We are not amused.

Posted on November 30, 2011 von

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Nach dem bis auf weiteres letzten Besuch Erich friedliebender Antiimperialisten und anderer studentischer Aktivisten (sorry, liebe Feminist_innen, es waren keine Frauen dabei) auf dem diplomatisch genutzten Gelände der Botschaft Ihrer Majestät, der Königin von England, Schottland und Wales (usw., usw.) ist das Establishment der neokonservativen Kriegshetzer mit der „politischen“ Nachlese dieser lebhaften Bezeugung der iranischen Gastfreundschaft seines jüngsten, kläglich gescheiterten Provokationsversuchs beschäftigt und versucht jetzt, sich als Opfer anti-britischen Ressentiments zu inszenieren.

Das wird ebenso scheitern, wie die Versuche der Obskuranten und Kriegshetzer auf den Gehaltslisten von Wall Street, die deutsche, öffentlich-rechtliche Volksgemeinschaft Öffentlichkeit zweckdienlich daran zu erinnern, dass Botschaftsbesetzungen im internationalen Recht einen casus belli bedeuten können.

Diese Erinnerungsversuche sind nicht „nur“ unredlich, sie sind vor allem untauglich, hat doch die Firma Freedom & Democracy der Westen die antiimperialistische Intervention der Teheraner Aktivisten durch seine menschenverachtende und völkerrechtswidrige Nah-Ost-Politik erst zynisch provoziert!

William Hague, Außenminister und womöglich ein großer Freund der Countrymusik, bemühte sich bereits klar zu stellen, dass die sechs Botschaftsangehörigen, deren Verbleib am Dienstag kurzfristig ungeklärt gewesen war, keineswegs als Geiseln genommen worden waren: „Ich würde den Begriff ‚Geisel‘ in diesem Zusammenhang nicht verwenden“, so William Hague diplomatisch wörtlich.

Ob die betroffenen britischen Diplomat_innen ebenso froh waren, die „politischen“ Gepflogenheiten ihres Gastlandes, der Islamischen Republik Iran, im Rahmen eines persönlichen, wenn auch vielleicht etwas lebhaften, Hausbesuchs näher kennenlernen zu dürfen, ist nicht bekannt. Ein profundes Interesse an anderen Kulturen muss jedoch Voraussetzung für eine Laufbahn in der Diplomatie sein: Andere Länder, andere Ständer Sitten, sonst wäre man besser in Düsseldorf Kensington geblieben!

Aus dem deutschen Äquivalent zum Commonwealth and Foreign Office, jener von Außenminister Westerwelle äh, geleiteten Behörde am Werderschen Markte, wurde das lebhafte „politische“ Interesse der Teheraner Öffentlichkeit begrüßt und als Vorbote eines arabischen persischen Frühlings gewertet. Es muss aber seitens des Auswärtigen Amtes stärker darauf geachtet werden, beide Seiten unmissverständlich dazu aufzurufen, jede weitere Eskalation der Gewalt zu vermeiden.

Insbesondere muss der Regierung Ihrer Majestät endlich klar gemacht werden, dass jede weitere diplomatische Aggression, die von ihrem Botschaftsgelände in Teheran ausgeht, letztlich kontraproduktiv für ihre eigenen Interessen ist.

Deutschland kann seinem Ruf und seiner neugefundenen Tradition als internationaler Weihnachts-Friedensengel in Zukunft noch stärker gerecht werden und sich im UN-Sicherheitsrat endlich für ein strenges Sanktionsregime gegen Groß-Britannien einsetzen.

Jeder weitere Versuch der Kriegstreiberei mit diplomatischen Mitteln muss von der internationalen Gemeinschaft geächtet und für die Zukunft unmöglich gemacht werden. Außerdem sollte Berlin sich für die Wiederaufnahme freundlicher WirtschaftsBeziehungen zwischen Groß-Britannien und der Islamischen Republik Iran nach deutschem Vorbild einsetzen; was heißt schon „dual use“, wenn man Menschen auch mit einer Kuchengabel abmurksen kann?

Der Avant-Garde der gesellschaftlich progressiven Kräft_innen – das sind Sie, lieber Leserinnen und Leser! – muss jedoch klar sein, dass der Überfall auf die britische Botschaft Hausbesuch in Sachen Gastfreundschaft und Nachbarschaftshilfe  nur die Schuld des Großen und des Kleinen Satans ist. Denn hätte es in Teheran eine US-Botschaft gegeben, oder eine Dependance Israels des zionistischen Unrechtsstaats, dann hätte der arabische persische Frühling nicht auf jenem Gelände erblühen müssen, auf dem die britische Botschaft untergebracht ist.

Auf einem Gelände, auf dem das aktuelle globale Bollwerk des Pazifismus, der Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches, der sich auf den Antiimperialismus der Jahre 1933 bis 1945 positiv bezieht, wenn er behauptet, aus seinem bis auf weiteres gescheiterten Kampf gegen „die Plutokratien des Westens“ gelernt zu haben, übrigens eine Bildungseinrichtung betreibt.

