Licht ist konterrevolutionär!

Posted on Oktober 28, 2012 von

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In Großbritannien, dieser Wiege der Zivilisation Ausbeutung durch das kapitalistische Schweinesystem, wird es nun allenthalben etwas dunkler ökologischer werden: Landauf, landab entschließen sich immer mehr Stadtverwaltungen, die Straßenlaternen überflüssigen Stromfresser und CO-Zwo-Schleudern auf Gehsteigen und Fahrwegen abzuschalten. Denn, wie die Befürworter dieser Initiative richtig bemerken: Bei Nacht wird sowieso kein Licht gebraucht – weil dann alle schlafen! Aus deutscher Perspektive vorbildlich ist in diesem Zusammenhang die Grafschaft Lincolnshire. Dort wird die Straßenbeleuchtung schon um 9 Uhr abends abgeschaltet; böse Zungen behaupten, es gäbe dort auch in den übrigen Stunden kaum etwas Nennenswertes zu sehen.

Aber wie nicht anders zu erwarten, hagelt es von der Strom- und Atomlobby bereits Kritik an der begrüßenswerten britischen Öko-Initiative. So erblödeten sich einige unverbesserliche Ewiggestrige bereits, darauf hinzuweisen, dass durch die Straßenbeleuchtung Unfälle und Verbrechen verhindert würden. Wie hier seitens skrupelloser Geschäftemacher mit den Ängsten von Menschen gespielt wird, ist einfach unverantwortlich! Wie dem aufgeklärten Teil der Menschheit bekannt sein dürfte, ist dieser unwissenschaftliche Aberglaube durch die Fakten zweifelsfrei widerlegt, und auch unsere deutschen Vorfahren wussten die Vorzüge der Verdunklung zu allen Zeiten sehr zu schätzen; wie angenehm, dass die britischen Europäer heute im Frieden zu uns kommen.

Wer aber eine Anzeige erstatten möchte, weil er des nächtens mangels Beleuchtung überfallen wurde, beweist damit nur, dass er sich zu fein dünkt, seinen Reichtum mt anderen zu teilen, um es mit den Worten des Kampagnen Obamas von 2008 zu sagen. Wer auf Schnellstraßen und Autobahnen gerne zügig unterwegs sein möchte, kann das auch tagsüber tun, im Berufsverkehr, da ist er auch viel besser für die Polizei zu sehen. Und bei Nacht, wenn alle Straßen leer sind, kann man auch mit dem Fahrrad überraschend schnell unterwegs sein.

Selbstverständlich muss auch beim Fahrradfahren auf jede unnötige Beleuchtung verzichtet werden um die sensiblen Ökosysteme in den Großstädten nicht durch Lichtverschmutzung und deren unschöne Folgeerscheinungen zu zerstören. Wer jedoch mit seinem Fahrzeug bei Nacht gegen ein Hinderniss fährt, für den oder die kommt jede Hilfe sowieso zu spät – da kann auch keine Straßenbeleuchtung mehr helfen! Einige alleinreisende Damen werden den Wegfall der Straßenbeleuchtung kaum bemerken, denn viel dunkler als in ihrem Hijab kann es durch die britische Umweltinitiative auch auf der M4 nicht werden.

Wenn nun also im Namen der Zivilisation und Goethe auf dem Sterbebett “mehr Licht” gefordert wird, so sollten jene, die das tun, nicht nur an die Argumente, sondern vor allem an ihre Umwelt denken. Die Abschaltung der Straßenbeleuchtung spart Unsummen, die sonst sinnlos verplempert würden, und noch dazu auf äußerst unverantwortliche Art und Weise. Schräg gegenüber vom Männecken Piss, im Gebäude des Brüsseler Ministerrats, soll sich bereits eine Arbeitsgruppe gebildet haben, die durch massive Investitionen in die griechische Infrastruktur garantieren möchte, dass die hellenische Republik ihre Sparziele leichter erreicht, indem Griechenland auf mehr Licht verzichtet.

Im Gespräch ist derzeit eine Anschubfinanzierung in Höhe von 30 Milliarden Euro für den Umbau der Netze. Wozu überhaupt Straßenbeleuchtung? In Athen scheint doch sowieso den ganzen Tag die Sonne! Und was dort jetzt bei Nacht los ist, möchte man lieber nicht so genau sehen, Genossinnen und Genossen. Die Umwelt wird es Euch danken, liebe Helleninnen und Helenen, denn von der CO2-Einsparung können die Rot VR-Chinesen sich wieder ein paar neue Kohlekraftwerke leisten.

