frieden, sowie Freude, Eierkuchen. So behauptet es die Nutzerin einer großzügig dimensionierten Penthouse-Wohnung am Spreebogen, seit das juristische Äquivalent zu Vicky Pollard von Karlsruhe aus in einem entschiedenen „yes but no but yes but no“ alle juristischen Parteien der Klage gegen die Euro-Rettung zu Sieger_innen gekürt hat.

In der Summe kann das Wort der Kanzlerin für Europa und seine Menschen, vor allem aber für den Frieden ohne Anführungsstriche, so mancherlei bedeuten, und nicht alles davon ist progressiv.

Dass ein Zahlungsmittel, eine Verrechnungseinheit, ein ökonomisch ausgeschlossenes Drittes, seiner Bedeutung nach mit Europa, der Wiege der abendländischen Kultur, gleichgesetzt werden muss, beweist, welches Ausmaß die gesellschaftliche Verblendung, die „politische“ Verzweiflung und „moralische“ Haltlosigkeit der herrschenden Klasse bereits erreicht.

Kurz: welche Intransigenz des Zusammenhangs von Gesellschaftsform und Denkform, von Fetischisierung des – begriffslosen! – Denkens, im sogenannten bürgerlichen Lager inzwischen vorherrscht.

Weil wir aber wissen, dass Frau Dr. Merkel im Grunde ihres politischen Herzens eine von uns, und sie viel – wenngleich noch nicht alles und noch lange nicht genug – für den Sieg der gerechten Sache des deutschen und europäischen Sozialismus getan hat, möchten wir sie nur zu gerne aus der diskursiven Klemme befreien, in die sie sich mit ihrem leidenschaftlichen, aber unvorteilhaften Bekenntnis für den Pazifismus hineinschwadroniert hat.

Free of charge, versteht sich, denn wir sehen das als unsere sozialistische Pflicht und Schuldigkeit, zumal wir um die finanzielle Dauer-Kalamität unserer Republik wissen, die sich gerade erst auf internationalen Druck von Wall-Street ein ganzes Griechenland gönnen musste und jetzt für ein neues Portugal, Spanien und Italien „sparen“ soll, wie Wolfgang Schäuble das immer nennt, wenn er mit denen spricht, die sich nicht wehren können.

Die diskursiv abgewirtschafteten Kreise des bourgeoisen Liberalismus, die ehedem Neocons genannten Freunde der Countrymusik, die Europa auf den Euro reduzieren möchten um so zu tun, als ginge morgen die Welt unter, nur weil sich das Abendland nicht heute noch genug Eurobonds in den Keller legt, werden auf absehbare Zeit viel proletarische Bewusstseinsbildung zu leisten haben um die werktätigen Massen vom gesellschaftlichen Nutzen ihrer Euro-Rettung überzeugen zu können; spätestens, wenn alle pleite sind.

Dass die Pleite der historische Normalzustand des Staates ist, wird indes von Historikern betont. Und dass der real existierende Sozialismus im Jahre 1989 untergegangen sein soll, halten wir vom Autor_innenkollektiv Hilde Benjamin einmal mehr für zionistische Propaganda, die zunehmend von der Empirie widerlegt wird.

Denn angesichts des aktuellen politisch-ökonomischen Geschehens in der EUdSSR sieht es doch viel eher so aus, als hätte sich der Staatsmonopolkapitalismus östlicher Prägung lediglich der Form nach in einen Staatsmonopolkapitalismus westlicher Prägung verwandelt.

Und was in zwei fulminanten Weltkriegen nicht zu erreichen war, wird nun qua Gerichtsbeschluss aus Karlsruhe dem Haushaltsauschuss des Deutschen Bundestages aufgetragen: Es soll den biederen deutschen Volks-Vollstreckern (m/w) ein Unternehmen gelingen, bei dem schon eine ganz andere Generation die Waffen strecken musste, nämlich die Eroberung des Kontinents – diesmal zudem unter erschwerten Bedingungen, weil mit demokratischen, und dann auch noch finanzpolitischen Mitteln.

Es wird der Haushaltsauschuss des Deutschen Bundestages auf Geheiß „seiner“ Regierung solange immer wieder seine Unterschrift unter irgendwelche sachzwanghaften „Stabilitätsgarantien“ setzen müssen, bis ihm die Finger qualmen; zumindest solange, bis die EUdSSR abbezahlt ist, was beim gegenwärtigen Ausmaß ihrer fiskalischen Bodenlosigkeit niemals der Fall sein wird.

