Ab heute wird zurückgeratet!

Posted on Dezember 6, 2011 von

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Wie der Reichssender Gleiwitz Jean-Claude Juncker in seiner Funktion als Chef der Eurogruppe meldet, hat der Überlebenskampf der deutschen europäischen Volkes Hauses über Nacht eine neue historische Dimension erhalten: Die umfassende fiskal-„politische“ Selbstverteidigung der EUdSSR gegen die „Plutokratien des Westens“ und das „jüdische zionistische Weltkapital“ wurde von diesen zuletzt genannten Kreisen mit einer nie dagewesenen Attacke auf die ökonomische Integrität von Volk und Vaterland der Brüsseler Beamtendiktatur Euro-Zone beantwortet. Die Rating-Agentur Standard & Poors (S&P, nicht zu verwechseln mit P&G) bedroht jetzt den ganzen deutschen Euroraum mit ihrer schrecklichsten WunderWaffe: der Wirklichkeit!

Genosse Juncker hat diese historische  Herausforderung angenommen und der Wirklichkeit mit sofortiger Wirkung den Krieg erklärte. Sodann stürzte er sich in seinen „polit“-ökonomischen Abwehrkampf, der dahin geht, Warschau noch vor Weihnachten einzudeutschen sich nun mehr mit sofortiger Wirkung seine eigene EU-Wirklichkeit zu schaffen: AAA – Hurra!

Auf emphatische Gegenliebe stößt sein Vorstoß – wie nicht anders zu erwarten– bei den Angestellten des öffentlichen Dienstes in Bruxelles, deren Workflow Work-load dadurch bis weit ins nächste Jahrtausend garantiert wäre.

Begeistert sind außerdem jene Brüsseler Kreise (m/w), die sich bereits im Sommer 2011 durch ihre Sachkunde profilierten indem sie sich dafür ausgesprochen hatten, unabhängige Rating-Agenturen durch staatskonforme zu ersetzen, die dann – Spieglein, Spieglein an der Wand – den Teilnehmerinnen an der Euro-Währung auf Knopfdruck jederzeit garantieren, sie wären die schönsten im ganzen Land; und auf der ganzen Welt sowieso, denn wie in EU-ropa dank deutscher Hilfe alle wissen, hört die Realität an den Außengrenzen der EU EUdSSR Euro-Zone plötzlich auf.

Die Schwundstufe der wahnwitzigen genialen Ideen der EU-Justizkommissarin Viviane Reding, sich von der Brüsseler Beamtendiktatur eine eigene finanz-„politische“ Wirklichkeit schaffen zu lassen, erfreute sich übrigens auch beim gestrigen Rendezvous von Monsieur Sarkozy und Frau Dr. Merkel (CDU) einer gewissen Konjunktur und sorgte bereits vorab für Furore; in der CDU-Fraktion wird der Reding-Plan inzwischen reflexartig als finanz-„politisches“ Allheilmittel apostrophiert, sobald der Druck, den Lebkuchen und Sauerkraut auf die Gehirne ausüben, ein wenig nachlässt.

Die Planungen gehen inzwischen dahin, nicht etwa „bloß“ sympathischere Agenturen den Rating-Job machen zu lassen, sobald es um die Euro-Zone geht, oder sie „lediglich“ zu Gegengutachten aufzufordern. Sondern inzwischen wünscht man sich bei chez Merkozy, den Job von vornherein selbst machen zu dürfen um sich endlich, endlich eine Wirklichkeit nach Maß zu schaffen.

Vor allem möchte man dafür eine weitere, großartige, europäische, vor allem aber niegelnagelneue Super-Behörde gründen, Arbeitstitel: Euro-Rate, die jeder Teilnehmerin der Euro-Zone die Bestnoten ausstellt, die sie gerne hätte verdient, in der aber auch die besonders verdienten Kader der Partei mit einem sonnigen Frühstückplätzchen entsorgt belohnt werden könnten.

Es darf dabei nicht vergessen werden, finden wir in unserer Funktion als Autor_innen-Kollektiv „Hilde Benjamin“, auch eine „CO2“-Komponente oder irgendeinen anderen alternativ-„politischen“ Schabernack in die Konzepte einzubauen, sonst scheitert das ganze am „legitimen Widerstand“ der Europa-Partei von Claudia Roth und Cem Özdemir; auch das Wort „Krötenwanderung“ könnte in den alternativen finanz-„politischen“ Brüsseler Zusammenhängen eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Es wird sich erweisen, welchen Ratings private Kreditgeber mehr Vertrauen schenken, den privat-unabhängigen Finanz-Assessoren oder ihren staatlichen Pendants vom VEB Rating der EU. Ob es, wie „politisch“ angestrebt, gelingt, eine staatlich verordnete Bewegung in den Markt der Risiko-Aufschläge zu bringen, scheint mehr als fraglich, aber ein Meer Mehr an Arbeitsplätzen ist durch den „politischen“ Vorstoß heute schon garantiert.

Der Effekt der Intervention, durch behördliche Regulierung aus Bruxelles die Risiko-Aufschläge der Clubmitglieder in der Euro-Zone auf wunschgemäß niedrige Niveaus zu senken, könnte ja gegebenenfalls sogar das Maß sein, nachdem der Erfolg der angestrebten Super-Behörde Euro-Rate sich ermisst; vulgo: ob diese sich überhaupt rechnet?

Da der dafür nötige ökonomische Verstand den „politischen“ Akteuren sich aber nicht ohne weiteres unterstellen ließe, ist von dem auszugehen, was viel eher angestrebt erscheint: die Schaffung einer weiteren europäischen Parallelwelt, die mit der real-existierenden Empirie (und deren Kontingenz) nur durch die Formulare eines demokratisch nur sehr bedingt und mehr oder weniger indirekt legitimierten Beamtenapparates vermittelt erscheint.

Griechenland, werte Genoss_innen und Genossen, war erst der Anfang.