Mein Reisetagebuch: Eine Woche Gaza-City

Posted on Dezember 19, 2011 von

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In ihrer Funktion als Gründungsmitglied des zukünftigen e.V. „Ein Balagan“ und Duzfreundin von Christian „Fischfutter“ Ströbele befindet sich eine unserer Genoss_innen und informellen freien Mitarbeiterinnen seit einer Woche mit der Reisegruppe vom Widerstands-Komitee „Viva Palästina“ zu Gast in Hamastan Gaza-City. Von dort erreichte uns ihre Fotoreportage, in der sie das großartige Aufbauwerk des Terrorismus Antizionismus unter Führung der Partei der Arbeiterklasse Hamas dokumentiert, und das wir Euch, Genoss_innen, in Eurer Funktion als Leserinnen und Leser samt den dazugehörigen Eintragungen im Reisetagebuch unserer IM weder vorenthalten können noch vorenthalten möchten.

Erster Tag.

Bei schönem Wetter kann es in Gaza-City auch nicht anders aussehen, als in Berlin-Marzahn oder Hamburg-Steilshoop: Die triste Betonwüste wird nur hier und da unterbrochen von ein paar kleinen, aber feinen Grünanlagen, die von den Menschen hier liebevoll gepflegt werden. Und das, obwohl die israelische Besatzung dem palästinensischen Volk kaum die lebensnotwenigen Ressourcen übrig lässt.

Außerhalb der Hauptreisezeit von europäischen Touristen ist unser Guide mit dem Verkauf von Süßigkeiten beschäftigt, mit denen man sich ganz antizionistisch einen lutschen kann. Trotz nunmehr über drei bis vier Generationen jüdischer israelischer Besetzung, vor allem aber seit die Katastrophe vom 15. Mai 1948 passiert ist, kämpfen die Menschen auch in Gaza für die Befreiung des ganzen Landes, aber auf der ganzen Welt werden ihre Leiden ignoriert.

Wir, das „Widerstands Komitee Kleinbumsdorf an der Fick e.V.“ wollen ein Zeichen setzen und erklären uns mit unerer Reise zu den Menschen in den besetzen Gebieten mit dem Schicksal aller Palästinenser_innen ungeachtet ihres Glaubens solidarisch und hoffen, dass sich die schreckliche jüdische Geschichte nicht noch einmal wiederholen muss.   

Zweiter Tag.

In den Moscheen der Moslems gibt es keine Bilder, Statuen oder irgendwelche Dekoration, und das nur wegen der Besatzung. Es heißt, am Checkpoint „Eretz“ steckt seit mehreren Monaten ein ganzer Container voller Kunstwerke fest, aber die Israelis lassen ihn nicht rein, um die Ausübung der Religion zu behindern. Wie üblich unter dem Vorwand, es könnten Waffen darin versteckt sein.

Wenn die Juden Zionisten Israelis wüssten, wie sehr sie die religiösen Gefühle der Menschen im Gaza-Streifen mit ihren abstrusen Unterstellungen verletzen, würden sie es sich vielleicht noch mal anders überlegen. Wann wäre denn die letzte Rakete von hier aus abgefeuert worden? Vor zwei Tagen? Aber jedenfalls brauchen die Israelis sich nicht zu wundern, wenn ihnen nun wieder die Raketen um die Ohren fliegen, und beschweren schon gar nicht, warum machen sie auch solchen Mist mit der Besatzung. Derweil machen die Menschen hier auch weiterhin das Beste aus ihrem Lager aus ihrer Lage.

Dritter Tag.

In Folge der Überakkumulation auf den kapitalistischen Finanzmärkten steht nun auch in Hamastan die Ware nach dem Menschen an. Auch hierhinter vermuten die Experten den steuernden Einfluss der Israel-Lobby.

Ich verstehe zwar nichts von Wirtschaft, aber ich glaube, sie haben irgendwie auch ein Stück weit recht. Es kann kein Zufall sein, dass im New Yorker Stadtviertel „Brooklyn“ die größte jüdische Gemeinde außerhalb von Israel wohnt, kaum fünfzehn klimaneutrale U-Bahnminuten von der „Wall Street“ entfernt.