Aber selbstverständlich: Es ist die Energiewende nicht ohne Bewusstseinswende zu schaffen! Das weiß auch Dr. Angela Merkel, diese Bundeskanzlerine, von der sich Feminist_innen jederlei Geschlechts mal eine “andere, weibliche Politik” versprochen hatten, wegen des ausschließlich aus X-Chromosomen bestehenden Erbguts dieser ordentlich habilitierten CDU-Vorsitzenden (womit Angie in ihrem Kabinett eine seltene Ausnahme sein könnte, heißt es).

Die Bewusstseinswende in der Energiewende bedeutet, dass wir uns wieder mehr auf die traditionellen Werte besinnen müssen. Wozu auch sollte man nach Einbruch der Dunkelheit noch das Haus verlassen? Was gibt es da draußen, was es drinnen nicht gibt? Warum sollten Städte und Gemeinden die Welt ins Verderben und sich selbst in unnötige Kosten stürzen, nur damit ein paar Säuferinnen und Säufer auch nach 21 Uhr noch ihren Bierdurst stillen können, ohne sich beim Torkeln das Genick zu brechen?* Und was wollen diese vielen Leute im Kino – haben die kein Fernsehen? Was schließlich Familienbesuche angeht: Was dabei herauskommt, erlebt man alljährlich zu den Fest- und Feiertagen – und das sollte genügen.

Deshalb: Trautes Heim, Glück allein! In den eigenen vier Wänden ist es doch am schönsten, besonders mit der richtigen Beleuchtung – nämlich keiner! Wer sich zum Erwerb einer Immobilie zur Eigennutzung entschließen sollte, hat in den nächsten dreißig Jahren sowieso nichts Anderes zu tun, als seinen Hypothekenhügel abzuwohnen, Genossinnen und Genossen, warum also das Haus verlassen?

Und damit kommen wir zum letzten Argument, das für die britische Initiative sprechen sollte: Die kommenden Generationen. An sie denken die Freunde der Straßenbeleuchtung Energieverschwendung natürlich nicht. Was hingegen beim vorläufig letzten flächendeckenden Stromausfall an der Ostküste der Vereinigten Staaten und in Kanada 1965 los war, dürfte allen im lebhaften Bewusstsein bleiben, die diesen bezaubernden Dokumentarfilm mit Doris Day gesehen haben: Baby-Boom, pünktlich neun Monate später! Die kommenden Generationen werden es den Briten, und allen Städten und Gemeinden, die ihre Einwohner die Nacht lieber im Dunkeln verbringen lassen, danken, denn ohne diese Bewusstseins- und Umweltinitiative würden sie womöglich niemals geboren.

Stellvertretend für ihre Klientel begrüßte Claudia Roth von den deutschen Grünen denn auch jede Maßnahme zur Förderung der Dunkelheit zum Stromsparen und zur Sanierung der CO2-Bilanz. Dadurch würden Atomkatatsrophen mit anschließenden Erdbeben verhindert. Selbst wenn bei den Grünen nach Abschaltung aller Atomkraftwerke die eine oder andere Landtags- oder Bürgermeisterwahl verloren ginge, weil man nicht mehr auf dem Rücken von 30.000 Toten grüne Politik machen könnte, wäre Frau Roth sehr dafür, dass ihre Partei in Zukunft auch dieses Opfer bringt. Womöglich wolle Frau Roth eine Chance auf soetwas Ähnliches wie Fortpflanzung bekommen, und Dunkelheit könnte ihr dabei nur helfen, hieß es unter Experten; aber nur, wenn dabei nicht mehr als 0,8 Kinder herauskommen, denn mehr gibt der ökologische Fußabdruck nicht her.

* Apropos: Vorbildlich ist hier die Initiative unsrer bayrischen Genossen, die Bier und andere Grundnahrungsmittel nach 21 Uhr nur noch an motorisierte Verkehrsteilnehmer verkaufen wollen – die Verkehrsformen sind ein Spiegelbild der Gesellschaftsformen, heißt es hierzu schon bei Karl Marx.