Das deutsche Personal wurde von Berlin von dem bevorstehenden Hausbesuch der aufrechten persischen Antiimperialisten informiert, so dass unschuldige Deutsche nicht durch die Aggressionspolitik der Regierung Ihrer Majestät in diese akademische Einführungsveranstaltung, dieses Praxisseminar zum persischen Frühling, verwickelt werden konnten; alle Kinderinnen und Kinder vertrieben sich an diesem Tag ihre Zeit mit ein paar Lunch-Paketen und der neuen Sony-Play-Station.

Da sehen wir, Genoss_innen, was ein funktionierendes freundschaftliches Verhältnis im Fall der Fälle wert sein kann!

Nur Friede und Völkerverständigung kann, was Erich Friede und Völkerverständigung vermag, und das ist ja nun auch die Quintessenz des friedlichen iranischen Atomprogramms, dessen Material bereits für vier bis fünf Atombomben reicht; für eine angestrebte Nutzung der Atomenergie, über die am Rande der ebenso friedlichen Demo gegen die Castoren-Transporte übrigens nichts Negatives zu hören war.

Wenn Margot Käßmann, Mensch gewordene Diplomatie und First Lady der Völkerverständigung,  aber leider noch immer mit dem falschen Parteibuch unterwegs, bald ankündigen wird, zum Beten irgendwohin fahren zu wollen, diesmal vielleicht nach Teheran, sind in den Kreisen der deutschen Friediotie hoffentlich bereits die Ränzlein geschnürt.

Nach Gorleben und Stutt-21 muss nun Teheran das Reiseziel der deutschen Weltverbesserer und Ökopaxe sein, denn wo sich das vom Westen prekarisierte persische Volk noch mit der Occupy Befreiung einzelner Botschaftsgebäude aufhält, wusste die historische deutsche „Friedens“-Bewegung einmal, wie man ganze Hauptstädte befreit – um sich dann als freiwilliger menschlicher Schutzschild gegen die perfiden Versuche des US-amerikanische Großen Satans und seines Co-Satans aus Little-Brittain zu werfen und zu verhindern, dass diese Kriegshetzer den Juden Zionisten in letzter Minute den Arsch retten, wer weiß.

Wenn auch Frau Käßmann in der Geschichte der Vergangenheit keinen gerechten Krieg erkennen konnte und/oder wollte – vor allem nicht im Kampf gegen die historische Selbstverteidigung des deutschen Volkes gegen das „Weltjudentum“ in den Jahren 1933 bis 1945  – so wird diese erfolgreiche deutsche Kinderbuchautorin ihre Meinung hinsichtlich dem Recht der Islamischen Republik Iran auf Selbstverteidigung vielleicht bald ändern, wenn die Geschichte der Zukunft sie vom Nutzen der Kernkraft bei der Elimination zionistischer Aggression überzeugen konnte.

Alldieweil wurde der Kriegshetzer und Anstifter zum Massenmord, Henryk M. Broder, von einem ganz unauffälligen und prototypischen Deutschen bereits vollmundig an die historische Prophezeiung erinnert, die zuerst Volksgenosse Adolf Hitler in seiner Funktion als „Führer“ und Reichskanzler dem Stamme Nimm gemacht hatte:

„Daher mein Rat, auch an den Kriegstreiber –Peres—
Stürzt die Welt nicht ins Unglück, zu Euer eigenem
Wohl, denn es würde mit Sicherheit die totale Vernichtung werden.“

Erich Fried, Sahra Wagenknecht und der „antizionistische“ Flügel der deutschen „Links“-Partei schlagen im Geist die Hacken zusammen und rufen ein dreifach national-sozialistisches Hep Hep Hurra. Da soll mal einer behaupten, alliierte Re-Education habe sich für die Nachfolgeorganisation des Deutschen Reiches nicht gelohnt, ist es doch nicht einmal zwei Generationen nach der Shoah, also der historischen Lehre, die der jüdischen Nation erteilt worden ist, wieder möglich, die Juden, abgrundtief zu hassen – und eben nicht mal nur in ihrer Funktion als Zionisten, sondern bei bestem „politischen“ Gewissen.

Oder, wie Klaus Murawa es in seinem Weckruf an Henryk M. Broder so treffend auf den Punkt bringt:

„Eine Frage hätte ich auch an Dich, den Brandstifter,
wie viele Mahnmale und Gedenkstätten wollt ihr denn noch?“

Täusche ich mich, oder schwingt in diesen Worten die Bereitschaft mit, durch eigene „revolutionäre“ Tätigkeit die Notwendigkeit für ein weiteres Mahnmal überhaupt erst zu schaffen?

Vor diesem Hintergrund geht unser besonderer Dank für die gelungene proletarische Bewusstseinsbildung an die öffentlich-rechtliche, deutsche Medien-Nation, die mit Bildungsangeboten wie Ken FM und solchen Publikationen wie dem Fachblatt für Café-Handel dafür gesorgt hat, dass gerade auch junge Menschen einen angemessenen Umgang mit der deutschen Geschichte „lernen“ – denn wenn es Reichtum gibt, der arm macht, muss es auch Bildung geben, die blöd macht, nicht wahr, liebes RBB, lieber Herr Augstein (geb. Walser)?

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