Ich fände es traurig, wenn sich die Geschichte widerholt, aber hatten die Juden Israelis denn nicht genug Zeit um zu verstehen, warum ihnen das damals bei den Nazis passiert ist? „Jeder schneidet sich die Rute zum eigenen Arsch“, hat mein Opa bei solchen Anlässen nicht immer ganz gendergerecht gesagt.

Vierter Tag.

Wenn man bedenkt, dass die Wirtschaftsleistung in den besetzten Gebieten hauptsächlich für den legitimen Widerstand drauf geht, ist es umso beeindruckender zu sehen, welche enormen Fortschritte die demokratische legitimierte Volksregierung in Gaza-City auf dem Gebiet des Umweltschutzes gemacht hat.

Hier hat die ökologische Zukunft, von der wir alle träumen, bereits Formen angenommen. Statt den dekadenten „Life-style“ der Westeuropäer und Nordamerikaner zu imitieren, verzichten die Palästinenser aus freien Stücken auf ihre Verbrennungsmotoren und liefern fortschrittliche Energieträger per Eselkarren aus; unser Guide meinte, dass es sich hierbei eindeutig um Deponiegas mit Öko-Siegel handeln muss, und warum sollte das nicht stimmen?

Sogar unterm Joch einer ungerechten und unmenschlichen Besatzung, mit der die Israelis den Juden auf der ganzen Welt mehr Schaden als Nutzen zufügen, ist es möglich, den CO2-Ausstoß zu limitieren, auch wenn unsere Politiker etwas Anderes behaupten, aber wir wissen ja, wer in diesem Land das Sagen hat.

Fünfter Tag.

Gaza bei Nacht – laut, bunt und lebhaft! Später nimmt unser Guide uns mit in eine bekannte und beliebte Disco unter freiem Himmel; den konnten die Zionisten nämlich noch nicht besetzen, und obwohl es schon nach halb zehn ist, geht die Party grade erst los. Warum nur Männer auf der Tanzpiste stehen, verstehe ich nicht. Ich wollte erst noch fragen, ob es sich vielleicht um einen Homosexuellentreffpunkt handeln könnte, aber ich habe mich das nicht zu fragen getraut, die Moslems können ja manchmal auch etwas komisch sein mit sowas.

Zuhause werde ich die Fotos mal meinem Friseur zeigen und ihn nach seiner Meinung fragen, der kennt sich mit sowas ganz gut aus. Immerhin: Die Stimmung war super, und den Himmel haben die Israelis den Palästinensern noch nicht wegnehmen können! Dass ich früher gehen musste, hat nur daran gelegen, dass ich immer um elf im Bett liegen muss, wenn ich am nächsten Tag nicht völlig groggy sein möchte, und außerdem sieht das Frühstücksbüffet im Hotel immer schon so abgegrast aus, wenn man/frau später kommt.

Sechster Tag.

Von meinem Gästezimmer auf der Frauenetage aus beobachte ich die jungen Männer, die vor der Eisdiele stehen, und nach Einbruch der Dunkelheit noch ein paar Extra-Shekel mit dem Verkauf von Klebstoff und Lösungsmitteln machen müssen, um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen.

Die reichlich herumstehenden Luxus-Karossen bezeugen den naiven Glauben daran, dass es auch den Palästinensern eines Tages möglich sein könnte, die schönen Seiten des Lebens zu genießen, selbst wenn es der israelischen Besatzung scheinbar gelungen ist, den schlichten und aufrechten Charakter der palästinensischen Volkes dahingehend zu korrumpieren, dass die jungen Leute von Gaza jetzt auch im Mercedes vorfahren möchten, genau, wie ihre Altersgenossen im sogenannten Westen.

Übrigens heißt es immer wieder, in Gaza gäbe es ein riesiges Drogenproblem, aber davon haben wir auf unserer ganzen Reise nichts gesehen. Ich kann mir schon denken, wer solche Lügen verbreitet, und zu welchem Zweck. Und außerdem: Was sollen die Menschen denn auch sonst anderes machen? Die Besetzung lässt ihnen ja gar keine anderen Wahlmöglichkeiten.

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