Hat Trittin demonstrationsjoghurtkultur?

Posted on September 23, 2010 von

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Trittin beckleckert: Nicht vogelkacke, sondern torte!

Gestern wurde bei einer diskussion der antifaschismus-, antiglobalisierungs-, antigentechnik-, antitierquälerei-, antikriegs-, antikapitalismus, antiarbeits- und antiatomaktivistin genossin hanna poddig der antisexismus-, antisrael-, antibaby-, antiquitäten-, antiehrlichkeits-, antiverkehrs- und antiatompolitiker genosse jürgen w. trittin von einem/einer (geschlecht tatsächlich unbekannt) demonstrantIn mit joghurt beworfen, wie der tagesspiegel mit bilddokument berichtet. Genosse Trittin und die partei der kritischen intelligenz kritisierten dies als gewaltakt und erstatteten anzeige wegen versuchter körperverletzung. Genossin Poddig weigerte sich, diesen zwischenfall zu verurteilen. Daraufhin verliess genosse trittin die diskussionsveranstaltung.

Arsch und zwirn! Es ist schon schlimm genug, dass in trittin, poddig und uns sowohl atome als auch gene drin sind, aber weiter dürfen wir den kapitalistischen konzernen nicht entgegenkommen. Es ist schon genug skandal, wenn atome gespalten werden, aber nun spaltet die gehässige atomlobby sogar forschrittliche politik und kritische basisaktivistInnen! Das darf nicht sein! Deswegen wollen wir vom autorInnenkollektiv dr. hilde benjamin vermitteln, und zwar mit unseren bewährten revolutionär-dialektischen argumenten.

Es ist nämlich gar nicht klar, ob der joghurtwurf gewalt war oder nicht, wir werden es deswegen offenlassen, um der demokratischen diskussionsjoghurtkultur nicht zu schaden. Fakt ist, dass jürgen trittin bekanntlich seine bekleckerte kleidung, die nicht von kinderarbeiterInnen in billiglohnländern genäht wird, sondern von einem multikulturellenschneider mit migrationshintergrund massgeschneidert wurde, umweltbewusst ohne weichspüler und umweltschädliche waschmitteltenside reinigen lassen wird. Das ziel der joghurtkleckerei war also umweltbewusst gewählt, wie überhaupt alle aktionen von umweltaktivistInnen umweltbewusst sind –sei es das aufhängen von plastiktransparenten, die mit farben aus einweg(sprüh)dosen beschriftet worden waren, das verbrennen von kohlenwasserstoffen in außenbordmotoren von greenpeace-kunststoffschlauchbooten oder das herumlärmen auf demonstrationen. Auch die zeit war umweltbewusst gewählt, denn der joghurtklecks wird noch gar nicht sehr hart eingetrocknet sein, bis die ausläufer der ersten herbststürme kommen und die trittin’sche waschmaschine mit windenergie und ohne atomstrom angetrieben werden kann. Dabei muss er sich aber beeilen, denn wenn die stürme zu kräftig sind, muss die wäsche schon zum trocknen draußen hängen, weil dann die windräder aus sicherheitsgründen ja abgestellt werden müssen und nur noch böser atomstrom der energierisen in den leitungen fliesst.

Gewalt ist es nicht, was unsere genossInnen anwenden!

Nun der klassenkontext, in dem der joghurtwurf geschah. Der zweck war die gegenwehr gegen eine von der atomlobby käufliche politik. Aber gegenwehr gegen das kapital ist keine gewalt. Gewalt ist nur der terror des kapitals, etwa preiserhöhungen auf strom. Allerdings ist es gewalt, wenn einE kämpferIn gegen gewalt angegriffen wird. Das sieht auch ein expertengremium der UNO im falle der zionistischen aggression gegen die hamas-solidaritäts- und friedensflotte so. Deswegen kann es schon gewalt sein, dass trittin bekleckert wurde. Wir wollen uns darauf aber nicht festlegen. Der politische fortschritt würde nämlich behindert, wenn wegen einer dogmatisierung des begriffs des antigewalt-kämpfers jetzt die basisaktivistInnen später nicht mehr zum widerstand gegen vormalige genossen aufgerufen werden können.

Wie es anders geht, das zeigt ein bericht des hamburger abendblattes zur rahmenveranstaltung „ideale vs. realpolitik“, in dem der joghurtwurf stattfand. 50 komsomolzen des 11. jahrganges der integrierten gesamtschule „Fritz Weineck“ in hannover-roderbruch marschierten „trommelnd und Fahnen schwenkend durch die Innenstadt“. Diese aktion und ihre politisch-dramaturgische begleitung durch intellektuelle des subventionierten staatstheaters liessen den ewiggestrigen cdu-mann Dirk Toepffer zetern, das staatstheater richte auf landeskosten eine politische Veranstaltung der Atomkraftgegner aus und „pseudointellektuelles Debattieren ist noch lange kein Theater“. Wir vom autorInnenkollektiv dr. hilde benjamin bedanken uns für dieses unfreiwillige lob, herr Toepffer!