Fast wäre der Merkel-Regierung deshalb zu ihrem kühnen Propagandastreich zu gratulieren, die Euro-Frage mit der Friedens-Frage zu verbinden; wer auch immer „unsere“ deutschen Euros nicht freiwillig annehmen will, dem werden wir sie schon heimzuzahlen verstehen – oder wie war und ist das Wort der Kanzlerin in der Sache gemeint?

In jedem Fall gilt festzuhalten: Ein Feind des Euros ist ein Feind des Friedens und der ganzen Menschheit! Denn wie das Kanzleramt seine Front-Frau so richtig sagen lässt: Der Euro ist mehr als eine Währung. Was er aber ist, darüber wird man – je nachdem, wen man fragt – durchaus Unterschiedliches zu hören bekommen; eine Zumutung, ein Fall von Größenwahn? Oder „nur“ ein historischer Fehler?

Dass das „Friedens“-Wort der Kanzlerin so derartig interpretationsbedürftig ist, stellt – so meinen wir vom Autor_innenkollektiv Hilde Benjamin – nicht zuletzt vom Standpunkt der wissenschaftlichen Weltanschauung aus betrachtet keinen „politisch“, „ökonomisch“ oder sonst wie hinnehmbaren Zustand dar!

Es sollte in einer Demokratie selbstverständlich sein, dass die Mehrheit das denkt, was die Regierung sie gerne denken lassen möchte, schon allein im Interesse der Mehrheit, also der Demokratie selbst.

Derweil sieht Frau Dr. Merkel auf Pressefotos inzwischen manchmal so aus, als hätte sie endlich verstanden, dass alles, was in ihren Schulbüchern über den Kapitalismus stand, nur Lug und Trug und sozialistische Propaganda wider den Klassenfeind war – und dass die Wahrheit noch viel schlimmer ist.

Bezüglich der Ausrichtung ihrer paneuropäischen Friedensinitiative qua Euro-Rettungsplan zeigt die deutsche Kanzlerin jedoch Talent und Potenzial für mehr. Frau Dr. Merkel scheut sich nicht länger, das auszunutzen, was sie anscheinend schon lange verstanden hat: In ihrer Funktion als Wahlvolk lassen sich unsere Menschen noch den dicksten Bären aufbinden, sofern man ihn mit einem so exquisiten Tüddelband wie dem „Frieden“ auf ihrem Gewissen festzuzurren versteht.

Das gelingt immer und klumpt nicht, hieß es früher in Dr. Oetkers Puddinglabor; hinter dem „Frieden“ steht Deutschland so geschlossen wie ein Damen- und Herrenmensch. Das weiß auch Frau Dr. Merkel und muss sich das nicht erst von der protestantischen Antwort auf Soeur Clotilde, Margot „Ich-geb-Gas-ich-will-Spaß – na dann Prost!“ Käßmann, erlauben lassen, wenn es darum geht, von diesem Wissen „politisch“ Gebrauch zu machen.

Und deshalb plaudert es aus dem Kanzleramt redlich: Für den Frieden sein, heißt für den Euro sein, heißt für Europa sein, heißt wiederum für den Frieden sein, bis einem vor lauter Redundanz schwindelig wird. Doch ach, warum nur schwingt bei all dem engelsgleichen Singsang von Soeur Angela im Hintergrund stets mit: Sonst sollt ihr uns mal kennen lernen, denn wir können auch anders; um sich davon zu überzeugen, was das bedeutet, genügt indes ein kurzer Blick in jedes handelsübliche Geschichtsbuch.

Für den Frieden sein, heißt für Europa sein, heißt für den Euro sein: Denn der Euro, das ist die Lagune von Venedig, das ist der Bauch von Paris, das ist Big Ben von London. Der Euro, der ist Frieden, und Europa, das ist ebenfalls Frieden – na, wenn es sich doch bloß noch reimen würde! Und schließlich:„Es ist alles eins“ wusste schon Goethe.

Deshalb: Pax Germana! Und wenn es nach der Finanzpolitik made in Bruxelles ginge, wäre alles, was man je von Europa zu sehen bekommt, die bunten Bildchen von irgendwelchen Brücken, mit denen diese putzigen Zettel bedruckt werden, die den Anschein von Werthaltigkeit erwecken sollen.

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